Konversation zum Beitrag von Hiery Hermann am 15.11.2012, 11:23 Uhr

 
Tag 11
Moderation
Susanne Eisenbarth
15.11.2012, 12:05 Uhr
Lieber Herr Hiery,
vielen Dank für Ihren konstruktiven Beitrag. Sehe ich das also richtig, dass Ihrer Meinung nach die Halde ihren ursprünglichen Zustand bewahren sollte? Ohne Neuplanungen wie Seilbahn, Imbiss oder die Themenwege? Sind sie denn der Meinung die Fläche alleine ist Anziehungspunkt genug, auch für Gäste, die nicht aus der Region sind?
Grundsätzlich ist diesem Prozess daran gelegen, die Meinungen und Wünsche der BürgerInnen mit in die Planungen einzubeziehen. So sind aus einem Meinungsbild Ideen entstanden, zu denen eben auch der Themenweg oder ein Gasthaus mit Konferenzräumen gehört. Dennoch sind die Planungen offen und Fragen zur Finanzierung und Ausführung sind zu diesem Zeitpunkt noch nicht geklärt.
Hiery Hermann
15.11.2012, 11:23 Uhr
 
° Ich erinnere an die Situation in der ehemaligen DDR kurz nach der Wiedervereinigung. Dort wollte man in der Euphorie eines Neuanfangs gleich vieles an alter Bausubstanz niederreißen, um an deren Stelle neue Gebäude in architektonisch zeitgemäßem Stil zu errichten. Doch es fehlte das Geld dazu. Heute ist man froh - und das höre ich immer wieder bei Gesprächen mit ostdeutschen Freunden -, dass damals für ein derartiges Unterfangen die finanziellen Mittel nicht vorhanden waren. Jetzt ist man glücklich, dass viele Gebäude nicht einfach beseitigt wurden, da sie sich nunmehr hervorragend in die neu entwickelten Kulturlandschaften einfügen. Diese Erfahrungen sollte man nutzen. Es ist einfach wichtig, Vergangenes und Früheres in das Heute mit einzubeziehen.
° Es ist gut so, dass die Bevölkerung sich im Rahmen eines Bürgerforums an der Ideenentwicklung beteiligt. Dabei ist jedoch zu bedenken, dass eloquente Wortführer/-innen bei öffentlichen Veranstaltungen nicht unbedingt die Meinung der Mehrheit der Bevölkerung repräsentieren. Viele Bürger/-innen sind nicht so wortgewandt und fürchten daher den öffentlichen Auftritt, sind aber im HIntergrund wichtige und maßgebliche Meinungsbildner/-innen, um eine positive Grundstimmung bezgl. einer zukunftsorientierten Entwicklung zu generieren. Die Verankerung, ja die Zementierung guter Ideen unter Einbeziehung alter Werte und Traditionen im Bewusstsein der Bevölkerung vor allem in den angrenzenden Gemeinden hat m:E. höchste Priorität bei der künftigen Neugestaltung des Bergwerkgeländes.
° Es kann nur gewarnt werden vor einem Themenweg mit Hinweistafeln oder Schaukästen etwa zur Geschichte der Anlage oder der Darstellung künstlerischer Arbeiten. Ich habe kürzlich in dieser Hinsicht im Erzgebirge und im Ruhrgebiet bei Gesprächen mit exzellenten Kennern der Szenerie fast nur negative Erfahrungen und Einschätzungen hören können. So hart es klingt, das interessiert die Allerwenigsten, die das Bergwerk mit all' seinen Eigentümlichkeiten und Besonderheiten "mit den Augen" besuchen wollen. Im Übrigen sind für "Sprüher und Zerkratzer" - die Erfahrung lehrt es - diese Objekte "herrliche" Betätigungsfelder.
°Thema: Hanghaus mit Gastronomie und Konferenzräumen!!!!! Wenn man den grandiosen Blick von der Halde aus genießen will, dann sollte man den Berg besteigen und sich nicht in eine Gaststube zum Essen und Trinken setzen.Es sei denn,man gewinnt (Utopie!) einen Sternekoch; doch da gibt es besser zugängliche und attraktivere Standorte. Und wenn ich dann von einer Seilbahn oder einem Lift mit all' den vielfältigen heute noch nicht absehbaren Unwägbarkeiten in technischer und personeller Sicht höre, dann versagt schnell meine Vorstellungskraft. Im Übrigen sind Zechensaal und Weißkaue für Konferenzen der unterschiedlichsten Art bestens geeignet! Warum neue Ruinen bauen?
° Zur Verfügung stehende und zu mobilisierende Finanzmittel sind besser angelegt in Erhaltungsinvestitionen bzgl. vorhandener berbautypischer Immobilien als in fragwürdige, problematische Investitionsvorhaben (s.Grube Warndt! ).

Hermann Josef Hiery, Kornstr. 1, 66806 Ensdorf