Tag 8
Wanda Wieczorek
19.09.2012, 10:47 Uhr
Kommentar zum Beitrag von Timo Meisel
Mir fällt dazu wieder einmal das geniale Park Fiction Projekt aus Hamburg ein: da haben sich ganz unterschiedliche "anwohnende Personen" - Künstler, Sozialarbeiter, Gewerbetreibende, Politaktivisten, Hausfrauen, Lehrer, Kinder usw. - mit recht unterschiedlichen sozialen Hintergründen zusammengetan, um für eine Brachfläche am Hafen eine eigene Planung vorzulegen. Damit sollte eine Bebauung dieser Lücke verhindert werden, und das gelang letztlich auch. Worauf es aber ankommt ist, dass man hier mit einer so genannten "parallelen Planung" einen besseren Entwurf gemacht hat, als es der Investor mit dem fünfstöckigen Büroriegel konnte. Das beweist sich heute, wenn der Park kräftig zur Beliebtheit und Attraktivität von St. Pauli Süd beiträgt (und damit auch wieder zur Verdrängung der Planenden, aber das ist eine andere Geschichte).
Jetzt ist das natürlich ein Beispiel, in dem ein durchaus heftiger Konflikt am Anfang stand. Ich frage mich aber, ob man nicht daraus lernen kann, wenn es um die Planung von neuen Gebäuden oder ganzen Gebieten geht. Gerade wenn darin eine lebendige Mischung entstehen soll, lässt sich dies doch kaum ohne diejenigen machen, die diese Mischung ausmachen. Brauchen wir nicht noch viel mehr - oder überhaupt - Konzepte dafür?
Gemeinschaft•Freiheit
 
Tag 1
Wanda Wieczorek
12.09.2012, 15:17 Uhr
Kommentar zum Beitrag von Frank G.
Ja, mir war bekannt worauf ich mich einlasse, ich habe das gern getan und genossen und zu einem bestimmten Zeitpunkt wieder aufgegeben. Ich hatte die Wahl - im Gegensatz zu vielen anderen Menschen, die diese Wahl nicht einfach so haben. Vielleicht muss man eher mal fragen: wer profitiert von welcher Mischung? Und wer bestimmt darüber, welche Mischung sich wo durchsetzt?
Abgesehen davon teile ich Ihre ziemlich pessimistische Diagnose nicht. "Niemand ist mehr bereit für eine gesamtgesellschaftliche Entwicklung Einschränkungen in seinem persönlichen Bereich hinzunehmen, wobei selbst minimale Veränderungen als gravierend wahrgenomme werden." Stimmt doch gar nicht. Ganz Berlin-Neukölln ist voll von Gegenbeispielen, St. Pauli auch! Aber man muss auch hier fragen, wen das eigentlich betrifft: wer in einer ohnehin prekären Situation lebt, wird Veränderungen im direkten Lebensumfeld wohl eher als Bedrohung wahrnehmen als jemand in einer stabilen und sicheren Lage mit der Möglichkeit zur Wahl.
Gemeinschaft•Freiheit
Wanda Wieczorek
12.09.2012, 10:41 Uhr
 
Hallo, auch ich bin eine Beteiligte von Zivilarena, war in den vergangenen zwölf Jahren Großstädterin, wurde Mutter von drei noch kleinen Kindern und wohne seit zwei Wochen wieder auf dem Dorf. Die Entscheidung für den Umzug ist mir nicht leicht gefallen, schließlich habe ich die Annehmlichkeiten des städtischen Lebens sehr genossen, und dies auch an eher "stark durchmischten" Orten wie Hamburg-St. Pauli oder Berlin-Wedding. Was mich dort letztlich störte, war nicht das Mit- und Nebeneinander unterschiedlicher Funktionen und Menschen, sondern dessen Folgen für den öffentlichen Raum, also: Tausende von Touristen, die am Wochenende über die Reeperbahn rocken hinterlassen Berge von Müll - und der fließt und stapelt sich natürlich auch noch auf meinem Weg zum Bäcker am Montag Morgen und ruiniert mir zum Morgengruß die Geruchsnerven oder, wenns schlimm kommt, die Schuhe. Oder: der Weg zum Kindergarten ist gepflastert von Hundehaufen - und die stammen durchaus von Hunden aus der Nachbarschaft. Was "während" der Nutzungsmischung passiert - also Hund&Mensch; oder Tourist&Biertrinken; - finde ich nicht problematisch, wohl aber die Folgen eines achtlosen und rücksichtslosen Umgangs mit dem geteilten Raum. Mischung will ich dafür nicht aufgeben, aber manchmal schon gerne die Beteiligten etwas besser erziehen…
Gemeinschaft•Freiheit · Kindheit•Zukunft