Tag 16
Koschny
27.09.2012, 15:28 Uhr
Kommentar zum Beitrag von Anja Batke
Ich finde unsere Diskussion ist schon ein wenig privilegiert. Allein die Diskussion erfordert planerisches, soziologisches und rechtliches Wissen. Dabei sorge ich mich um die Städte und Kommunen, die allein aus Budget- und oder Kapazitätsgründen keine Möglichkeit haben, daran teilzunehmen oder gar solche Konzepte zu realisieren. Dabei gehe ich davon aus, dass es gerade die schrumpfenden Kommunen (Ostdeutschland, NRW, Saarland) mit hoher Arbeitslosigkeit, Bevölkerungsrückgang etc. betrifft.
Heimat•Arbeit · Kindheit•Zukunft
 
Tag 14
Koschny
25.09.2012, 17:14 Uhr
Kommentar zum Beitrag von Timo Meisel
Das stimmt ja nicht so ganz, Städte wie Berlin, Hamburg, Paris, Mailand wachsen. Hier wird es wohl auch eher Ansätze für Mischnutzungen geben. Problematisch sind in der Tat schrumpfende Städte, die weder das Budget noch die Motivation haben, sich mit solchen Prozessen auseinanderzusetzen.

Aber zurück zur Frage:

Wenn ich ein Quartier entwickeln dürfte, würde ich zwar insgesamt eine Durchmischung von Handel, Wohnen, Arbeiten (Büro, Handwerk, Dienstleistungen) fördern, bevorzuge jedoch die kleinräumige, blockweise Trennung der Nutzungen. So lassen sich Konflikte, insbesondere Lärm vermeiden. Besondere Augenmerk (architektonisch und nutzungsstrukturell) sollte auf die Erdgeschossbereiche gelegt werden. Für Wohnen ist diese Lage nicht optimal geeignet. Es ist aber kaum möglich, weiträumige Erdgeschossbereiche mit Dienstleistungen zu füllen. Insofern sind blockweise sehr individuelle Konzepte gefragt (z.B.höher gelegte Erdgeschossbereiche)
Verkehrliche Konflikte lassen sich am durch die Hierachisierung von Straßen reduzieren, wenngleich eine Vermeidung nicht möglich ist. Dennoch halte ich es für notwendig, dass in den Ballungsräumen der Versuch einer konfliktfreien Verkehrsplanung nicht nur zu Lasten des motorisierten Individualverkehrs gehen darf. Denn sollte dies so sein, würde man von vorn herein die Nutzergruppen ausschließen, die den PKW benutzen wollen oder müssen.
Kindheit•Zukunft
Koschny
25.09.2012, 16:29 Uhr
Mischstrukturen stehen und fallen mit einem funtkionierenden Mittelstand. Wenn wir uns jedoch anschauen, dass genau der Mittelstand im Moment in Deutschland wie auch in anderen europäischen Städten wegbricht, wird es auch schwer, gemischte Strukturen zu fördern. Die Staatsschulden wird der Mittelstand schultern müssen, ebenso wie der Mittelstand an die untere Gesellschaftschicht Transferleistungen finanzieren muss und darüber hinaus die Oberschicht zu unterstützen hat, die wenig zur gesellschaftlichen Wertschöfung beiträgt. Wo bleibt denn dann noch Raum nicht nur moralisch, sondern auch finanziell Mischstruturen zu unterstüzen. Insofern muss diese Diskussion nicht nur aus nutzungszrukturellen Aspekten sondern auch aus politischer Motivation geführt werden.
Kindheit•Zukunft
Koschny
25.09.2012, 10:24 Uhr
 
Ich würde die Diskussion gern um den internationalen Städtebau erweitern, denn was wir hier diskutieren ist zwar sehr weitblickend, kann m.E. aber nur in gesättigten Märkten stattfinden.
Die internationale Stadtentwicklung wie z.B. in Asien ist eher dadurch geprägt, die traditionellen Mischstrukturen aufzulösen und in Monostrukturen (Büro/Hotel oder Wohnen) umzuwandeln. Wahrscheinlich ist diese Entwicklung einen immens hohen Investionsdruck bzw. Realiserungsdruck geschuldet.
Dagegen erlauben wir uns in Ländern wie Deutschland, Niederlande oder den "Nordics" Diskussionen, die "gemischte" Urbanität über eine hohe Stadtentwicklungsdynamik stellt. Das alles kostet Geld und dürfte nur so lange möglich sein, wie der Staat bereit ist, dieses auch zu finanzieren. Insofern sollte das nächste Ziel sein -neben der Frage, was eigentlich sinnvolle Mischstrukturen sind - wie diese europäische Stadtqualitäten auch angesichts hoher Schuldenberge gewährleistet bleiben kann. Global abgeleitet deutet der Trend nämlich eher auf Monostrukuren als auf Mischstrukturen. Insofern muss der Diskussion über Mischstrukturen schnell eine Realisierung von Ideen folgen. Vieleicht ist deshalb eine gewisser "asiatischer" Realsierungsdruck gar nicht so schlecht.
Heimat•Arbeit · Kindheit•Zukunft