Tag 8
Frank G.
19.09.2012, 09:15 Uhr
Gut, evtl. war das Beispiel Druckerei schlecht gewählt - dann ersetze ich es eben durch Autowerkstatt und bleibe dabei, dass solche Nutzungen nicht zwingend in innerstädtische Quartiere gehören, damit dieses attraktiv ist.
Und gerade für anderes "störendes" Gewerbe sind Gewerbegebiete ideal. Außerdem denke ich nicht, dass es sonderlich viel Sinn macht Gewerbegebiete umzunutzen. Denn was wäre denn die Folge? Betriebe finden in den Städten keine Flächen mehr um zu expandieren oder sich anzusiedeln (Neuansiedlung sind zwar selten, kommen aber vor), also werden im Umland immer neue Flächen geschaffen mit allen Folgen wie Versiegelung, fehlende Steuereinnahmen in den Städten und zusätzlicher Verkehrm so das man letztlich wieder bei einer Funktionstrennung landet und von Mischung kann keine Rede mehr sein. Außerdem würde die Verdrängung von Gewerbe aus der Stadt dazu führen, dass den Menschen, die eh schon nicht zu den Topverdienern zählen, weitere Mobilitätskosten aufgezwungen werden.

Und zu den Kreativen und Künstlern: Ich kenne auch Künstler die es attraktiv und spannend finden im Plattenbau in Marzahn zu leben, dennoch zeigt die Geschichte doch dass man Großwohnsiedlungen in der Form für gescheitert erklären muss.

Und ausländische Studenten will man nicht in Wohnheimen haben? Habe ich so noch nicht gehört und selbst wenn es so wäre, sind Gewerbegebiete dann wohl mit Abstand die schlechteste Lösung.
Heimat•Arbeit
 
Tag 7
Frank G.
18.09.2012, 22:30 Uhr
 
Soziale Mischung ist ja hier nun mehr oder weniger zum trending topic geworden. Dennoch wirkt es ein wenig so, als würde man schauen was finden Menschen den attraktiv in den angesagten Stadtteilen in den Metropolen. Daher scheint es so, als würde man zu dem Ergebnis kommen, dass sozial-schwache ein Viertel augenscheinlich attraktiv machen und nun nach dem Motto verfährt, wenn wir eine soziale Mischung nach dem Drittelmix planen, dann funktioniert das schon alles und alle fühlen sich wohl und die Planer etc. sagen, da haben wir aber super Entwicklung auf die Beine gestellt. Leute mit Wohnberechtigungsschein freuen sich über eine günstige Wohnung, die anderen freuen sich über eine neugekaufte Wohnung und andere finden es schön authentisch. Sicherlich ist das sehr polemisch, worauf ich hinaus will ist das man Mischung trotz aller Festlegung nicht planen kann. Also muss man da ansetzen, wo man gezielt eingreifen kann und das ist das Bauliche und die Ökonomie, also das was Herr Vogel ja schon angesprochen hat.
Warum kann man nicht bei großflächigen Entwicklern einige Aufgaben ins Pflichtenheft schreiben, sicher werden sie nicht begeistert sein, aber letztlich werden sie es wohl akzeptieren. Ich möchte mal einige Beispiele geben:
- Wenn mehr als 50 Wohnungen geschaffen werden, dann muss im Innenhof ein Gemeinschaftshaus für die Mieter errichtet werden, das diese selbst verwalten
- Gewerbe ist wichtig und Schlossereien und Druckereien in Hinterhöfen mögen ihren Charme haben, gehören aber letztlich ins Gewerbegebiet.
- Im Erdgeschoss macht Handel/Gastronomie Sinn, aber nicht an jedem Standort – Leerstände sind unattraktiv und werten letztlich ab. Zudem sollte bei der Kalkulation evtl. nicht immer nach der maximal erzielbaren Miete geschaut werden, sondern was schafft evtl. Mehrwert für das Gesamtprojekt.
- Auch gegen Büronutzungen im gewissen Umfang trotz der „Leerstand zu Wohnraum“-Debatte spricht an und für sich nichts, kann so doch eine Funktionsmischung erreicht werden, die ein Quartier auch tagsüber beleben kann.
Aber auch die öffentlich Hand ist gefragt, sei es eine sinnvolle Verkehrsanbindung zu schaffen oder den öffentlichen Raum zu gestalten und hierbei insbesondere Grünflächen zu schaffen und zwar solche die nicht nur auf dem Entwurf des Landschaftsarchitekten gut aussehen und am Ende klinisch wirken, sondern die zum Verweilen einladen.
Ich bin gespannt auf Einwände und Ergänzungen.
Gemeinschaft•Freiheit · Rahmenbedingungen
Frank G.
18.09.2012, 08:52 Uhr
Ist es denn wirklich so, dass die Notwendigkeit günstiger Mieten keine Möglichkeiten zum Geld verdienen lässt? Demnach würden ja alle Entwickler von sozial gefördertem Wohnraum aus rein altruistischen Motiven handeln, was ich einfach mal anzweifeln möchte. Sicherlich kann man das Gebäude wahrscheinlich nach Fertigstellung nicht so einfach verkaufen wie dies mit freifinanzierten Gebäuden der Fall ist, aber hat nicht dieses kurzfristige Denken dazu geführt, wo wir uns heute befinden?

ZU den breiten Straßen: Das enge Straßen nicht unbedingt zwangsläufig zu guter Aufenthaltsqualität führen zeigt m.E. sehr gut der Kaiserkai (obwohl die Hafencity sowieso kein best practice Modell merh werden wird). Dort kann ich von der einen auf die andere Straßenseite spucken, habe einen Basketballplatz und Cafes und dennoch lädt es nicht zum Verweilen ein - Enge ist also nicht allein ein Qualitätsmerkmal. Zum Straßenraum gehören auch Grünflächen, auf die gerne auch mal ein Hund kacken kann, so dass man zumindest das Gefühl hat, dass dort Leben herrscht.

Ach ja, und generell wenn wir von sozialer Mischung reden, dann sprechen wir häufig über Sozialwohnungen oder hochpreisige Eigentumswohnungen. Dazwischen findet gefühlt kaum noch eine Entwicklung statt, was nützt es mir wenn wie in HH 1/3 Sozialwohnungen gefordert und umgesetzt werden, wenn die Kriterien für einen Wohnberechtigungsschein so gesetzt sind, dass viele die es nötig hätten, ihn nicht bekommen und als zusätzlicher Hohn fallen noch Gebühren für die Ausstellung an.

Ich denke es wäre mal sinnvoll zu überprüfen (wenn es nicht sowieso turnusmäßig geschieht), ob die jetzigen Bewohner überhaupt noch den Kriterien enstrpechen, denn es kann doch letztlich nicht sein, dass ein Student, der früher mal eine Sozialwohnung bezogen hat, was auch in Ordnung ist, sich es heute gutgehen lässt auf Kosten der Allgemeinheit. Außerdem ist diese 1/3 gefühlt völlig willkürlich oder spiegelt dies die Bevölkerungsstrukturen wider?
Rahmenbedingungen
 
Tag 1
Frank G.
12.09.2012, 16:00 Uhr
Kommentar zum Beitrag von Timo Meisel
Nur kurz zur prekären SItuation bezogen auf die Einkommensituation. Ich denke hierbei muss man unterscheiden, ist die prekäre Situation evtl. "freiwillig" gewählt, indem man sich entschlossen hat Künstler oder Freiberufler zu werden, dann sieht man VEränderung sicherlich als Problem, da sie einen gefühlt in der Lebensumwelt zu bedrohen scheint, ob dies letztlich so ist sei erstmal dahingestellt. Wenn man allerdings in einer Situation lebt, dass man morgens Zeitungen austrägt, dann Regale einräumt und dann abends noch putzen geht, damit man ein Auskommen hat, dass gerade die nötigsten Ausgaben abdeckt, dann hat man in der Regel andere Probleme und beschäftigt sich auch mit anderen Dingen. Denn wenn wir uns die Bilder mal anschauen, wer auf den Demonstrationen auftritt, sich also artikuliert, (sei es Flughafen FFM, Bahn 21), dann sind es doch letztlich Rentner und Bürger aus der Mittelschicht und darüber. Dort wird der Multijobber sicherlich deutlich unterrepräsentiert sein, einerseits weil er andere Sorgen hat und Veränderungen auch nicht zwangsläufig als die Bedrohung wahrnimmt, da der evtl. Eingriff ins Umfeld/die Veränderung nicht als solche wahrgenommen wird.
Gemeinschaft•Freiheit
Frank G.
12.09.2012, 14:27 Uhr
Hallo Frau Wieczorek,
ohne meine Vorstellungen bisher konkretisiert zu haben, möchte ich doch auf Ihren Beitrag eingehen, insbesondere die Aussage, dass sie gewisse Dinge störten, weshalb Sie letztlich weggezogen sind. Einerseits vorweg, gerade St. Pauli hat sich nicht erst in den letzen Jahren zu einem Stadtteil mit Prostitution, Feierei und allen dazugehörigen Begleiterscheinungen entwickelt. Es war Ihnen also bekannt worauf Sie sich einlassen. Letztlich kommt in Ihrem Beitrag eine Einstellung durch, die Stadtentwicklung, die über das Bewahren des status quo hinausgeht, heute nahezu unmöglich macht. Viele Menschen wünschen sich lebendige Quartiere, worunter letztlich jeder natürlich etwas anderes versteht, aber wenn es um konkrete Dinge geht wie Wohnen & Kindergarten, Wohnen & Einkaufen, günstigen Wohnraum, Wohnen & Gastronomie, setzt eine Haltung ein, die mit Nimby/Nimfye/Wasch mir den Pelz aber mach mich nicht nass/St. Florian, beschrieben werden kann. Niemand ist mehr bereit für eine gesamtgesellschaftliche Entwicklung Einschränkungen in seinem persönlichen Bereich hinzunehmen, wobei selbst minimale Veränderungen als gravierend wahrgenomme werden. Diese Zugbrückenmentalität, die sich dann in lautstarken Protesten gegen dieses oder jenes äußert, erschwert eine gelungen Nutzungsdurchmischung ungemein bzw. macht sie unmöglich, da jeder mitreden will, aber die Bereitschaft Verantwortung zu übernehmen ausgesprochen gering ausgeprägt ist. Zwar sagen Sie, dass sie die Mischung nicht aufgeben wollen, aber doch vielmehr in der Nutzung "erziehen", wobei ich erziehen als problematisch empfinde, weil es letztlich auf Verbote hinausläuft, die zu einer weiteren Einschränkung des öffentlichen Raums fürhen.
Gemeinschaft•Freiheit