Tag 7
Dr. Markus Vogel
18.09.2012, 21:38 Uhr
 
Wenn ich mir die Diskussion bis heute so anschaue, so kann ich zumindest eine lernen: Mischung wird sehr unterschiedlich definiert und verstanden.

Die Immobilienwirtschaft versteht unter Mischnutzung (fast) immer die Zusammensetzung unterschiedlicher Funktionen und Nutzungen in einem Raum oder im Stadtquartier. Und an diese kleben wir – die Immobilienwirtschaft - einen Euro. ! Also: Läden x € + Wohnen x € + Büro x € + Kulturelle Nutzung x € = Gut gemischt (!) - so wie ein gelungener Cocktail, der
a) besser schmeckt, als nur seine einzelnen Bestandteile und (!)
b) teurer verkauft werden kann, als die einzelnen Zutaten gekostet haben.

Ja, das wäre toll: Dann hätten wir beides zusammen: Die gewünschte Mischung UND die Ökonomie. Eine Utopie?

Was ich hier – und das muss man für die Immobilienwirtschaft insgesamt feststellen – aber auch lernen darf: Ist ein Verständnis und das Hinterfragen der Zusammensetzung der Milieus.

Zugegebenermaßen hat die Immobilienwirtschaft das bisher nur beim Einkaufen (neudeutsch: Shopping) entdeckt. Da kennen wir unseren Einkäufer genau. Stichwort: Sinus-Milieus. Und ordnen ihn nach seinen Präferenzen in Schubladen ein.

Vielleicht liegt die Wahrheit in der Mitte: Ein bisschen Funktionsmischung ja, aber auch ein bisschen Stabilität im Milieu?

Das Thema Milieu–Mischung - so will ich es jetzt mal nennen - und die ökonomischen und stadtwirtschaftlichen Effekte aus den jeweiligen Milieu-Zusammensetzungen bedürfen einer besonderen Betrachtung. Und hier sehe ich, dass die Immobilienwirtschaft noch lange nicht alle Aspekte des Miteinanders im Stadtteil verstanden hat.
Rahmenbedingungen
 
Tag 3
Dr. Markus Vogel
14.09.2012, 09:53 Uhr
Kommentar zum Beitrag von Timo Meisel
Welche Forschung behauptet das? - und von welcher Nachbarschaft sprechen wir?, Was meinen Sie/Wir alle eigentlich mit Stabilität? Und woran macht sich diese fest? - Ich kann dem so einfach nicht ganz folgen.

Betrachtet man die in Deutschland bevorzugt im Westen in den 50er bis 80er Jahren entwickelten reinen Wohngebiete und fahren dort heute durch, so sehen wir Seniorenheime für eine oder zwei Personen mit vielen leerstehenden Wohnhäusern, gerade im ländlichen oder unbesiedelten Raum.

Auch die Wohnsiedlungen in den nachgefragten Städten, die bei Ihrer Errichtung durchaus von homogenen Bevölkerungsgruppen als Wohn- und Lebensstandort gewählt wurden, haben sich nicht so stabil und flexibel weiter entwickelt, wie die Stadträume, die durch Ihre Mischung von Raumangeboten, Bevölkerungen und Nachfragern, das Hin- und Weg von Bewohnern und Nutzern aufnehmen konnten.

Einfache Gegenfrage: an welchen Standorten in den Städten Deutschlands werden denn am häufigsten für viel Geld Quartiersmanager eingesetzt? Und warum?
Gemeinschaft•Freiheit · Kindheit•Zukunft
 
Tag 2
Dr. Markus Vogel
13.09.2012, 12:14 Uhr
Aktive Bodenpolitik ist vom Grund her etwas ganz einfaches und beschreibt genau das, was in der Begrifflichkeit steckt. Nämlich Politik machen über den Umgang mit Grund und Boden. Dabei kann der Boden in fremdem oder kommunalen Eigentum stehen.

Etabliert haben sich drei Handlungsstränge: Die Steuerung des Bodenwerts über die Spielräume der Planungshoheit. Also bspw. die Festlegung von Art und Maß der Nutzung bspw. über B-Pläne. Auch das ist aktive Bodenpolitik, was aber bis zu Ende gedacht, so nicht immer gesehen und vor allem von den öffentlichen Akteuren verstanden wird.

Zweitens: Die Abgabe kommunaler Bodenflächen, an diejenigen Akteure, die man/Stadt/Kommune an einem Ort haben will. So beispielsweise Flächen für die öffentliche / kommunale Wohnungswirtschaft.

Drittens: Eine aktive Rolle einer Kommune am Markt durch An - und Verkäufe eigenen oder/ und fremden Bodens. Diese letzte Rolle ist selten in Deutschland, geht sie doch nicht konform mit dem Gebot, dass sich die öffentliche Hand grundsätzlich auf ihre Kernaufgaben der Daseinsvorsorge beschränken soll und zudem nicht in den Wettbewerb eingreifen soll. Und genau da entsteht der Zielkonflikt, dass ein sinnvolles Eingreifen in den Wettbewerb in vielen Fällen notwendig ist, um Verwerfungen und Preisspiralen nach oben aber auch nach unten zu verhindern. Aber natürlich ist dies auch immer ein Eingriff in den freien Markt.
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