Tag 21
Philippe Cabane
02.10.2012, 16:37 Uhr
@Andreas Schulten
Die drei Thesen sind meines Erachtens zu einseitig auf die Favorisierung der industriellen, besser globalen Formate gerichtet. Ich habe nichts gegen globale Formate. Sie sind wichtig und nötig und ein klarer Teil der globalen Entwicklung. Nur werden die Städte gerade durch die globalen Formate entmischt und unspezifisch. Verdrängt werden die kleinen, lokalen und spezifischen Angebote, die paradoxerweise diejenigen Qualitäten etablieren, von denen die Immobiilenvermarktung ja schwärmt. Es braucht m.E. eine Durchmischung oder eine Körnung der Sadt in mindestens diesen beiden Formaten. Mut zur Durchmischung heisst demnach, dass wir zwei Massstäben zu spielen lernen müssen.
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Philippe Cabane
02.10.2012, 16:26 Uhr
@Maren Harnack
Der (scheinbare) Wertverlust durch Immissionen ist wirklich ein Dillemma, insbesondere bei stark störenden Betrieben. Es gibt aber auch Kleinbetriebe, die nur mässig Immissionen verursachen. Ich habe vor allem ein Typus von stadtwirksamen Unternehmen im Auge und glaube, dass es wirtschaftlich durchaus rational ist, Flächen preisgünstiger zu vergeben, wenn diese Sozial- und Kreativkapital investieren und damit eine allgemeine Aufwertung verbunden ist. Das gilt wenigstens, wenn von den Investoren nachhaltige, das heisst langfristig stabile Renditen angestrebt werden.

Dem Problem der Verdrängung durch «Aufwertung» kann man nur begegnen, indem den Pionieren der Aufwertung auch ein bestimmtes Mass an Flächen nicht nur vermietet, sondern im Eigentum oder eigentumsähnlichen Formen abgiebt. Schliesslich soll sich die Investition von sozialem und kreativem Kapital auszeichnen. Das lässt sich nicht mit Bauordnungen bewerkstelligen, sondern nur über die Steuerung der Eigentumsstruktur. Man müsste Teilflächen bewusst anders entwickeln, als dies die Produktionslogik grossmassstäblicher Entwicklungen vorgibt. Durchmischung entsteht nur durch die Durchmischung unterschiedlichster Gebrauchskulturen von Stadt.

Zum Thema mentale Suburbanisierung: das ist nichts Neues und ist Ergebnis einer grundsätzlichen Feindlichkeit des Städtebaus und des Menschen (nachdem er die Angst vor dem Wald überwunden hat) gegenüber allem was städtisch ist. Seit es Städtebau gibt, beginnt eigentlich die Suburbanisierung der Stadt. Jacques Herzog (Herzog&deMeuron;) hat mal gesagt, dass die Stadt, der sichtbare Ausdruck der nicht-urbanen Psyche des Menschen sei. Man könnte auch sagen, dass Städtebau und Immobilienentwicklungen im grossen Massstab damit auch immer gezwungen sind zu standardisieren. Das liegt in der Logik jedes Handelns im grossen Masstabs. Doch jede Standardisierung läuft dem entgegen, was wir unter einer pulsierenden Stadt verstehen. Stadt ist Vielfalt und Differenz und gerade diese zerstören wir durch die heutige auf Standardisierung ausgerichtete Produktionsweise von Stadt. Das Paradox liegt darin, dass wir sowohl durch Regulierung (Städtebau) als auch durch Deregulierung (Marktwirtschaft) die Städte standardisieren. Wie liesse sich dieses Paradox kreativ nutzen?

Ich meine, dass die Lösung in der Bodenpolitik liegt, indem man zwei parallele, aber jeweils sehr freie Märkte etabliert und räumlich miteinander durchmischt. Der Markt der grossen Investoren und der Markt von selbst genutztem Eigentum oder eigentumsähnlichen Formen. Die kleiteiligen Angebote zeichnen sich durch spezfische und persönliche Aneignungsformen aus. Hier findet Diversifizierung statt. Die grossen Märkte sind für die quantitative Abdeckung von Raumbedürfnissen zu finanziell tragbaren Konditionen mit möglichst hoher Qualität zuständig.

Was ich hier ganz grob anzudenken versuche, ist eine Form von Diversity Management von Stadt, das den Zugang zum begrenzten Gut Boden sowohl für globale Players als auch für lokale Players ermöglicht. Ich habe das Gefühl, dass sich eine solche Strategie für alle Beteiligten auszahlen würde. Durchmischung wäre demnach ein Cohabitat von Akteuren, die standardisiert, und solchen. die spezifisch auf den Raum einwirken. Beide spielen eine klare Rolle und beschränken sich gegenseitig in ihrem eigenen Trend, langweilig zu werden. Keine Ahnung was das taugt. Es wäre ein Eingriff in den so genannten Markt. Ich vertrete auch den Markt, doch plädiere ich für eine bessere Zugänglichkeit zum Markt wenigstens für diejenigen, die unsere Städte lebendig und die Quartiere charakteristisch machen.
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Andreas Schulten
02.10.2012, 11:30 Uhr
Ich versuche mal drei Thesen, die ALLE ;-) Fäden aufnehmen und in der Gesamtschau zu einem künftigen Handeln in unserer Frage auffordern könnten:

1
Fein granulierte Strukturen sind wegen ihrer besseren Wandlungsfähigkeit sowohl ökonomischer (Bauträger) als auch humanistischer (Stadtplaner) - sie sind allerdings meist spürbar teurer in der Erstellung. Unter anderem lassen sich keine wirtschaftlichen Skaleneffekte erzielen.

Das heißt: Der Mut zu mehr Mischung besteht hier vor allem in dem Mut, mehr für diese Qualität zu bezahlen und eine Ausgrenzung von Menschen mit geringem Einkommen stillschweigend zu billigen - ähnlich wie beim Konsum von Bio-Fleisch.

2
Eine pluralistische und dynamische Gesellschaft muss experimentieren - mit hohen Risiken, Konflikten und Perspektive auf Genie oder Scheitern. Deutsche Städte wären ohne Industrie, Autobahnen und IKEA nicht das, was sie sind.

Das heißt: Der Mut zu mehr Mischung besteht hier vor allem in dem Mut, Freiräume (im wörtlichen Sinne) jenseits der sozialen Mitte zu unterstützen, die "industrielle" Formate erlauben - ähnlich wie bei Volkswagen und easyjet.

3
In diesem räumlichen Spannungsfeld zwischen:

a) Nachhaltiger Qualität
b) Innovations-Qualität

sind die Nutzungstypen der aktuellen deutschen BauNVO tatsächlich sehr weitreichend und konventionell antizipierend strukturiert. Zumindest das Denkmodell einer bipolaren Typisierung von Bauflächen ("Wohnen und Schutz" hier vs. "Industrie und Aufbruch" dort, mit einer schrittweisen Lärm- und Belastungsskalierung) könnte den gesellschaftlichen Entwicklungen in deutschen Städten gerechter werden und ein Konsens-Gefühl von der "guten" Mischung spürbar werden lassen.
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Moderation
Timo Meisel
02.10.2012, 10:24 Uhr
Zum Stichwort "Urbane Produktion": Dezentrale, selbstverwaltete, saubere, computergestütze Kleinst-Manufakturen sind mittlerweile auch zu einer (politischen) Bewegung gereift: FabLabs!
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Tag 20
Prof. Dr. Wilhelm Bauer
01.10.2012, 00:16 Uhr
 
Lebens- und Arbeitswelten sowie die Vorstellungen dazu wandeln sich schneller als es die regulatorischen Rahmenbedingungen tun (können). Unser Gemeinwohl krankt daran, dass Gesetze gemacht werden, Politiker zwar dann über Deregulierung oft reden, aber damit meist meinen, nur neue Regeln zu erfinden, anstatt auch alte (ausgediente) zu eliminieren. Was das Thema Nutzungsmischung anbelangt denke ich, dass wir mehr regionale und lokale Entscheidungsspielräume brauchen, mehr Partizipation der Bevölkerung und mehr Mut zu offenen Prozessen. Ich denke, wir brauchen adaptive Planungs- und Genehmigungssysteme. Es muss möglich sein, eingeschlagene Entwicklungspfade von Zeit zu Zeit zu reflektieren, neu zu bewerten und dann Korrekturen vorzunehmen. Planungsrecht muss elastischer werden, die Zeiten sind es auch!
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Tag 19
Dr. Elmar Schütz
30.09.2012, 21:46 Uhr
Walter Siebel hat sicher recht. Aus dem Zusammenhang gerissen klingt sein Zitat aber auch ein bisschen so, als wenn früher mal wieder alles besser war. Das wird ihm aber sicher nicht gerecht.
Die Frage ist, was machen wir daraus? Partizipation als Kompensation oder zwingende Folge verloren gehender örtlicher Bindung ist eine interessante Perspektive. Für die Ebene der Region kann ich mir das gut vorstellen. Das hat eine gewisse Logik, weil es im Gleichgang mit deren gewachsener Bedeutung für viele Lebensbereiche steht. Aber wir wollen ja hier über Nutzungsmischung diskutieren.
Im Allgemeinen will ich nicht zwingend auf weniger Gesetze hinaus (wobei weniger auch nicht zwingend mehr Rechtsprechung bedeuten muss), sondern darauf, dass der Staat (den wir alle tragen) hin und wieder seine Regeln schärft (also neuen Gegebenheiten anpasst - nicht verschärft) und dabei bisweilen einen Hinweis gibt, dass in einer komplexeren Welt, mit mehr Mobilität, mehr Wahlmöglichkeiten usw. persönliche Ansprüche (z. B. auf ruhige Wohngebiete in der Innenstadt und kreuzungsfreie Verbindungsstraßen in die Nachbarstadt) auch mal zurücktreten müssen, damit unser Gemeinwesen weiter gut funktioniert.
Und im Konkreten will ich darauf hinaus, dass der Gesetzgeber entweder klarstellt, dass das Mischgebiet auch der bewussten Realisierung von (innerstädtischer) Nutzungsmischung dient (rechtshistorisch gesehen, ging es eher darum, vorhandene Gemengelagen zu legalisieren), wobei die Mischung nicht ausgewogen sein (!) und die Dichte hochgesetzt werden muss, oder eine neue Gebietsart in die Baunutzungsverordnung einführt, die genau das zum Ziel hat.
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Tag 18
Andreas Schulten
29.09.2012, 11:53 Uhr
Ich zögerte noch mit meiner Antwort, weil Sie sich für den GF von Zivilarena berechnend anhört.

Ein simpleres Planungsrecht (weniger Gesetz, mehr Rechtsprechung), wie Sie es skizzieren, lieber Herr Schütz, setzt eines voraus: Eine intakte, gut funktionierende kommunale Selbstverwaltung und zwar im Verbund mit den Nachbarkommunen - und dazu gehört eine große Portion Partizipation der Bürger! Auf welcher Ebene sonst handeln wir Mischungsverhältnisse und Lärmzonen aus?

Das Problem beschrieb Prof. Dr. Walter Siebel im Juni punktgenau:
"Auch der sesshafte Bürger sieht sich immer weniger an eine Stadt gebunden. Solange die Stadt die Einheit des Alltags ihrer Bürger war, d.h. solange der Bürger in ein und der selben Stadt wohnte, arbeitete, sich versorgte und seine Freizeit verbrachte, solange gab es ein Stadtbürgertum, das in sich selbst die Konflikte zwischen den Funktionen Wohnen, Arbeiten, Verkehr und Erholung austragen musste. Heute aber haben immer mehr Menschen ihren Alltag regional organisiert, arbeitsteilig über verschiedene Gemeinden hinweg: man wohnt in A, arbeitet in B, kauft ein in C und fährt mit dem Auto durch D hindurch. Kommunen sehen sich dadurch mit Kundengruppen konfrontiert, die hoch spezialisierte Bedürfnisse kompromisslos erfüllt haben wollen: von A ungestörtes Wohnen, von B einen expansiven Arbeitsmarkt, von
C ein gut erreichbares Einkaufszentrum und von D eine kreuzungsfreie Schnellstraße. Damit schwindet die politische Basis für die Kernaufgabe kommunaler Politik, nämlich Kompromisse zwischen konfligierenden Anforderungen an die Stadt zu finden und durchzusetzen."
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Philippe Cabane
29.09.2012, 11:09 Uhr
 
@Elmar Schütz. Zur Lage der Schweiz: Die Schweiz kämpft mit denselben Problemen der Entmischung wie Deutschland. Wenigstens meiner Einschätzung nach. EIn Hauptproblem sind Störungen durch Lärm, die sich auf Bundesrecht abstützen. Die Schweiz ist zwar etwas flexibler, was den Vollzug von Bundesrecht angeht, weil die Gemeinde- und Kantonshoheit sehr gross geschrieben sind und der Bund den widerspenstigen Kantonen nur sehr ungern Bundesrecht aufzwingt. Ferner gibt es durch das Konkordanzsystem (alle Parteien regieren gemeinsam) und die Referendumsmöglichkeiten eine Kultur des permanenten Verhandelns. Das blockiert natürlich auch und eine Neigung zu Populismus in der Politik ist die logische Folge.
In der Praxis setzt Basel zum Beispiel auf dialogische Verfahren, die wesentlich darauf abzielen, die Toleranz zu erhöhen. In der Praxis bleibt es jedoch schwierig, vor allem weil sich durch den aktuellen urban hype und einem klaren Trend «back to the city» eine Bevökerung ansiedelt, die mental in die Agglomeration gehört. Die Konflikte sind vorprogrammiert. Man könnte überspitzt sagen: es besteht ein Trend, dass die Städte kaputtgewohnt werden. Es findet eine klare Verdrängung von Gewerbe, insbesondere das Kleingewerbe statt. Hierzu gehört der Handwerksbetrieb genau gleich wie die Musikbar um die Ecke. Neben Lärm sind es aber vor allem auch die Preisentwicklung der Mieten, die es beinahe unmöglich machen, dass kleinere Betriebe mit persönlicher Ausstrahlung bleiben können. Wenn ich die als attraktiv geltenden durchmischten Quartiere genauer betrachte, dann ist es weniger die Tatsache, dass Nutzungen durchmischt sind, sondern dass Flächen in unterschiedlichen Grössen und Preissegmenten angeboten werden.

Mit der Aufwertung von Quartieren entmischen sich in einem freien Markt die Quartiere in Bezug auf die Kaufkraft der wohnenden und arbeitenden Bevölkerung. Zürich verfolgt eine aktive Bodenpolitik, indem es bewusst in allen Quartieren Areale an Wohnbaugenossenschaften in Erbpacht zu günstigen Konditionen abgibt. Konkret bedeutet dies, dass die Preise tendentiell nach unten stabilisiert werden. Der Gentrifizierungsdruck bleibt jedoch unvermindert bestehen. Im Seefeld ist der Prozess schon abgeschlossen. In den Kreisen 4 und 5 geht's jetzt gerade richtig los. Immerhin dämpft die Stadt Zürich die Entwicklung ein wenig mit der Förderung von Wohngenossenschaften.

Leider besteht eine ähnliche Kultur nicht für das Kleingewerbe, das grad den durchmischten und lebendigen Charakter dieser Quartiere ausmacht. Wir haben zwar zahlreiche Leerstände in den Erdgeschossen, aber die Mieten sind für das Kleingewerbe meist zu hoch angesetzt. Und wohnen in den Erdgeschossen tötet das Bild des durchmischten Quartiers. Ich glaube, dass der in den vergangenen Jahrzehnten gemachte Fokus auf «Wohnen in der Stadt» verlassen werden sollte. Politik und Wirtschaft sind angehalten, sich mehr der Situation des Kleingewerbes zu widmen.

Insbesondere in den Erdgeschossen zu den öffentlichen Räumen hin, sollte eine hinreichende Dichte von sehr preisgünstigen kleingewerblichen Angeboten ermöglicht werden, die ihren Betrieb nach den von Ray Oldenburg in «The great good Place» formulierten Grundsätzen bewirtschaften. Das würde bedeuten: in Lagen, wo die Erdgeschosse nicht für typsiche Geschäftsstandorte geeignet sind, wären die Mieten nach unten zu senken. Damit wird eine Nachfragesituation geschaffen, die es erlaubt, eine Angebotsstruktur zu etblieren, von der die erwähnten Qualitäten von durchmischten Stadtteilen ausgehen. Heute sind es vorwiegend Zwischennutzungen oder «alternative» Umnutzungsprojekte, die solche Flächen noch anbieten. Sie sind aber meist nicht auf Dauer.

Das praktische Problem liegt meist bei den Eigentümern, die aus einem falsch verstandenen Liberalismes wenig kooperieren wollen und zum Teil lieber Leerstände in Kauf nehmen als die Mieten zu senken. Dabei sollte die gesetzliche Steurung auf ein Minimum beschränkt werden. Immobilienentwickler und Staat sollten eher aus Einsicht handeln, was wirtschaftlich auch nachhaltiger sein wird. Die Schlüsselakteure von Staat und Immobilienentwicklung sollten sich auf eine gemeinsame Strategie für eine kooperative Bewirtschaftung der Erdgeschossflächen einigen. Instrumente wären vor allem in der Steuerung der Angebotsstruktur durch ein kooperatives Erdgeschossmanagement sowie ein Mietzinsmodell zu suchen, wo die Mieten für diejenigen Betriebe gesenkt werden, die dem Quartier auch eine persönliche Ausstrahlung verleihen. Ich weiss, dass es zahlreich Hürden gibt. Aber darüber nachzudenken lohnt sich allemal. Wir haben das für das Kunst- und Kreativquartier südliche Friedrichsstadt einmal angedacht und ein paar Modelle andiskutiert. Es wäre mal interessant eine Wissensplattform zu dem Thema zu veranstalten und entsprechendes Praxiswissen zu sammeln. Wer kennt Beispiele von Instrumenten, wo in diese Richtung entwickelt wurde?
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Tag 16
Dr. Elmar Schütz
27.09.2012, 18:38 Uhr
 
In der Tat läuft unsere Diskussion privilegiert - bzgl. des Fokusses auf wachsenden Regionen und auch des fachlichen Niveaus. Aber wie schaffen wir es, "runter zu kommen", wenn offensichtlich so viele fachlich Versierte sich beteiligen? Möglicherweise gar nicht mehr in der verbleibenden Diskussionszeit.
Irgend wie ist es aber auch wie im richtigen Leben. Erst bei konkreter persönlicher Betroffenheit trauen sich viele, das Wort zu erheben (tendenziell eher gegen Veränderungen). Die sicher als sehr abstrakt erlebte Bedrohung der Mischnutzung im Frankfurter Osten durch die Gefahrguthalle im Osthafen ist so ein Beispiel. Die beschäftigt zur Zeit auch nur Fachkreise. Und ebenso die vermutlich eher parteipolitisch motivierte Absage an den Tempo-30-Versuch auf Frankfurts Hauptverkehrsstraßen durch den liberalen hessischen Verkehrsminister. Dabei haben beide Beispiele enorme Relevanz für unser Thema. Ohne Klärung gibt es zukünftig schlichtweg weniger Mischung in Frankfurt.
Ich würde aber jetzt gern aus der Not eine Tugend machen und die hier in diesem Forum versammelte Intelligenz nutzen, noch mehr in Richtung Vorschläge und Lösungen zu denken. Ein Blick in die Schweiz, genauer gesagt, nach Basel zeigt, dass man seitens des Gesetzgebers größere Spielräume schaffen kann. Grob beschrieben unterscheidet man dort nur zwischen Industriezonen (für alles, was stinkt und kracht - die Frankfurter Gefahrguthalle gehörte da rein) und Wohnzonen, in denen u. a. gewohnt werden darf. Der Mischungsgrad wir eher über die Dichte (Geschosszahl und Geschossflächenzahl) gesteuert. Zusätzlich geben Lärmempfindlichkeitsstufen (I-III) Auskunft über das Lärmniveau für die Wohnbevölkerung. Ein juristisch bedenklicher "Etikettenschwindel", der in der Diskussion auch schon angedeutet wurde (Wohngebiete auf dem Lärmniveau von Mischgebieten) wäre dann gar keiner und jeder wüsste von Anfang an, worauf er sich einließe.
@Philippe Cabane: Ist das mischen in der Schweiz einfacher?
@alle: Wenn ja, wäre das auch in Deutschland ein Weg?
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Wolfi
27.09.2012, 14:02 Uhr
Kommentar zum Beitrag von
Auch hier bitte die TA Lärm nicht vergessen! Wir regeln über Gesetze die Durchmischung der Stadt zu Tode! Jahrelang hat z.B. die Politik gefordert, dass die Lebensmittelvollversorger bitte nicht auf die "Grünen Wiese" sondern in die Innesntadt gehören. Es wurden Zentrenkonzepte entwickel, die eine Ansiedlung auf der "Grünen Wiese" verhindern. Jetzt wollen die Lebensmittelvollversorger in die Innenstädte! Und was macht der Gesetzgeber? Er reguliert die Lärmschutzwerte so weit herunter, dass die Anlieferung am Abend oder dem frühen Morgen nicht erfolgen soll. Tagsüber bitte auch nicht, damt der Verkehr möglichst nicht behindert wird. Und wie sollen die Lebensmittel in die (Kühl-) Regale kommen? ...Lösungen ? ....Fehlanzeige!

Wir erleben immer mehr eine Politik nach dem Motto: "Wasch mir den Pelz.."
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Tag 14
Moderation
Timo Meisel
25.09.2012, 16:29 Uhr
In den Schwellenländern gibt es Bevölkerungs- und Wirtschaftswachstum mit der entsprechenden städtebaulichen Betriebsamkeit. In der westlichen Welt haben wir vermutlich immer mehr mit Schrumpfungsprozessen zu tun.
Um in der europäischen Stadt zu bleiben, würde ich die Frage gern so stellen: Wie müssen Stadtquartiere – auch verkehrsplanerisch – beschaffen sein, um einer schrumpfenden, älter werdenden Bevölkerung ein Lebensumfeld zu bieten, in dem sie produktiv wirtschaften kann?
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