Tag 15
Wolfi
26.09.2012, 15:36 Uhr
 
Wir sollten uns auch wieder darauf besinnen wie und warum Städte entstanden sind. Städte waren auch immer lebendige Handelsplätze und von gegenseitiger Toleranz geprägt. Heute erheben mir zu viele Bürgerinnen und Bürger den Anspruch auf Ruhe und Erholung. Es ist doch traurig, dass erst gesetzliche Ausnahmen geschaffen werden mussten, damit Kindergärten auch in Wohngebieten unter bestimmten Voraussetzungen geduldet werden. Es ist doch unerträglich, wenn Nachbarn Klagen, weil aus dem Nachbargarten "Geräusche" Behinderter einer Tagesbetreuung stören. Es ist auch unverständlich, dass 300 Meter um einen Basketballkorb keine Wohnbebauung vorhanden sein darf. Sonst muss der Basketballkorb wieder abmontiert werden. Wir wissen in unserem Stadtteil schon nicht mehr, welche Freiflächen wir den Jugendlichen anbieten können! Das ist für mich nicht mehr Stadt. Lärmhysteriker handeln egoistisch und sind nicht wirklich am Gemeinwohl interessiert. Früher haben diese Menschen vor den Toren der Stadt ihren Platz gefunden: Als Spießbürger!
Gemeinschaft•Freiheit · Lebendigkeit•Erholung
 
Tag 14
Sigrid Wienhues
25.09.2012, 19:48 Uhr
Kommentar zum Beitrag von Frank G.
Es wird angesprochen, dass Wohnnutzung in bisherigen Gewerbegebieten (störende) Gewerbebetriebe aus der Stadt verdränge. Damit wird zu Recht auf den Konflikt hingewiesen, wer eigentlich wen stört. Zu viel Wohnnutzung in der Nähe eines Gewerbebetriebes führt in der Tat dazu, dass dieser ggf. erforderliche Änderungen und Erweiterungen aufgrund gesetzlicher und technischer Vorgaben nicht mehr durchführen kann und damit evtl. vom angestammten Standort "verdrängt" wird. Hier "stört" die Wohnnutzung, nicht das Gewerbe. Für "störende" Gewerbe (solche, die mit starken Immissionen wie Geräuschen, Geruch oder Staub verbunden sind) ist das eine wirkliche Gefahr, der am besten mit klaren planerischen Aussagen begegnet werden kann. Gleichzeitig sollte Planung aber auch darauf reagieren, dass manches ursprünglich (störende) Gewerbegebiet nur noch mit Dienstleistungsbetrieben bestückt ist. Hier steht eine alte planerische Aussage häufig der Zulassung von Wohnnutzung entgegen. Auch dem könnte durch entpsrechende Überplanungen abgeholfen werden, ohne das existierende Betriebe betroffen werden. Denn ohne planerische Aussage ist die Zulassung von Wohnnutzung immer nur in einem aufwändigen Verfahren zulässig (sog. Befreiung vom geltenden - wenn auch bereits überlebten - Planungsrecht).
Gemeinschaft•Freiheit · Lebendigkeit•Erholung
 
Tag 10
Günter Baasner
21.09.2012, 10:20 Uhr
Kommentar zum Beitrag von Timo Meisel
Vielleicht hilft es ein wenig zu differenzieren. 'Die Mischung' gibt es ja nicht.

Es gibt z.B. eine dörflich geprägte Form, ein enges Nebeneinander von Wohnen, Landwirtschaft, Handwerk etc. Hier dürften die Wege zur Arbeit kurz sein. Allerdings entwickeln sich viele Dörfer zu fast reinen Wohnorten. Dies führt nicht nur zu langen Wegen, sondern auch zu früher unbekannten Konflikten mit den verbliebenen Betrieben.

Es gibt Wohnquartiere mit einer guten Nahversorgung, die als urban und gemischt wahrgenommen werden. Der Anteil von Gewerbe ist i.d.R. aber recht gering (5 % oder mehr), im Planerdeutsch sind das Allgemeine Wohngebiete. Typisch hierfür sind z.B. zahlreiche Gründerzeitquartiere.

Sollen ausreichend Arbeitsplätze im Quartier bereit stehen, bräuchte man ein Mischungsverhältnis von ca. 1 : 2 oder 1 : 3. Zumindest in enger Nachbarschaft kann das schnell zu städtebaulich unbefriedigenden Situationen führen (Gemengelage). Derartig massiv eingestreute Bürogebäude oder sonstige Betriebe erhöhen nicht unbedingt die Wohnqualität und auch nicht die Standortqualität für das Gewerbe. Dieser Typus funktioniert nur recht eingeschränkt, z.B. am Cityrand. Ob die Bewohner deshalb tatsächlich in der Nachbarschaft arbeiten, steht auf einem ganz anderen Blatt.
Dieser Ansatz ist nicht neu und deshalb hierzu ein etwas ungewöhnliches Beispiel: Die Großsiedlung Köln-Chorweiler aus den 70er Jahren erhielt eine Einkaufspassage, ein paar Verwaltungsgebäude, ein benachbartes Gewerbegebiet und - gleich um die Ecke - das Bundesamt für Verfassungsschutz. Mit dem städtebaulichen Ergebnis ist heute kaum jemand zufrieden.

Planerisch wird das Mischgebiet gerne als Notlösung eingesetzt, etwa wenn ein Wohngebiet intendiert ist, aber die Immissionswerte nicht eingehalten werden können oder wenn ein Gebiet in ein anderes transformiert werden soll. Dies ist hier länger am Beispiel von Gewerbegebieten im Raum Frankfurt diskutiert worden.
Lebendigkeit•Erholung · Heimat•Arbeit · Gemeinschaft•Freiheit · Rahmenbedingungen
 
Tag 7
Andreas Schulten
18.09.2012, 23:31 Uhr
Kommentar zum Beitrag von
Eieiei! Ein letzter Beitrag für die Nacht.
Wie wollen wir weiter diskutieren? Ökonomie..., Baukultur... und Frank G. sagt, dass Druckereien in Gewerbegebiete gehören. Letzteres stimmt eben nicht mehr. Wir haben ja keine Druckpressen mehr, sondern große Kopierer, so wie sie auch in unseren Büros stehen. Normale Druckereien gehen überall.

Hier ein Versuch, die Fäden zusammen zu nehmen: Ist es ökonomisch sinnvoll, die dahin siechenden Gewerbegebiete der 70er Jahre, in denen eine Mischung aus Flächen-Vorratshaltung, Untervermietung und drohender Insolvenz zum Patt führt, durch Wohnnutzungen zu wiederbelebten städtischen Quartieren zu machen? Von NO-GO-Areas zu GO-Areas? Ich kenne einige Kreative, die das chic finden, in einem Gewerbegebiet zu wohnen. Es gibt Parkplätze, das Grundstück ist groß und billig und es gibt den Blick in den Himmel. Gibt es andere soziale Milieus, die den Kreativen folgen würden? Ausländische Studenten, die man in den Wohnheimen nicht haben will? Kann man hier gar den so dringend benötigten preiswerten, frei finanzierten Wohnungsbau schaffen?

Ökonomisch reizvoller als drittklassige Gerüstbau-Betriebe ist Wohnungsbau auf den verfügbaren Gewerbeflächen allemal. Was sagen dazu die Juristen? Kann Funktionsmischung im Sinne von Ökonomie, Vitalität und Baukultur soweit gehen?
Heimat•Arbeit · Lebendigkeit•Erholung · Rahmenbedingungen
 
Tag 2
Ulrich Kempe
13.09.2012, 07:17 Uhr
 
Hallo liebe Leute,
eigentlich bin ich nicht direkt betroffen, da ich in einer Kleinstadt wohne. Aber der Gedanke, später einmal wieder in die Stadt zu ziehen ist präsent. Regelmäßig und gerne fahre ich nach Hamburg oder Berlin und genieße das quirlige Treiben - so gesehen bin ich dann der Tourist, der es nicht beurteilen kann, wie eine Durchmischung empfunden wird, wenn man dort lebt (und abgekämpft und ruhebedürftig von der Arbeit nach Hause kommt).
Wenn ich an die langweiligen Neubaugebiete denke, die es vielerorts gibt, hört sich die Idee der Durchmischung sehr gut an. Kleinere Geschäfte und Restaurants im Erdgeschoss, darüber Wohnungen, auflockernde Grünanlagen - das würde mir gefallen. Wenn man in südlichen Ländern Urlaub macht, findet man diese Situationen eigentlich überall, und stört sich nicht daran. Selbst an einen Platz mit viel Verkehr setzt man sich hin und trinkt einen Espresso.
Aber, ich gebe zu, Urlaub und tagtägliches Erleben sind natürlich nicht zu vergleichen.
Lebendigkeit•Erholung
 
Tag 1
Tony J.
12.09.2012, 17:17 Uhr
Kommentar zum Beitrag von Timo Meisel
Ich stimme der Annahme von Frau Wieczorek dahingehend zu, dass verschiedene Lebenssituationen die Wahrnehmung des Raumes verändern und Konfliktsituationen intensivieren oder entlasten können. Im Falle der von Frank G. erwähnten Demonstranten bleiben die Auswirkungen der sozioökonomischen Merkmale diskutabel. Ein Bürger der protestiert, kann an Lösungsprozessen gesellschaftlicher Konfliktfelder teilnehmen. Wer das aufgrund seiner Lebensumstände nicht kann, wird direkt oder indirekt ausgegrenzt. Wie von Frank G. bereits eingeleitet, geht es somit nicht nur um Nutzungskonflikte und den Versuch der Konfliktvermeidung, sondern ganz deutlich auch um Partizipation und Konfliktlösung um Ansprüche geltend zu machen. Hier kann das Recht auf Stadt einen Beitrag leisten. Dies gilt für den öffentlichen wie auch für den privaten Raum.
Der Bürger hat das Recht auf Lärm und das Recht auf Ruhe gleichermaßen zu respektieren. Hierfür bietet eine Stadt entsprechende Räume. Ziehe ich an die Reeperbahn oder in die Dresdner Neustadt muss ich bspw. für das Recht auf Lärm offen sein.
Die von Wolfi angesprochenen Widersprüchlichkeiten zwischen Planungen und gesellschaftlichen Willen sind teilweise nachvollziehbar. Bezüglich Verkehrslärm wäre es nötig die Folgekosten wie „krank durch Lärm“ etc. auf die Verursacher umzulegen. Dies geschieht wenig bis gar nicht. Jeder für sich. Hier kommt der von Frank G. angesprochene Nimby etc. hervor.
Die Verschärfung von Lärmschutzbestimmungen kann ich nicht beurteilen, jedoch halte ich gesetzliche Regelungen zur Minimierung von Nutzungskonflikten grundsätzlich für geeignete Maßnahmen. Diese Regelungen sollten dann aber auf demokratischen Diskussionen beruhen.
Bewegung•Aufenthalt · Lebendigkeit•Erholung
Moderation
Timo Meisel
12.09.2012, 16:44 Uhr
Kommentar zum Beitrag von Wolfi
Lieber Wolfi, gibt es da nicht eventuell verschiedene Kategorien von Lärm, toleriebare und unzumutbare? Außerdem lärmen Autos (und Flugzeuge) ja nicht nur, sie verpesten auch die Luft, verschmutzen Gebäude und sind, je nach Verkehrssituation, eine Gefahr für Leib und Leben. Braucht die Stadt der Zukunft nicht doch eher weniger Individualmobilität? Und mehr Erholungsfaktor, damit das Fernweh in Form von "Destinationen" per Flugzeug sich in Grenzen hält?
Lebendigkeit•Erholung · Bewegung•Aufenthalt
Wolfi
12.09.2012, 16:15 Uhr
 
Die Charta von Athen ist tot! Die urbane Stadt soll leben. Aktuell gehen mir die Diskussionen um den Lärmschutz viel zu weit. Wir wollen eine Nahversorgung mit Supermärkten, klagen jedoch gegen den Anlieferverkehr. Wir wollen mobil sein und klagen gegen Autolärm. Wir wollen als global vernetzte Player mitspielen und klagen gegen den Fluglärm.

Klar, zuviel Lärm kann krank machen und muss Grenzen haben. Doch das Maß des Lärms wird zur Zeit (über die TA Lärm) immer weiter nach unten justiert. Wenn das so weitergeht werden unsere Städte sicherlich stiller, wenn nicht gar totenstill. Das kann nicht das Ziel sein!
Bewegung•Aufenthalt · Lebendigkeit•Erholung