Tag 21
Sebastian Wilkes
02.10.2012, 17:55 Uhr
@Philippe Cabane: Vielen Dank für Ihren Kommentar und Hinweis. Das auf der Homepage vorgestellte Hunzikerareal ist ein wirklich interessantes Projekt! Ich bin besonders gespannt, ob sich die dargestellten "Dialogwege" behaupten und soziale Durchmischung so funktionieren kann.

Hier mal für alle einen Grundriss, der das Prinzip der Dialogwege darstellt:
http://www.hunzikerareal.ch/uploads/media/
01_GR_Regelgeschoss_Dialogweg_6_01.pdf
Gemeinschaft•Freiheit · Heimat•Arbeit · Kindheit•Zukunft
Philippe Cabane
02.10.2012, 17:17 Uhr
@Sebastian Wilkes
Ich habe unten in eine ähnliche Richtung argumentiert. Eine Genossenschaft in Zürich (www.mehr-als-wohnen.ch ) arbeitet im erwähnten Sinn und weit mehr. In meinen Augen eine Referenz des zeitgenössischen Wohnungbaus und Beispiel für eine integrale Vorgehensweise. Hier kommt die Bodenpolitik in's Spiel. Bauflächen müssen auch an Immobilienakteure abgegben werden, die solch innovative Ansätze verfolgen. Ob sich eine Quersubvention innerhalb eines Immobilienakteurs mit konventionellen Strategien durchsetzen lässt, ist fraglich. Wir können solche Ansätze ja kaum verordnen. Also besser den Wettbewerb für die Vergabe von Flächen so gestalten, dass innovative Immobilienakteure auch Zugang zu diesen Flächen erhalten.
Heimat•Arbeit
Philippe Cabane
02.10.2012, 16:37 Uhr
@Andreas Schulten
Die drei Thesen sind meines Erachtens zu einseitig auf die Favorisierung der industriellen, besser globalen Formate gerichtet. Ich habe nichts gegen globale Formate. Sie sind wichtig und nötig und ein klarer Teil der globalen Entwicklung. Nur werden die Städte gerade durch die globalen Formate entmischt und unspezifisch. Verdrängt werden die kleinen, lokalen und spezifischen Angebote, die paradoxerweise diejenigen Qualitäten etablieren, von denen die Immobiilenvermarktung ja schwärmt. Es braucht m.E. eine Durchmischung oder eine Körnung der Sadt in mindestens diesen beiden Formaten. Mut zur Durchmischung heisst demnach, dass wir zwei Massstäben zu spielen lernen müssen.
Kindheit•Zukunft · Heimat•Arbeit · Gemeinschaft•Freiheit · Bewegung•Aufenthalt · Rahmenbedingungen
Philippe Cabane
02.10.2012, 16:26 Uhr
@Maren Harnack
Der (scheinbare) Wertverlust durch Immissionen ist wirklich ein Dillemma, insbesondere bei stark störenden Betrieben. Es gibt aber auch Kleinbetriebe, die nur mässig Immissionen verursachen. Ich habe vor allem ein Typus von stadtwirksamen Unternehmen im Auge und glaube, dass es wirtschaftlich durchaus rational ist, Flächen preisgünstiger zu vergeben, wenn diese Sozial- und Kreativkapital investieren und damit eine allgemeine Aufwertung verbunden ist. Das gilt wenigstens, wenn von den Investoren nachhaltige, das heisst langfristig stabile Renditen angestrebt werden.

Dem Problem der Verdrängung durch «Aufwertung» kann man nur begegnen, indem den Pionieren der Aufwertung auch ein bestimmtes Mass an Flächen nicht nur vermietet, sondern im Eigentum oder eigentumsähnlichen Formen abgiebt. Schliesslich soll sich die Investition von sozialem und kreativem Kapital auszeichnen. Das lässt sich nicht mit Bauordnungen bewerkstelligen, sondern nur über die Steuerung der Eigentumsstruktur. Man müsste Teilflächen bewusst anders entwickeln, als dies die Produktionslogik grossmassstäblicher Entwicklungen vorgibt. Durchmischung entsteht nur durch die Durchmischung unterschiedlichster Gebrauchskulturen von Stadt.

Zum Thema mentale Suburbanisierung: das ist nichts Neues und ist Ergebnis einer grundsätzlichen Feindlichkeit des Städtebaus und des Menschen (nachdem er die Angst vor dem Wald überwunden hat) gegenüber allem was städtisch ist. Seit es Städtebau gibt, beginnt eigentlich die Suburbanisierung der Stadt. Jacques Herzog (Herzog&deMeuron;) hat mal gesagt, dass die Stadt, der sichtbare Ausdruck der nicht-urbanen Psyche des Menschen sei. Man könnte auch sagen, dass Städtebau und Immobilienentwicklungen im grossen Massstab damit auch immer gezwungen sind zu standardisieren. Das liegt in der Logik jedes Handelns im grossen Masstabs. Doch jede Standardisierung läuft dem entgegen, was wir unter einer pulsierenden Stadt verstehen. Stadt ist Vielfalt und Differenz und gerade diese zerstören wir durch die heutige auf Standardisierung ausgerichtete Produktionsweise von Stadt. Das Paradox liegt darin, dass wir sowohl durch Regulierung (Städtebau) als auch durch Deregulierung (Marktwirtschaft) die Städte standardisieren. Wie liesse sich dieses Paradox kreativ nutzen?

Ich meine, dass die Lösung in der Bodenpolitik liegt, indem man zwei parallele, aber jeweils sehr freie Märkte etabliert und räumlich miteinander durchmischt. Der Markt der grossen Investoren und der Markt von selbst genutztem Eigentum oder eigentumsähnlichen Formen. Die kleiteiligen Angebote zeichnen sich durch spezfische und persönliche Aneignungsformen aus. Hier findet Diversifizierung statt. Die grossen Märkte sind für die quantitative Abdeckung von Raumbedürfnissen zu finanziell tragbaren Konditionen mit möglichst hoher Qualität zuständig.

Was ich hier ganz grob anzudenken versuche, ist eine Form von Diversity Management von Stadt, das den Zugang zum begrenzten Gut Boden sowohl für globale Players als auch für lokale Players ermöglicht. Ich habe das Gefühl, dass sich eine solche Strategie für alle Beteiligten auszahlen würde. Durchmischung wäre demnach ein Cohabitat von Akteuren, die standardisiert, und solchen. die spezifisch auf den Raum einwirken. Beide spielen eine klare Rolle und beschränken sich gegenseitig in ihrem eigenen Trend, langweilig zu werden. Keine Ahnung was das taugt. Es wäre ein Eingriff in den so genannten Markt. Ich vertrete auch den Markt, doch plädiere ich für eine bessere Zugänglichkeit zum Markt wenigstens für diejenigen, die unsere Städte lebendig und die Quartiere charakteristisch machen.
Kindheit•Zukunft · Heimat•Arbeit · Gemeinschaft•Freiheit · Rahmenbedingungen
Moderation
Timo Meisel
02.10.2012, 14:06 Uhr
Mag sein, aber das gute alte "Weiter So" geht mit Sicherheit auch nicht gut aus. Es braucht eine Kombination von Top Down und Bottom Up auf der Ebene der Gesellschaftsorganisation. Aber jetzt lehne ich mich zu weit aus dem Fenster - ich bin hier nur der Moderator (;
Heimat•Arbeit · Kindheit•Zukunft
Günter Baasner
02.10.2012, 13:20 Uhr
Kommentar zum Beitrag von Timo Meisel
Genau, aber das werden magere Zeiten.
Heimat•Arbeit · Kindheit•Zukunft
Moderation
Timo Meisel
02.10.2012, 11:39 Uhr
Auch für die Lebensmittel gibt es schon die passende Bewegung: Urban Gardening.
Heimat•Arbeit · Kindheit•Zukunft
Sebastian Wilkes
02.10.2012, 11:35 Uhr
Ein herzliches "Hallo" an alle Diskussionsteilnehmer,
Hallo Frau de Cassan,

bei Ihrer Fragestellung dürfen wir m.E. nicht vergessen, uns in die Lage der Bürger hineinzuversetzen, deren Engagement eine wichtige Voraussetzung zum Gelingen eines gewerblich durchmischten Quartiers ist.
Deshalb formuliere ich die Fragestellung etwas um, und frage: „welche Bedingungen müssen / können wir schaffen, damit der kleine Unternehmer (möglicherweise Anwohner) Interesse hat, sich trotz hoher Mieten gewerblich zu engagieren ?“

Meine Überlegung: Kann ein Anteil der Miete des Kleingewerbes, dem Umsatz entsprechend subventioniert bzw. gefördert werden?

Preisgünstige und individuelle Anbieter – die nachweislich (eventuell mithilfe von Bürgerpartizipation) als aufwertend betrachtet werden – hätten Anspruch auf Förderung in Form einer Mietentlastung.
Diese Zusatzkosten würden durch eine Art „Quartierssteuer“ auf die umsatzstarken Mieter, die von der Aufwertung profitieren (Filialisten, etc.), umgelegt.
Der Vermieter käme auf’s gleiche raus und könnte ein ebenso großes Interesse haben, an kreative und engagierte Unternehmer mit individuellen Konzepten zu vermieten.
Möglicherweise könnten so durch finanzielle Anreize lokales Engagement und der Mut zu Kreativität und Eigeninitiative gefördert und Verdrängung vermieden werden.

Das das nicht so einfach ist, wie es klingt ist mir natürlich bewusst. Deshalb würde ich mich freuen, wenn am letzten Tag der Diskussion noch jemand die Gelegenheit findet diese Theorie fachlich zu kommentieren.
Heimat•Arbeit
Günter Baasner
02.10.2012, 11:33 Uhr
Ich verstehe die Diskussion nicht so recht. Wenn z.B. ein Industriegebiet ca. 500 m von Wohnen entfernt ist, hat man dort ziemlich große Freiheiten. 500 m sind städtebauliche eine Zäsur, aber was haben diese 500 m mit dem Verkehrsaufkommen zu tun? Ist der Arbeitsmarkt, ist der Absatzmarkt so kleinräumlich, dass sich eine Differenz von 500 m im Verkehr niederschlägt?

Und ist es eine realistische Perspektive, dass künftig Herzschrittmacher, Smart Phones oder Sportschuhe in der Nachbarschaft für die Nachbarschaft produziert werden? Und wo kommen die Lebensmittel her?
Bewegung•Aufenthalt · Heimat•Arbeit
Moderation
Timo Meisel
02.10.2012, 10:24 Uhr
Zum Stichwort "Urbane Produktion": Dezentrale, selbstverwaltete, saubere, computergestütze Kleinst-Manufakturen sind mittlerweile auch zu einer (politischen) Bewegung gereift: FabLabs!
Kindheit•Zukunft · Heimat•Arbeit · Rahmenbedingungen
Dr. Rolf Hüttmann
02.10.2012, 09:15 Uhr
Markt und Wirtschaft haben immer ein Interesse dorthin zu gehen, wo die Kunden bzw. die Arbeitskräfte sind, es sei denn, Produktion und/oder Absatz werden beeinträchtigt von zeitlichen Befristungen der Erreichbarkeit ,der Beschränkung in der Produktion oder wirtschaftlich nicht vertretbare Investitionen, die die Wettbewerbsfähigkeit beeinträchtigen.
Heimat•Arbeit
Prof. Dr. Wilhelm Bauer
02.10.2012, 09:07 Uhr
 
Kurze Wege sind das Credo für die Zukunft. Es ist völlig widersinnig, Leben und Arbeiten dauerhaft zu trennen. Diese Logik ist ein Teil der arbeitsteiligen Industrieproduktion. In Zukunft werden Produktionen wieder integrierter, Maschinen und Anlagen mit Sensoren zu Cyber-Physical-Systems werden, emmissionsarm, irgendwann vielleicht sogar emmissionsfrei sein können, ohne Lärm, ohne Schadstoffausstoß, ohne Wasserverschutzung. Wir sprechen in der Wissenschaft über die "Urbane Produktion", die Bestandteil unserer Lebensräume werden wird. Dann noch notwendiger Verkehr wird zudem emmissionsfrei sein, mindestens in den Städten. Es wird zwar noch etwas dauern, aber am Ende der Entwicklung werden alle Fahrzeuge und Mobilitätssysteme vollelektrisch angetrieben sein und dann wird der innerstädtische Verkehr auch bald verträglich für die Bewohner in einem Quartier sein.
Heimat•Arbeit · Kindheit•Zukunft
 
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