Tag 7
Moderation
Timo Meisel
18.09.2012, 10:47 Uhr
Kommentar zum Beitrag von Anja Batke
Liebe Frau Batke,

eine Prise Kontroverse würzt die Diskussion, da sehe ich kleinen reglementierenden Interventionsbedarf (; Die Wende zur Monofunktionalität hatte ja übrigens auch sehr konkrete, "materielle" und nicht nur moralische Gründe: Die Industrialisierung der Städte hat das historische Konzept der Mischung gesprengt, neue Konzepte mussten her. Sie hiessen "Gartenstadt", "Wohnmaschine" und "Licht, Luft und eine Wohnung für Alle". Im Kontrast zu modrigen Hinterhöfen, Smog und Lärm. Es gibt also auch Tugenden der Monofunktionalität (der Entmischung).
 
Tag 6
Anja Batke
17.09.2012, 18:51 Uhr
Surftipp: www.dortelweil-west.de. Monofunktionalität hat ihre ebenfalls ihre Liebhaber. Das ist doch gruselig, oder? (Mein Ziel ist es, mal auszuloten, wie weit man gehen muss, um den Moderator der Zivilarena auf den Plan zu rufen. Geht "Anstiften der Diskutanten zum Lästern über Dortelweil" schon gegen die Etikette? Ich meine ja, aber probiers trotzdem einfach mal aus!)

Jetzt aber ernsthaft: Ich sehe die Diskussion wie Sie auch als moralisch, aber frage mich, ob das negativ ist. Stadtplaner und Architekten propagieren mit ihrer Planung immer ein Menschenbild und ein gesellschaftliches Ideal, die Kategorien sind immer letztlich auch moralisch im Sinne von "Gut" und "Böse". Indem ich plane, bringe ich den Leuten automatisch auch meine gesellschaftlichen Wertvorstellungen nahe und versuche sie zwangszubeglücken. Ich finde, dass man dazu offen stehen kann, weil wir in einer pluralistischen Gesellschaft leben, in der es einen Wettbewerb von Ideen gibt. Man muss es allerdings transparent machen und Argumente bringen. Es gibt eine Nachfrage für Mischung und es gibt eine Nachfrage für Dortelweil und für die jeweils damit verbundene Form des Zusammenlebens in der Gesellschaft.
 
Tag 4
Nina Brodowski
15.09.2012, 22:23 Uhr
 
Guten Tag. Wenn ich ehrlich bin, finde ich nicht nicht, dass es um Bewertungsmaßstäbe geht. Meines Erachtens geht es zum einen um Chancengleichheit bei der Wahl des Wohnorts (soziale Mischung). Zum anderen geht es darum, gezielt bestimmte Atmosphären in Stadtgebieten zu erzeugen. Und hier wird Mischung viel zu oft als diffuser Platzhalter für "lebendig" oder "urban" oder "attraktiv" oder "wirtschaftlich-sozial-funktionierend" eingesetzt... Nicht zuletzt um Wohnstandorte attraktiver zu machen und Besserverdienende anzuziehen.

Oft sind es auch lediglich mediale Bilder, die den Eindruck von gemischten oder nicht gemischten Vierteln erzeugen und diese entweder als erfolgreiche oder "gescheiterte" Nachbarschaften darstellen. Deshalb würde ich es interessanter finden, sich nicht in die "Bewertung" von gemischten Wohnweisen zu vertiefen und auch nicht so sehr an diesen großen aber eben sehr diffusen Bildern festzuhalten.

Wenn es darum geht, herauszufinden, welche Veränderungen oder Regulierungen wir einführen, verflüssigen oder festsetzen müssen, um an der Stellschraube Mischung zu drehen, dann finde ich folgendes interessant:

a) "Was wollen wir mit Mischung eigentlich zu erreichen"?

Geht es bspw. darum, dass die Menschen sich wohler fühlen? Oder darum, bestimmte räumliche Verdichtungen von nicht erwünschten Verhalten aufzubrechen um weitere Konzentrationen oder "Negativtendenzen" zu vermeiden? Oder soll eine Funktionsmischung der Kommune andere Einahmen ermöglichen? oder, oder, oder...

b) Ist "Mischung" dafür das jeweils richtige Instrument?
Ich will eben nicht, dass neben dem kreativen Imperativ auch noch der "gemischte" Imperativ entsteht...

c) Was muss geschehen, um eine entsprechende Mischung zu erzeugen?
Hier können bestimmt manche gesetzliche Bestimmungen herangezogen werden oder auch neue Instrumente in den Werkzeugkasten der Planung eingesetzt werden. Immissionswerte, oder die Aufhebung der strikten Bauflächenregelungen, etc.

Aber meine Vermutung ist, dass es in der allgemeinen Frage um "Mischung" um eine moralische Kategorie geht - und dass daher Forderungen an "den Staat" allein es auch nicht richten werden. Da geht es dann ja um größer angelegte gesellschaftliche Veränderungen. Das müssen alle ran und das wird auch allen wehtun...

Investoren und Kommunen sind immer wieder daran gescheitert, attraktive Wohngegenden vom Reißbrett zu schaffen. Und nun wird nach Möglichkeiten gesucht, wie diese Mischung recht leicht zu erreichen sind. Aber das ist eben nicht leicht! Und es geht auch nicht ohne Verzicht auf Gewinn, Verzicht auf Steuereinnahmen, Investitionen ins Sozial- und Bildungswesen und Investitionen in das soziale Miteinander.
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