Tag 15
Michael
27.05.2013, 19:59 Uhr
 
Man sollte sich grundsätzlich vor Augen führen, wann eine Straßenbahn gern genutzt wird und worin das Erfolgsrezept von moBiel liegt. Allem voran liegt dies an der untertunnelten Innenstadt. Nur diese gewährleistet einen störungsfreien und schnellen Betrieb und somit eine Konkurrenz zum Auto, den eine oberirdische Stadtbahn wegen Schritttempo in engen Kurven, zugeparkten Gleisen, Unfällen und häufigeren Störungen aufgrund von Witterungseinflüssen nicht gewährleisten kann. Eine neue Linie 5 sollte zumindest im direkten Innenstadt-Bereich unterirdisch fahren, entweder in dem der bestehende Tunnel doch besser ausgenutzt wird oder indem die Linie vom Hauptbahnhof mit einer kleinen Tunnelverlängerung Richtung Kesselbrink geführt wird, um wenigstens den Willi-Brand-Kreisel noch problemlos zu unterfahren. Kein Mensch setzt sich gern in eine Straßenbahn, die im Tempo der Linie 1 innerhalb von Brakwede unterwegs ist. Dies ist keine zukunftssichere Lösung! So sehr wie ich mir den Ausbau der Stadtbahn wünsche: Aber eine oberirdische Bimmelbahn darf im Jahr 2019 nicht mehr in Betrieb gehen. Das ist Verkehrspolitik, die vor 100 Jahren erfolgreich war, aber nicht mehr heute. Außerdem: Niemand kann genau sagen, wie sich der PKW Verkehr entwickelt. Es nutzt uns nichts, wenn der Jahnplatz wegen einer oberirdischen Stadtbahn für den PKW-Verkehr gesperrt oder zumindest eingeschränkt wird und deshalb in halb Bielefeld auf allen Umgehungs-Strecken Dauerstau herrscht.

Zum Thema Komfort gehört nicht nur schnell sondern auch bequem und sicher. Das bestehende Hochflur-System muss daher erweitert werden. Nur dadurch bleibt das Gesamt-System kompatibel, sodass es auch zukünftig möglich wird, alle Bahnen auf allen Strecken fahren zu lassen oder neue Strecken-Kombinationen zu nutzen. Außerdem ist es deutlich angenehmer auf einem Hochbahnsteig zu warten, als auf PKW-Höhe. Besonders bei den Bahnstationen entlang der Artur-Ladebeck-Straße, wo rechts und links von den Wartenden die PKW zweispurig vorbeirauschen, würde man sich an einem Niederflur-Bahnsteig sehr verloren vorkommen. Das Geld für den Abriss der tadelosen Hochbahnsteige entlang der Linie 1 muss besser angelegt werden. Ich bin überzeugt, eine Umfrage unter allen Stadtbahn-Kunden wird mit herausragender Mehrheit zutage fördern, dass die Menschen auf Hochbahnsteigen lieber warten. Irgendwann muss in der Hauptstraße in Brakwede sowieso ein Tunnel gebaut werden, wenn die Stadt-Bahn ihre Schleichfahrten dort beenden will. Unterirdisch würden die Hochbahnsteige auch nicht stören.
Hoch-/Niederflurtechnik · Innenstadt · Tunnel
Michael
27.05.2013, 19:54 Uhr
 
Die neue Linie 5 aus Heepen muss den Hauptbahnhof einschließen, auch wenn die Zahlen heute vielleicht noch nicht dafür sprechen. MoBiel schreibt selbst in ihrer Einleitung in diesem Forum: "Trend zur Schiene". Der Hauptbahnhof wird also als Verkehrsknotenpunkt zukünftig immer wichtiger. Mit jeder Spritpreis-Erhöhung oder mit jeder Verbesserung der Zug-Situation (z.B. Paderborn-Bielefeld bald halbstündlich) wird es mehr Menschen geben, die zum Hauptbahnhof wollen. Desweiteren ist eine Direktanbindung an den Hauptbahnhof wichtig, um den Unsicherheitsfaktor zu verringern: Jedes zusätzliche Umsteigen und warten auf die Anschluss-Verbindung erhöht die Unsicherheit, den Zug rechtzeitig erreichen. Außerdem ist das mehrfache Umsteigen mit Koffern besonders problematisch. Mit einer fehlenden Anbindung des HBf wird riskiert, dass es den Menschen zu kompliziert wird und anstatt dessen lieber der PKW genutzt wird. In dem Fall werden dann sehr weite Strecken per PKW zurückgelegt - dies kann in der heutigen Zeit bei einem neugeplanten Projekt unmöglich hingenommen werden.

Wenn es nur die Möglichkeit gibt, entweder den Jahnplatz oder den Hauptbahnhof anzubinden, sollte der HBf angebunden werden. Alle Jahnplatz und Rathaus Bahn-Umsteiger können auch am Hauptbahnhof umsteigen. Alle Jahnplatz Shopping-Bummel-Starter können diesen auch oben an der Bahnhofstraße - also am Hauptbahnhof starten. Alle mit direktem Ziel Jahnplatz können an der neuen Station Kesselbrink aussteigen und den Jahnplatz in 2 Minuten zu Fuß erreichen oder im Hauptbahnhof mit minimaler Wartezeit in eine der drei anderen Linien einsteigen, die zum Jahnplatz fahren. Es gibt also so viele Alternativen, dass die Nachteile für den Einzelnen minimal sind und nahezu jeder diesen Umstand nach einer kurzen Gewöhnungsphase akzeptieren wird.
Heepen · Innenstadt
Michael
27.05.2013, 19:49 Uhr
 
Mein Fazit zum Stadtbahnbau: Der Königsweg für die neue Linie nach Heepen wäre, wenn die Linie 4 über Hauptbahnhof, Jahnplatz, Dürkopp Tor 6 nach Heepen fährt. Die hohen Sicherheitsbestimmungen und Pflichtabstände im Tunnel führen aber angeblich dazu, dass die Tunnel-Kapazität erreicht ist. In diesem Zusammenhang möchte ich noch einmal kritisch nachfragen: Wurden wirklich alle heute existierenden technischen Innovationen geprüft, die helfen könnten, den Abstand zwischen den Zügen bei gleichbleibender Sicherheit zu verringern? Was ist mit funkgesteuerten Abstandhaltern, die bei einem drohenden Auffahr-Unfall eine Notbremsung auslösen? Was ist mit Sensoren entlang der Schienen, die bei zu schneller Überfahrt der Folge-Bahn eine Notbremsung auslösen? Gibt es wirklich keine technische Möglichkeit, dass parallel zum Verlassen eines Zuges der neue Zug schon in den Jahnplatz-Tunnel einrollt, sodass die Taktung noch deutlich erhöht werden könnte? Wäre es darüber hinaus nicht möglich, gezielt eine neue Buslinie einzurichten, die zur Entlastung der Stadtbahn beiträgt: Fakt ist ja: Das Problem sind die Umsteiger im Jahnplatz-Tunnel. Wenn man eine größere Gruppe von Umsteigern identifizieren könnte, die von Bahn A in Bahn B umsteigen, wäre für diese Personen eine neue Buslinie, die diesen Weg direkter überwindet und nicht den "Umweg" über die Innenstadt nimmt ein Vorteil und für das Bahnsystem würden diese Kapazitäten wieder freiwerden. Außerdem könnte die Weiterführung der Linie 3 von Babenhausen-Süd zum Uni-Campus zur Reduzierung der Umsteiger im Tunnel beitragen - und wäre eine erhebliche Verbesserung für das gesamte Netz, weil die Uni nun von zwei Seiten aus erreichbar wird. Des weiteren können durch optimalere Leitsysteme, wo genau der Zug im Jahnplatz-Tunnel hält die Umsteige-Zeiten weiter reduziert werden. Selbst bei Langzügen warten viele Menschen viel zu weit hinten, weil der Jahnplatz-Tunnel so lang ist.
Tunnel
 
Tag 14
Michael
26.05.2013, 15:39 Uhr
Sehr geehrter Herr Meier, herzlichen dank für diese Informationen. Natürlich haben Sie mit vielen Punkten Recht, überzeugt bin ich aber dennoch nicht. Aber ich will Ihre Geduld auch nicht überstrapazieren und werde mich zu diesem Themen-Strang jetzt nicht weiter äußern, außer drei ganz kurzen Anmerkungen:

Wenn der Hauptbahnhof zukünftig an Wichtigkeit zunimmt (Stichwort "hohe Spritpreise", Stichwort "Handy für junge Menschen inzwischen wichtiger als PKW", Stichwort "Höhere Umweltauflagen, Umweltplakette, Citymaut") dann würde sich das Gleichgewicht zugunsten des Hauptbahnhofs verschieben und ggf. würden Sie dann sowieso weitere Buslinien zum HBf durchführen (müssen).

Meine Vermutung, dass es erhebliche Überschneidungen zwischen Jahnplatz und HBf gibt, beruhte auf folgender Annahme: Die wenigsten Menschen fahren in die Innenstadt um nur ein Geschäft zu besuchen. Wer mehrere Geschäfte entlang der Bahnhofstraße ansteuern will, für den ist es egal, von welcher Seite der Bahnhofstraße er beginnt.

Ich kann die Beschwerden, die Sie 2009 bekommen haben, natürlich nicht inhaltlich beurteilen. Aber prinzipiell ist es so, dass sich Menschen wegen jeder Kleinigkeit beschweren und kaum habe sie sich an ein neues System gewöhnt, wollen Sie es nicht mehr missen. Außerdem wäre der Jahnplatz ja über die neue Station am jetzt wunderschönen Kesselbrink weiterhin leicht zu erreichen. Dies wäre meiner Ansicht nach auch ein sehr wichtiger Baustein, um dieses Quartier zu beleben und für den Einzelhandel erst interessant zu machen.

Jetzt ist es doch wieder mehr geworden als geplant ;-) Sorry!
Innenstadt
Michael
26.05.2013, 15:01 Uhr
Kommentar zum Beitrag von Holger
Die von Dir genannten Punkte halte ich für extrem wichtig und hatte ich selbst schon vor dem Lesen Deines Beitrags im Kopf. Die Zahlen vom moBiel, die die Notwendigkeit der Einbindung des Jahnplatzes bestätigen sollen, sind wirklich nicht aussagekräftig. Natürlich stimmen diese Zahlen, dass will ich überhaupt nicht anzweifeln. Aber wurden sie auch richtig interpretiert? Selbst wenn momentan ein Großteil der Fahrgäste am Jahnplatz aus- und umsteigen, muss dies für die meisten keinen größeren Nachteil bedeuten, wenn sie das zukünftig am Hauptbahnhof machen müssten. Wie Du schon richtigerweise aufgezeigt hast, gibt es große Überschneidungen der Einzugsgebiete. Wer z.B. ein Geschäft in der Mitte der Bahnhofstraße ansteuert, kann am Jahnplatz oder am HBf aussteigen. Wo er aussteigt, wird dann wahrscheinlich nur davon abhängen, aus welcher Richtung er kommt. Für den Großteil der Jahnplatz-Aussteiger bedeutet das Aussteigen am HBf keinen oder nur einen minimalen Mehrweg.

Zu den Bahn-Umsteigern: Ich vermute, dass aktuell fast alle Bahnnutzer am Jahnplatz umsteigen und nur die wenigsten am HBf. Das mache ich auch so, das Umsteigen am Jahnplatz ist ja schließlich einfacher. Am HBf müsste ich ggf. erst mit einer Treppe die Gleise überqueren, um zum Bahnsteig gegenüber zu kommen. Das heißt: Alle Jahnplatz-Umsteiger können auch am HBf umsteigen, müssen aber eine Treppe dafür gehen. Das ist doch wohl ein zumutbarer Umstand und kann nicht ernsthaft als beeinflussender Faktor für eine so wichtige und richtungsweisende Entscheidung mit einbezogen werden?
Innenstadt
 
Tag 13
Michael
25.05.2013, 18:22 Uhr
 
Mir ist klar, dass ich hier kein Recht darauf habe meine Fragen beantwortet zu bekommen, aber ein bisschen bedauernswert finde ich schon, dass MoBiel zu einigen Punkten, die scheinbar ziemlich viele interessieren, überhaupt keine Stellung nimmt. Es ist ja ehrbar, dass es dieses Diskussions-Forum gibt, aber wenn MoBiel die Menschen, die hieran teilnehmen, wirklich als potentielle Ideenlieferanten ansehen würde, dann wären sie wirklich gut daran beraten, die Punkte der Teilnehmer aufzugreifen. Entweder sofort mit einer kurzen Begründung als nicht machbar auszuweisen oder aber durch interessiertes nachhaken ggf. die Teilnehmer zu ermutigen, erfolgsversprechende Vorschläge mit mehr Details zu unterfüttern. Die Tatsache, dass sich moBiel über bestimmte Fragen vehement ausschweigt, lässt inzwischen auch mich vermuten, dass die Entscheidungen schon getroffen sind. Ein Beispiel von mehreren: Sowohl ich als auch einige andere Teilnehmer wollten z.B. wissen, was gegen eine Weiterführung der Linie 4 über den Hauptbahnhof-Kessenbrink-Heepen spricht. Der Laie denkt dabei doch erstmal "Super, die Heepener bekommen einen direkten Anschuss zum Hauptbahnhof, der Tunnel wird massiv entlastet, der überdimensionierte Hautbahnhof bekommt endlich ein bisschen mehr Verkehr, der Jahnplatz braucht nicht komplett umgeplant zu werden, die kontrovers diskutierte NF-Technologie muss nicht zwangsläufig genutzt werden, usw. usw." Ich sehe wirklich nur Vorteile. Natürlich kann es gewichtige Gründe geben, die dagegen sprechen, aber ich bin der Meinung, wenn moBiel schon ein solches Forum einrichtet, dann sollte es die engagierten Bürger auch nicht dumm sterben lassen, sondern sich die Mühe machen, kurz auf solche Vorschläge einzugehen. Wenn nicht, dann erzeugt dies tatsächlich das ungute Gefühl, dass hier nicht ganz mit offenen Karten gespielt wird und es vielleicht gar keine guten Gründe gibt, die gegen eine solche Variante sprechen.
Beteiligung
Michael
25.05.2013, 17:59 Uhr
Kommentar zum Beitrag von eilMob
Mal ganz abgesehen von der O-Bus-Frage, die ich für müßig halte, würde mich schon interessieren, wie häufig PKW wegen eines Unfalls oder eines Ausweichmanövers gegen einen Hochbahnsteig knallen. Gibt es über so etwas Statistiken? Aber selbst wenn nicht: Jeder kann sich selbst ausmahlen, dass die Sicherheit auf einem Niederflur-Bahnsteig erheblich geringer ist. Während auf einem Hochbahnsteig unter normalen Bedingungen absolut nichts passieren kann, kann ein ins schleudern geratener PKW oder ein durch einen starken Auffahr-Unfall weggeschobener PKW sehr wohl den Menschen auf einem NF-Bahnsteig gefährlich werden. Ich will das nicht überdramatisieren. Ein Restrisiko bleibt im Leben immer. Aber wenn es auch sicherer geht, sollten die Gründe für NF wirklich sehr gut sein, um diesen Sicherheitsverlust in Kauf zu nehmen. Und gute Gründe - außer einem geringen Verlust an Flexibilität wo der Bahnhof hingebaut werden kann - habe ich bisher noch nicht gehört.
Hoch-/Niederflurtechnik
 
Tag 12
Michael
24.05.2013, 20:29 Uhr
Kommentar zum Beitrag von 04910
Ob das technisch umsetzbar ist, müssen Experten bei MoBiel entscheiden, für mich klingt dieser Vorschlag aber genial! Teures, innerstädtisches Bauland für bessere Zwecke zu nutzen als zum Parken von Stadtbahnen ist mehr als nur einen Gedanken wert. Die Arbeitswege und Leerfahrten morgens beim Ausrücken und abends wenn alles wieder ins Depot fährt zu vermeiden könnte ebenfalls eine geniale Methode sein, die Wirtschaftlichkeit zu steigern. Ich hoffe sehr, dass dieser Vorschlag von den Entscheidern auf Machbarkeit überprüft wird.
Gesamtvorhaben
Michael
24.05.2013, 19:51 Uhr
Kommentar zum Beitrag von Gustav
Es ist traurig, dass es für jedes zukunftsweisende Projekt Gegner gibt. Alle Bielefelder können froh sein, dass sich seinerzeit die Gegner, die sicher auch bei den Linien 1-4 existierten, nicht durchgesetzt haben. Ohne eine moderne Stadtbahn wäre dies eine völlig andere Stadt! Mit reinem Busverkehr, der teurer, langsamer, unbequemer und schadstoffintensiver ist, hätte MoBiel sicher nur halb so viele Kunden, was 10-tausende von zusätzlichen Autos auf den Straßen bedeuten würde - mit allen negativen Folgen.

Es ist ebenso traurig, dass diese Bürgerinitiative noch nicht einmal den Versuch einer konstruktiven Mitwirkung unternimmt, indem man sich für oder gegen bestimmte Streckenvarianten ausspricht. Frei nach dem Motto "Alles muss so bleiben wie es ist" wird jede Veränderung blockiert. Wir leben in einer Großstadt und in einer solchen sind S-Bahnen nicht unüblich. Deutlich kleinere Städte (z.B. Freiburg) haben deutlich bessere Netze. Es ist geradezu grotesk den S-Bahn Ausbau generell verhindern zu wollen. Wer als Ewig-gestriger dem Fortschritt abschwören will, der sollte nicht in einer Großstadt leben, in der die Dynamik immer höher ist als auf dem Land, bzw. in Kleinstädten.

Wie schon an anderer Stelle erklärt, besteht der Nutzen einer neuen Strecke nicht ausschließlich in dem Nutzen der Anwohner, die den Bahnanschluss bekommen. Jeder Anwohner an anderen Strecken, aber mit dem Ziel Heepen, wäre in dem Fall ebenfalls Nutznießer. Die dadurch bedingte Steigerung von Fahrgästen in allen Linien führt zu einer höheren Wirtschaftlichkeit des gesamten Netzes, wodurch die Verluste sinken, die Fahrpreise ggf. nicht weiter angehoben werden müssen oder z.B. Taktverdichtungen erst in Frage kommen.
Gesamtvorhaben · Heepen
Michael
24.05.2013, 12:22 Uhr
Die Vorteile, von denen Sie hier sprechen sind unbestreitbar. Aber wiegen sie auch so schwer auf? So schwer, dass man sich der Flexibilität beraubt, zukünftig neue Linienkombinationen zusammenstellen zu können? Heute fährt z.B. eine Linie wie selbstverständlich von Brakwede direkt nach Sieker. Man stelle sich vor, die Linien 1 und 2 wären nicht kompatibel, dann wäre so etwas nicht möglich. Das für mich schwerwiegenste Argument ist: Wir wissen schlicht und einfach heute nicht, was in 10 oder 20 Jahren der Bedarf ist. Vielleicht bringen die Streckenverlängerungen nach Milse-Ost, Senne und Stieghorst ein ganz anderes Nutzerverhalten mit sich, als Sie es heute erwarten. Vielleicht bricht ein Stadtbahn-Boom aus und es wird noch eine weitere Strecke bzw. Verlängerungen geplant, Stichwort Linie 3 Uni-Campus, etc. Wer kann schon sagen, ob wir in der Zukunft nicht doch gerne andere Linien-Kombinationen hätten? Inkompatibilität ist immer auch ein Synonym für Inflexibilität und Chancen-Reduktion. Wahrscheinlich wird irgendwann doch die Linie 4 in Babenhausen-Süd an die Linie 3 angeschlossen. Wer hätte daran je gedacht, als die Linie 4 ursprünglich mal nur bis zur Uni gebaut wurde? Wäre man damals schon von einem einheitlichen System abgewichen, würden all diese Möglichkeiten gar nicht existieren. Und umso mehr Linien wir bekommen, umso mehr Möglichkeiten könnten sich dadurch ergeben - wenn man das System einheitlich hält.
Hoch-/Niederflurtechnik
 
Tag 11
Michael
23.05.2013, 12:07 Uhr
Kommentar zum Beitrag von Balu
Hallo Balu,

Zukunftsmusik würde ich selbstfahrende Autos nicht nennen, bestenfalls Technik von morgen oder von mir aus auch übermorgen. Ein alleine fahrendes Auto, welches sich selbstständig unter Berücksichtigung aller Staus in der Umgebung den besten Weg sucht, ist keine Zauberrei, sondern basiert vollständig auf Technologie, die schon heute in Kinderzimmern eingesetzt wird: Dem Internet, welches die Informationen liefert, Sensoren/Kameras und Computern. Das einzige Problem ist die Rechenpower der Computer, da die Auswertung von den Sensoren/Kameras empfangenden Informationen sehr rechenintensiv ist. Aber das Rechenpower "übermorgen" kein Problem mehr darstellt, dass ist hoffentlich einleuchtend: Der Computer, den Sie und ich heute auf unserem Schreibtisch stehen haben, hat etwa die 5-tausendfache Geschwindigkeit, wie der, der dort vor 30 Jahren stand. Und er hat auch ziemlich genau einen 5-tausendfach so großen Hauptspeicher. Es braucht also nicht viel Phantasie um sich vorzustellen, was in 20 Jahren möglich ist. Leistungsfähige Computerchips sind inzwischen in jedem Handy, von ernsthaften Kosten kann da also auch nicht die Rede sein.

Diese Konkurrenz des Elektro-Autos und später dann des selbstständig fahrenden Elektro-Autos muss also unbedingt berücksichtigt werden, wenn man eine Bahnstrecke baut, die auch noch in 20, 30 oder 50 Jahren genutzt werden soll. Man darf es sich auf keinen Fall so einfach machen und damit argumentieren, dass die Menschen wegen hoher Spritpreise die Bahn schon von ganz alleine nutzen.
Gesamtvorhaben
Michael
23.05.2013, 09:38 Uhr
 
Ein paar Gedanken zum PKW-Verkehr (MIV): Als Basis für bestimmte Planungsvorhaben wird hier immer wieder gemutmaßt, dass der MIV zukünftig abnimmt. Ich halte diese Annahme für falsch. Dies lässt sich auch einfach begründen:

1) Kurz- und mittelfristig wird schon der Ausbau der A33 sowie die spätere Verlängerung des OWDs Richtung Ummeln zu einer Verkehrszunahme in Bielefeld führen. Das das so ist, darüber besteht hoffentlich ein Konsens - gestritten werden kann höchstens über das Maß der Zunahme: Mit jedem Ausbau von Zubringerstraßen und der dadurch besseren Erreichbarkeit der Attraktionen einer Stadt wird auch die Anzahl der Menschen wachsen, "die mal eben" zu einem Shoppingbummel oder einem Spaziergang an der Burg usw. den Weg auf sich nehmen. Zusätzlich: Die deutlich bessere Erreichbarkeit von Städten wie Osnabrück wird heutige Kunden der Nord-West-Bahn, die z.B. zwischen Osnabrück und Bielefeld pendeln ihre Entscheidung zugunsten des PKW überdenken lassen, da sie mit der Fertigstellung des Lückenschlusses mit dem PKW doppelt so schnell am Ziel sind als mit dem "Haller Willhelm".

2) Deutlich schwerwiegender als diese kurz-/mittelfristigen Effekte ist aber die Entwicklung von Elektro-Autos. Während benzinbetriebene PKW perfekt für Überland- und Autobahnfahrten geeignet sind, also für längere Strecken mit höheren Geschwindigkeiten, sind Elektro-Fahrzeuge perfekt für die Stadt geeignet. Sie verbrauchen vor roten Ampeln und im Stau KEINE Energie, haben vor Ort keine Emissionen und sind bei niedrigen Geschwindigkeiten nahezu geräuschlos. Während wir heute im Stau stehen und die "Tanknadel stetig sinken sehen", wird man mit dem Elektroauto eine Wartezeit deutlich gelassener hinnehmen, da sie nichts kostet und die Umwelt nicht belastet. Die breite Einführung des Elektro-Autos wird mit ziemlicher Sicherheit zu einer Renaissance des Autos in den Städten führen, wenn der ÖPNV nicht deutlich effektiver wird.

Das bringt mich zu folgenden Schlussfolgerungen: Eine Bahn muss auf einem eigenen Gleisbett geführt werden, da sie sonst keinen Geschwindigkeitsvorteil zu der immer stärker werdenden Konkurrenz der Elektro-Fahrzeuge hat. Ich bin nahezu überzeugt, dass in 20 Jahren der Geschwindigkeitsvorteil das einzige Pfund ist, mit dem der ÖPNV noch wuchern kann. Denken wir noch 20 Jahre weiter: Dann fahren Autos vollautomatisch und suchen sich selbstständig den schnellsten Weg. (Prototypen dazu gibt es jetzt schon, vermutlich dauert es noch nicht mal so lange!). Wie soll eine Bimmelbahn, die vor Ampeln wartet und im Stau steckt da noch gegen ankommen? Für mich ist die einzige (wirklich langfristige) Alternative: Tunnel, da wo nicht genügend Platz ist und eigenes Gleisbett an der Oberfläche, wo nicht genügend Geld für Tunnel ist. Alles andere ist eine Lösung die mit jeder Verbesserung der PKW-Technologie weitere Fahrgäste verliert und in spätestens 20-30 Jahren unrentabel wird.
Gesamtvorhaben · Tunnel
 
Tag 10
 
Tag 8
 
Tag 7
 
Tag 6
 
Tag 5
 
Tag 4
 
Tag 3
 
Tag 2