Tag 15
Michael
27.05.2013, 19:59 Uhr
 
Man sollte sich grundsätzlich vor Augen führen, wann eine Straßenbahn gern genutzt wird und worin das Erfolgsrezept von moBiel liegt. Allem voran liegt dies an der untertunnelten Innenstadt. Nur diese gewährleistet einen störungsfreien und schnellen Betrieb und somit eine Konkurrenz zum Auto, den eine oberirdische Stadtbahn wegen Schritttempo in engen Kurven, zugeparkten Gleisen, Unfällen und häufigeren Störungen aufgrund von Witterungseinflüssen nicht gewährleisten kann. Eine neue Linie 5 sollte zumindest im direkten Innenstadt-Bereich unterirdisch fahren, entweder in dem der bestehende Tunnel doch besser ausgenutzt wird oder indem die Linie vom Hauptbahnhof mit einer kleinen Tunnelverlängerung Richtung Kesselbrink geführt wird, um wenigstens den Willi-Brand-Kreisel noch problemlos zu unterfahren. Kein Mensch setzt sich gern in eine Straßenbahn, die im Tempo der Linie 1 innerhalb von Brakwede unterwegs ist. Dies ist keine zukunftssichere Lösung! So sehr wie ich mir den Ausbau der Stadtbahn wünsche: Aber eine oberirdische Bimmelbahn darf im Jahr 2019 nicht mehr in Betrieb gehen. Das ist Verkehrspolitik, die vor 100 Jahren erfolgreich war, aber nicht mehr heute. Außerdem: Niemand kann genau sagen, wie sich der PKW Verkehr entwickelt. Es nutzt uns nichts, wenn der Jahnplatz wegen einer oberirdischen Stadtbahn für den PKW-Verkehr gesperrt oder zumindest eingeschränkt wird und deshalb in halb Bielefeld auf allen Umgehungs-Strecken Dauerstau herrscht.

Zum Thema Komfort gehört nicht nur schnell sondern auch bequem und sicher. Das bestehende Hochflur-System muss daher erweitert werden. Nur dadurch bleibt das Gesamt-System kompatibel, sodass es auch zukünftig möglich wird, alle Bahnen auf allen Strecken fahren zu lassen oder neue Strecken-Kombinationen zu nutzen. Außerdem ist es deutlich angenehmer auf einem Hochbahnsteig zu warten, als auf PKW-Höhe. Besonders bei den Bahnstationen entlang der Artur-Ladebeck-Straße, wo rechts und links von den Wartenden die PKW zweispurig vorbeirauschen, würde man sich an einem Niederflur-Bahnsteig sehr verloren vorkommen. Das Geld für den Abriss der tadelosen Hochbahnsteige entlang der Linie 1 muss besser angelegt werden. Ich bin überzeugt, eine Umfrage unter allen Stadtbahn-Kunden wird mit herausragender Mehrheit zutage fördern, dass die Menschen auf Hochbahnsteigen lieber warten. Irgendwann muss in der Hauptstraße in Brakwede sowieso ein Tunnel gebaut werden, wenn die Stadt-Bahn ihre Schleichfahrten dort beenden will. Unterirdisch würden die Hochbahnsteige auch nicht stören.
Hoch-/Niederflurtechnik · Innenstadt · Tunnel
Michael
27.05.2013, 19:54 Uhr
 
Die neue Linie 5 aus Heepen muss den Hauptbahnhof einschließen, auch wenn die Zahlen heute vielleicht noch nicht dafür sprechen. MoBiel schreibt selbst in ihrer Einleitung in diesem Forum: "Trend zur Schiene". Der Hauptbahnhof wird also als Verkehrsknotenpunkt zukünftig immer wichtiger. Mit jeder Spritpreis-Erhöhung oder mit jeder Verbesserung der Zug-Situation (z.B. Paderborn-Bielefeld bald halbstündlich) wird es mehr Menschen geben, die zum Hauptbahnhof wollen. Desweiteren ist eine Direktanbindung an den Hauptbahnhof wichtig, um den Unsicherheitsfaktor zu verringern: Jedes zusätzliche Umsteigen und warten auf die Anschluss-Verbindung erhöht die Unsicherheit, den Zug rechtzeitig erreichen. Außerdem ist das mehrfache Umsteigen mit Koffern besonders problematisch. Mit einer fehlenden Anbindung des HBf wird riskiert, dass es den Menschen zu kompliziert wird und anstatt dessen lieber der PKW genutzt wird. In dem Fall werden dann sehr weite Strecken per PKW zurückgelegt - dies kann in der heutigen Zeit bei einem neugeplanten Projekt unmöglich hingenommen werden.

Wenn es nur die Möglichkeit gibt, entweder den Jahnplatz oder den Hauptbahnhof anzubinden, sollte der HBf angebunden werden. Alle Jahnplatz und Rathaus Bahn-Umsteiger können auch am Hauptbahnhof umsteigen. Alle Jahnplatz Shopping-Bummel-Starter können diesen auch oben an der Bahnhofstraße - also am Hauptbahnhof starten. Alle mit direktem Ziel Jahnplatz können an der neuen Station Kesselbrink aussteigen und den Jahnplatz in 2 Minuten zu Fuß erreichen oder im Hauptbahnhof mit minimaler Wartezeit in eine der drei anderen Linien einsteigen, die zum Jahnplatz fahren. Es gibt also so viele Alternativen, dass die Nachteile für den Einzelnen minimal sind und nahezu jeder diesen Umstand nach einer kurzen Gewöhnungsphase akzeptieren wird.
Heepen · Innenstadt
Moderation
Wanda Wieczorek
27.05.2013, 17:43 Uhr
Hallo Kirschenallee, zur Verkehrsführung auf dem Jahnplatz gab es insbesondere am fünften, sechsten und siebten Diskussionstag eine sehr lebhafte Diskussion. Die ist unter dem Themenbereich "Innenstadt" geklammert - Sie können in der Kopfzeile danach filtern. Einen Überblick finden Sie auch im Logbuch unter der entsprechenden Zusammenfassung vom 20. Mai. moBiel berichtete außerdem, dass derzeit im Auftrag der Stadt ein Verkehrsgutachten erstellt wird, das für die Neukonzeption des Verkehrs am Jahnplatz von Bedeutung sein wird (Hartwig Meier; moBiel, 26.05.2013, 15:49 Uhr).
Innenstadt
Kirschenallee
27.05.2013, 17:31 Uhr
 
Man sollte sich auch noch einmal überlegen, wie man die Linie 5 oberirdisch über den Jahnplatz führen möchte. Der Tunnel ist ja schon ausgelastet. Der Jahnplatz ist ja schon jetzt verkehrsmäßig an seine Grenzen gekommen. Wo sollen denn dort noch 2 Gleise plus Haltestelle verlegt werden? Gibt es dazu schon ein Konzept? Man baut ja auch kein Haus vom Dach zum Keller.
Innenstadt
 
Tag 14
Schwarzfahrer
26.05.2013, 21:12 Uhr
 
Mittlerweile sind es doch einige Kritiker, denen es missfällt, daß die neue Heepener Linie den Hbf nicht erreichen soll, weil dieser als weniger bedeutungsvoll angesehen wird. In Hannover wird die sog. "Scheelhaase-Lösung" als "undenkbar" bezeichnet, weil die klassische Linie 10 dabei ihre Hbf-Anbindung verliert. Und das trotz alternativer Hbf-Anbindung über Waterloo. Die Hbf-Anbindung ist essentiell wichtig. Und sie ist möglich. Ganz nebenbei will man in Bielefeld diese wichtige Verknüpfung sogar völlig überflüssigerweise für eine der südlichen Zulaufstrecken streichen. Unfassbar! Obwohl: Das ist auch eine Methode, die Fahrgastwechselzeiten zu senken...
Wie gesagt Herr Meier, es gibt Trassenvorschläge, die eine neue Stammstrecke über den Jahnplatz UND den Hbf führen. Genau das ist es, was Bielefeld braucht, eine zweite Stammstrecke, die die Innenstadt UND den Hbf bedient UND die vorhandene Stammstrecke entlastet, indem sie ihr eine der vier nördlichen Zulaufstrecken abnimmt.
Wie soll eigentlich die Haltestelle Bethel aussehen, wenn dort die NF-Linie 5 nach Sennestadt verläuft UND die HF-Linie 1 dort endet??? Man bedenke: HF-Bahnen an NF-Haltestellen sind ein Auslaufmodell.
Heepen · Innenstadt
04910
26.05.2013, 19:45 Uhr
Hartwig Meier; moBiel schrieb:
... "Können Sie Ihren Vorschlag Kesselbrink - Hbf noch mal straßenscharf mit vorgeschlagenen Haltestellenstandorten präzisieren? Vielleicht habe ich da den Überblick verloren... ""

Sehr geehrter Herr Meier,

mir geht es leider auch so, dass langsam der Überblick verloren geht. Mein normalen "Hausrechner" tut sich allmählich schwer mit den Ladezeiten ...

Meine "Erstaufschlag" zum Thema (Jahnplatz/Kesselbrink) finden Sie am 16.05.2013, 19:28 Uhr. Bei den Buslinien beziehe ich mich auf die zukünftigen Linienführungen aus Richtung Quelle, Dornberg, Dürerstraße und Schildhof. Dazu gibt es auch einen speziellen "Dreiteiler" vom 22.05.2013.

Nachvollziehbar ist, dass Fahrgäste der Linie 1 aus Richtung Süden eher weniger zum Hauptbahnhof wollen, da sie in Brackwede umsteigen können oder die Sennebahn sogar direkt erreichen können. Übrig bleiben nur die, die zum Fernverkehr wollen oder RE 6, RE 70/78 bzw. RB 61 und 71 nutzen möchten.

Viele Grüße

Matthias Galle
Gesamtvorhaben · Innenstadt
Hartwig Meier; moBiel
26.05.2013, 18:57 Uhr
Kommentar zum Beitrag von 04910
Ich hoffe, Sie gestehen uns zu, dass wir den Zusammenhang zwischen Potenzial und Nachfrage kennen. Ansonsten hätten wir ja zum Beispiel 2010 die Osttangente der Linie 30 beim Bus komplett auf blauen Dunst hin in Betrieb genommen.

Die Verbindung Heepen - Hauptbahnhof ist heute teilweise direkt und alle 10 Minuten mit Umsteige möglich. Das ist als Ausgangsbasis schon mal nicht so schlecht. Das diese Nachfrage explodiert, ist am Beispiel der Brackweder Fahrgäste der Linie 1 (und da ist da Angebot jetzt ja da!) nicht zu erwarten: Etwa 11 Prozent der Fahrgäste aus dem Bereich Kirche bis Eggeweg fahren zum Hauptbahnhof (ohne Umsteiger zu anderen Stadtbahnlinien); davon gehen wiederum 60% zum Zug. Macht also gut sechs Prozent Umsteigepotenzial zum SPNV bei Direktanbindung. Mehr nicht. Im Fall Brackwede werden also auch fast drei Prozent weiterhin direkt fahren können, da in unserem Netzvorschlag die Linie 1 in der Hauptverkehrszeit nach Brackwede fahren soll (und die Hauptverkehrszeit macht 40% unserer Nachfrage aus).

Mir ist unklar, welche Buslinien aus dem Westen zusätzlich am Kesselbrink wenden sollten. Unser Problem ist doch heute eher umgekehrt mit der umständlichen Wende der L21 an der Kunsthalle.

Können Sie Ihren Vorschlag Kesselbrink - Hbf noch mal straßenscharf mit vorgeschlagenen Haltestellenstandorten präzisieren? Vielleicht habe ich da den Überblick verloren...
Innenstadt
WolfgangK
26.05.2013, 18:25 Uhr
 
Engpass Kreuzstraße:
Die Einfahrten zur Kreuzstraße sollten sowohl vom Adenauerplatz als auch vom Landgericht nur 1-spurig möglich sein. In jeweiliger Fahrtrichtung ab Mitte der Kreuzstraße wird auf 2-Spuren aufgeweitet.
Dadurch entsteht in Blickrichtung vom Landgericht zum Adenauerplatz ein von rechts nach links schwenkender, breiterer Ausbaustreifen für die Stadtbahn.
Darin sollten die notwendigen Zentimeter für breitere Fahrzeuge drin sein.
Innenstadt
Holger
26.05.2013, 18:23 Uhr
„Die (Eisen-)Bahnfahrer sind in unseren Zahlen natürlich enthalten, weil wir unseren Fahrgästen genau diese Frage stellen, ob sie „endgültig“ aussteigen oder noch in eine andere Verbindung umsteigen.“

Wann war denn die letzte Befragung im Fernverkehr - ob ICE-Reisende noch in eine andere Verbindung umsteigen? Dürfte lange her sein. Gab es solche Erhebung überhaupt schon mal?

Ich vermute also einfach mal, nur Fahrgäste der RB/ RE-Züge sind in den genannten Zahlen enthalten. Und das geht so nicht. Der Hbf dient zuerst der Fernanbindung von OWL und dann verknüpft er diese mit Regionalverbindungen (Bahn + Bus). Ziele sind alle umliegenden Städte, ganz OWL. Innerhalb von Bielefeld ist der Hbf ein Umsteigepunkt im Stadtbahnnetz - z.B. von Linie 4 zu Linie 1/2/3 nach Schildesche/ Milse/ ...

Schon allein das Problem, die innerstädtischen Busverbindungen nur am Jahnplatz erreichen zu können, ist leider kein Thema für moBiel, aber sicher eines für Bahnfahrgäste. Osnabrück beispielsweise hat eine ähnliche Situation, die dort aber recht gut bewältigt wird. MoBiel vertritt einfach den Standpunkt: unsere Busse fahren am Jahnplatz. Basta.

Wie weit fahren Fahrgäste im Durchschnitt? Hat diese Frage überhaupt etwas mit der existentiellen Wichtigkeit des Jahnplatzes zu tun? Ich meine, nein. Weil Jahnplatz und Hbf ZUSAMMEN die Anbindung der Innenstadt bilden. Es wäre ziemlich absurd, dem Hbf eine existentielle Rolle abzuerkennen. Neben Fahrgästen mit Nahzielen innerhalb der Stadt gibt es Fahrgäste der Region, die schon wegen ihrer Wohnortes stets längere Wege haben, als in einer Haushaltsbefragung nur der Stadt Bielefeld angenommen wird. Es gibt einen Verkehrsverbund - der wäre nicht nötig, wenn Fahrgäste von moBiel nur aus Bielefeld kämen (!) und einen NRW-Verbund (NRW-Tarif).

Die ehemalige Haltestelle Berliner Platz (heute Willy-Brandt-Platz) liegt etwas abseits von der Einkaufsmeile und hatte daher einen anderen Einzugsbereich. Wenn man Zahlen der ehemaligen Haltestelle Bahnhofstraße (Linie 3) heranzieht, wäre das anders.

Die Betriebserfahrung der Bauphase Linie 4 (2009) ist nicht vergleichbar mit einer Straßenbahn aus Heepen, die nur den Hbf bedient. Über Zwischenhaltestellen (Kesselbrink) wäre hier eine Anbindung in ziemlicher Nähe zum Jahnplatz gegeben. Es gibt (oder gab) außerdem Überlegungen, eine durchgehende Einkaufszone durch die ehemalige Stadtbibliothek zum Kesselbrink zu führen. Bei einem Endpunkt Hbf der Linie 4 existieren diese Möglichkeiten nicht.
Innenstadt
Hartwig Meier; moBiel
26.05.2013, 17:58 Uhr
Warum wir aus Vernetzungsgründen gerade den Jahnplatz für wichtig ansehen, können Sie ja aus den anderen Meldungen ersehen. Ein oder zwei Verknüpfungspunkte machen aus unserer Sicht auch noch kein Mischsystem.

Den Linienweg von der Linie 4 über den Kesselbrink nach Heepen bekomme ich vor meinem Stadtplanauge noch nicht recht zusammen: Wo soll es da langgehen? Oder gehen Sie von einem neuen Tunnelausgang aus?

Dann allerdings sind sie aber aus Hannover blickend einer wirklichen Fehleinschätzung aufgesessen: Doppeltraktionen am Jahnplatz? Hintereinander? Nein, wirklich nicht, noch nie seit Tunnelinbetriebnahme! Deshalb haben wir ja den Nachtsternverkehr aufgehoben, um den Viertelstundentakt zu ermöglichen und eben weil Doppeltraktionen auf den Linien 1 bis 3 deshalb abends nicht eingesetzt werden konnten. Da müssen sie irgendwelche anderen Städte Deutschlands mit Bielefeld überblendet haben.

Rechnerisch geht es aber auch: Selbst gute 90m / 52m (alte Doppeltraktion) oder 90m/ 70m (neue Doppeltraktion) ergeben relativ sicher einen Wert unter 2. Deshalb kann eine Bahn erst an die Bahnsteigkante fahren, wenn der Zug davor die Haltestelle verlassen hat.

Das Sie pauschal von einer Stadtgröße, unabhängig von dem jeweiligen Einzugsbereich und der spezifischen Situation einer Linie, eine Taktfolge ableiten, ist eine meines Erachtens stark verkürzte Argumentation. In der verkehrswissenschaftlichen Literatur wird nicht so pauschal angesetzt. Wenn Sie den Einsatzwagenbedarf aus Erfahrung abschätzen wollen, kommen Sie doch einfach mal zur Hauptverkehrszeit nach Bielefeld. Es lohnt sich (und es existiert!).

Die Untersuchungen zum Tunneldurchlauf sind übrigens von der Hannoveraner Firma RMCon durchgeführt worden, die stark mit dem Institut für Verkehrswesen, Eisenbahnbau und -betrieb der TU Braunschweig vernetzt ist. Auf dieser Basis sagen wir: Der Tunnel sollte nicht weiter belastet werden.
Heepen · Innenstadt · Tunnel
Hartwig Meier; moBiel
26.05.2013, 17:05 Uhr
Kommentar zum Beitrag von Michael
Ich antworte da gerne, weil die Frage der Zentralität der Verknüpfungspunkte ein ganz entscheidender Punkt ist; deshalb gar keine Debatte zur Notwendigkeit, hier unsere Beweggründe darzustellen. Schließlich ist es schon für die Stadt Bielefeld ganz wesentlich, wie sich Stadt- und Verkehrsplanung hier aufeinander zu bewegen.

Das der Kesselbrink mit im Haltestellen-Set sein sollte, da sind sich (hoffentlich) ganz viele einig, da er nicht nur Standort des Bielefelder Hauptmarktes ist, sondern im Grunde auch der Wochenmarkt für den Bielefelder Osten.

Noch mal etwas Zahlenmaterial auf den Tisch, welche Bedeutung unsere zentralen Haltestellen im Tunnel haben. Dabei ist es richtigerweise so, dass Umstiege zwischen den Stadtbahnlinien an allen drei Punkten möglich sind, wobei diese Umstiege unterschiedlich attraktiv sind:
Auf den bestehenden Stadtbahnlinien verteilt sich der Ein, Aus- und Umstieg unserer Fahrgäste unter diesen Haltestellen folgendermaßen:
Jahnplatz: 48%
Hauptbahnhof: 32% (davon allein Linie 4: 10%)
Rathaus: 20%

Wenn man also die Sonderstellung der Unilinie etwas herausnimmt, sieht man wieder die Bedeutung des Jahnplatzes. Noch stärker wie beim Bus sind die Anteile der Kunden, die direkt am Jahnplatz oder am Rathaus ihr Ziel haben: das sind wiederum gut zwei Fünftel derer, die diese beiden Haltestellen ansteuern.
Innenstadt
Hartwig Meier; moBiel
26.05.2013, 15:49 Uhr
Die Zielführung Ihrer Argumentation wird mir nicht klar: Sie beginnen mit den Vorteilen des Niederflursystems, wechseln dann zu den Problemen (soweit kann ich noch folgen) und verweisen dann: Worauf? Was ist ihr konstruktiver Lösungsvorschlag? Was ist die Lösung für Ihr Eingangsstatement: „Richtig ist, dass mit einer Niederflurbahn das Problem "städtebauliche Verträglichkeit" in der Brackweder Ortsdurchfahrt (Hochbahnsteige) und im Verlauf der Neubaustrecke erheblich besser lösbar ist und auch die Baukosten sinken...“?

Die von Ihnen alternativ genannten Gestaltungsvarianten treffen in Bezug auf die Barrierefreiheit nicht den Punkt: Die Haltestellen im Bereich Bethel müssen für beide Systeme ausgestaltet werden, damit wird der Übergang hergestellt. Das wir keine 2,35m breiten Fahrzeuge mehr anschaffen wollen, hatte ich bereits ausgeführt. Ein Ende der Linie 1 „an der Kunsthalle“ ist nicht geplant (dazu nochmal Verweis auf das Zielnetz in der Präsentation „Netz- und Systementwicklung“)

Zur Haltestelle Jahnplatz sind zwei Gutachten von Bedeutung: Eine Verkehrsstudie, die im Auftrag der Stadt derzeit erstellt wird und eine Machbarkeitsstudie für die Gestaltung des grünbleibenden Stadtringes, die moBiel nun beauftragt. Die erste Studie wird dass Maß einer Verringerung des Durchgangsverkehrs bewerten, das zweite Gutachten wird genaue Standortvorschläge für die Haltestelle ausführen. Dabei wird die Umsteigewegelänge richtigerweise eine Rolle spielen. Ich wüsste nicht, warum eine Haltestelle „weitab“ eingerichtet werden soll, wenn man als zentrale Achse des Platzes heute den Hauptfußgängerüberweg definiert.

Das Hannoveraner Beispiel ist sehr gut gewählt, da es die ähnlichen Kriterien wie unsere Entscheidung ansetzt. Eben weil sich manche Punkte doch sehr deutlich unterscheiden (in Hannover ging es um reinen Umbau eines viel kleineren Netzausschnittes, dazu ohne die Möglichkeit, einen neuen Betriebshof zu nutzen) kommen wir auf ähnlicher Basis zu einer anderen Empfehlung.
Hoch-/Niederflurtechnik · Innenstadt
Michael
26.05.2013, 15:39 Uhr
Sehr geehrter Herr Meier, herzlichen dank für diese Informationen. Natürlich haben Sie mit vielen Punkten Recht, überzeugt bin ich aber dennoch nicht. Aber ich will Ihre Geduld auch nicht überstrapazieren und werde mich zu diesem Themen-Strang jetzt nicht weiter äußern, außer drei ganz kurzen Anmerkungen:

Wenn der Hauptbahnhof zukünftig an Wichtigkeit zunimmt (Stichwort "hohe Spritpreise", Stichwort "Handy für junge Menschen inzwischen wichtiger als PKW", Stichwort "Höhere Umweltauflagen, Umweltplakette, Citymaut") dann würde sich das Gleichgewicht zugunsten des Hauptbahnhofs verschieben und ggf. würden Sie dann sowieso weitere Buslinien zum HBf durchführen (müssen).

Meine Vermutung, dass es erhebliche Überschneidungen zwischen Jahnplatz und HBf gibt, beruhte auf folgender Annahme: Die wenigsten Menschen fahren in die Innenstadt um nur ein Geschäft zu besuchen. Wer mehrere Geschäfte entlang der Bahnhofstraße ansteuern will, für den ist es egal, von welcher Seite der Bahnhofstraße er beginnt.

Ich kann die Beschwerden, die Sie 2009 bekommen haben, natürlich nicht inhaltlich beurteilen. Aber prinzipiell ist es so, dass sich Menschen wegen jeder Kleinigkeit beschweren und kaum habe sie sich an ein neues System gewöhnt, wollen Sie es nicht mehr missen. Außerdem wäre der Jahnplatz ja über die neue Station am jetzt wunderschönen Kesselbrink weiterhin leicht zu erreichen. Dies wäre meiner Ansicht nach auch ein sehr wichtiger Baustein, um dieses Quartier zu beleben und für den Einzelhandel erst interessant zu machen.

Jetzt ist es doch wieder mehr geworden als geplant ;-) Sorry!
Innenstadt
Hartwig Meier; moBiel
26.05.2013, 15:06 Uhr
Kommentar zum Beitrag von Holger
Ihre Aussage, dass sich die Einzugsbereiche der Haltestellen Jahnplatz und Hauptbahnhof „stark“ überschneiden, finde ich mutig. Früher hatten wir da sogar noch mal eine Haltestelle am Willy-Brandt-Platz dazwischen.

Die (Eisen-)Bahnfahrer sind in unseren Zahlen natürlich enthalten, weil wir unseren Fahrgästen genau diese Frage stellen, ob sie „endgültig“ aussteigen oder noch in eine andere Verbindung umsteigen. Dazu gehört auch die Eisenbahn.

Der Umstieg von Stadtbahn zu Bus am Hauptbahnhof ist nur zu einem kleinen Teil der Linien möglich. Die innerstädtischen Linie erreichen Sie damit nicht. Und wenn er möglich ist, ist er auch besser? Sie müssen ja für alle Betroffenen dann wieder noch die Reisezeit des Busses vom Hauptbahnhof zum Jahnplatz draufpacken.
Ich empfehle Ihnen, die Mobilitätsstudie der Stadt Bielefeld (unter „Haushaltsbefragung“ in der Dokumention) zu Rate zu ziehen. Dort werden sie sehen, wie (wenig!) weit Fahrgäste im Durchschnitt fahren. Ich bestreite nicht, dass es Fahrgäste gibt, deren Mobilitätsmuster sehr stark mit dem Eisenbahnverkehr und mit regionalen Linien vernetzt ist. Solche Kunden aber zum Dreh- und Angelpunkt eines Netzes zu machen, in der die Mehrheit unserer Fahrgäste heute nicht ein einziges Mal umsteigt, ist meines Erachtens nicht zielführend.

Im Gegenteil haben wir eine Betriebserfahrung aus einer länger dauernden Bauphase 2009, wo wir die Linie 4 nur bis Hauptbahnhof geführt haben. Das führte zu massiven Beschwerden der Fahrgäste.
Innenstadt
Michael
26.05.2013, 15:01 Uhr
Kommentar zum Beitrag von Holger
Die von Dir genannten Punkte halte ich für extrem wichtig und hatte ich selbst schon vor dem Lesen Deines Beitrags im Kopf. Die Zahlen vom moBiel, die die Notwendigkeit der Einbindung des Jahnplatzes bestätigen sollen, sind wirklich nicht aussagekräftig. Natürlich stimmen diese Zahlen, dass will ich überhaupt nicht anzweifeln. Aber wurden sie auch richtig interpretiert? Selbst wenn momentan ein Großteil der Fahrgäste am Jahnplatz aus- und umsteigen, muss dies für die meisten keinen größeren Nachteil bedeuten, wenn sie das zukünftig am Hauptbahnhof machen müssten. Wie Du schon richtigerweise aufgezeigt hast, gibt es große Überschneidungen der Einzugsgebiete. Wer z.B. ein Geschäft in der Mitte der Bahnhofstraße ansteuert, kann am Jahnplatz oder am HBf aussteigen. Wo er aussteigt, wird dann wahrscheinlich nur davon abhängen, aus welcher Richtung er kommt. Für den Großteil der Jahnplatz-Aussteiger bedeutet das Aussteigen am HBf keinen oder nur einen minimalen Mehrweg.

Zu den Bahn-Umsteigern: Ich vermute, dass aktuell fast alle Bahnnutzer am Jahnplatz umsteigen und nur die wenigsten am HBf. Das mache ich auch so, das Umsteigen am Jahnplatz ist ja schließlich einfacher. Am HBf müsste ich ggf. erst mit einer Treppe die Gleise überqueren, um zum Bahnsteig gegenüber zu kommen. Das heißt: Alle Jahnplatz-Umsteiger können auch am HBf umsteigen, müssen aber eine Treppe dafür gehen. Das ist doch wohl ein zumutbarer Umstand und kann nicht ernsthaft als beeinflussender Faktor für eine so wichtige und richtungsweisende Entscheidung mit einbezogen werden?
Innenstadt
Holger
26.05.2013, 13:07 Uhr
Die wichtigste Frage beantworten Ihre Zahlen leider nicht:
Wieviele Fahrgäste haben den Hbf als Ziel - entweder als direktes "Ziel im Einzugsbereich" oder als Umsteiger zur Eisenbahn?

Diese Frage lässt sich wegen geringer Entfernung der Haltestellen zueinander (Fußweg 5-8 Minuten) überhaupt nicht umfassend beantworten. Die Einzugsbereiche der Haltestellen Jahnplatz und Hbf überschneiden sich erheblich. Viele Fahrgäste gehen einfach zu Fuß, andere steigen zur Stadtbahn um.

Anders formuliert: Fahrgäste mit DIREKTZIEL JAHNPLATZ haben zu einem bestimmten Anteil ihr tatsächliches Ziel im Einzugsbereich des Hbf. Das stellt Ihre Aussage infrage : "Gut 25% der Fahrgäste haben ihr direktes Ziel im Einzugsbereich der Haltestelle Jahnplatz".

Ist der Jahnplatz also für 50% der Fahrgäste essentiell?
1) Bahnfahrgäste sind in den Zahlen nicht enthalten (nur Umsteiger Stadtbahn/ Bahn)
2) Der Anteil Fahrgäste mit Ziel Einzugsbereich Jahnplatz bzw. Hbf ist nicht ermittelbar.
3) "50% der Fahrgäste steigen am Jahnplatz in die Stadtbahn um." Diese Fahrgäste könnten bei Direktverbindung Heepen - Hbf auch dort umsteigen. Anteil Fahrgäste mit Ziel Einzugsbereich Hbf? Anteil Umsteiger zur Eisenbahn?
4) Die "Umsteiger zu anderen Buslinien" können diese teilweise auch am Hbf erreichen (62, 88, ...).
Damit ist die Aussage "Jahnplatz essentiell für 50%" eigentlich widerlegt.

Das moBiel einseitig auf den Jahnplatz ausgerichtet ist, zeigt im Übrigen die Bedienung im Frühnetz. Sonnabend früh ist eindeutig der Hbf das Ziel. Erreicht wird er meistens zu Fuß (umsteigen zur N3 dauert zu lange etc.). Das Ziel Jahnplatz ist dann nahezu uninteressant. Nur die Busse treffen sich dort, sonst niemand. Durchgehende Verbindungen entsprechend den Stadtbahnen - u.a. direkt zum Hbf - existieren nicht.

MoBiel setzt das SYSTEM "Treffpunkt Jahnplatz" im Nacht-/ Frühnetz vor alle Anforderungen. Eine Stadtbahn, die zu allen Zeiten nachweislich eine Haupthaltestelle am Hbf hat, wird durch den N1 ersetzt, der nur den Jahnplatz anfährt - obwohl zeitlich eine Linienführung Weststraße-Bahnhofstraße/Hbf-Jahnplatz möglich wäre (Pausezeit Dornberg 20 Minuten).
Innenstadt
 
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