Tag 4
Holger
16.05.2013, 10:34 Uhr
Zu Hochbahnsteigen: ich kann Ihnen hier nicht ganz zustimmen. Die Alternative entweder Hochflur mit 100m Länge (höchstens 15m weniger mit einer Türsperre) oder Niederflur stimmt so nicht. Andere Möglichkeiten wurden allerdings bisher wohl wenig untersucht und auch kaum angewendet. Barrierefrei bedeutet ja nicht, das ein Stadtbahnzug auf der gesamten Länge incl. aller Türen barrierefrei zugänglich sein muss. Der Anfang der Niederflurtechnik verlief z.B. auch so, dass Hochflurbahnen Niederflur-Mittelteile eingefügt wurden. Mindestens an Haltestellen mit geringerem Fahrgastpotenzial können (barrierefreie) Einstiegsmöglichkeiten in Züge durchaus auf weniger Türen eingeschränkt werden. Die Mehrzahl der Fahrgäste ist nicht mobilitätseingeschränkt und daher nicht auf einen stufenlosen Zugang angewiesen.

Diese Überlegungen sind mir allerdings erst vor kurzem gekommen und noch wenig ausgereift. Möglich wäre ein Hochbahnsteig nur für einen Zugteil, der zweite Teil wird über Trittstufen erreicht. Hochbahnsteig 50m. Der niedrige Bahnsteigteil kann von Bussen mitgenutzt werden und ist keine unüberschreitbare Barriere im Stadtbild.

Um beide Zugteile barrierefrei erreichen zu können, müsste ein Hochbahnsteig die Zugmitte umfassen (ca. 20-30m), eine Rampe von 15m (also Gesamtlänge rund 40m) würde den Zugang zu den Türen eines Zugteils verhindern. Bei 35m Wagenlänge wäre jedoch die letzte Tür wieder nutzbar. Leider gibt es da das Problem, das nicht die erste, sondern die zweite Tür des Vamos mit Stufen versehen wurde. An Haltestellen in Wohngebieten (Auf dem langen Kampe, Elbeallee) würde ein Fahrzeugzugang nur im Mittelteil jedoch durchaus ausreichen. Solche Lösungen würden die Akzeptanz in der Bevölkerung für Hochflurtechnik erhöhen. In einem Wohngebiet müssen nicht alle paar hundert Meter Hochbahnsteige mit 100m Länge entstehen.

Man könnte auch technische Lösungen suchen - anhebbare Rampen, die nur zum Fahrgastwechsel gerade verlaufen (ist wohl etwas utopisch). Ich werde hierzu noch ein bißchen weiter nachdenken.
Hoch-/Niederflurtechnik
Hartwig Meier; moBiel
16.05.2013, 08:39 Uhr
Zur Frage der Brackweder Hauptstraße: Es gibt Pläne, die in der Bezirksvertretung für die Normannenstraße und Brackwede Kirche in öffentlicher Sitzung bereits Ende 2012 vorgestellt worden. Politik und Verwaltung haben hier noch nicht abschließend entschieden. Insgesamt gibt es für alle Haltestellen in der Hauptstraße Lösungen, wobei die Gaswerkstraße nicht problematisch erscheint, wegen der aus dem Zentrum herausgerückten Lage aber noch nicht untersucht worden ist.

Ich möchte nochmal auf die Anforderung verweisen, die uns das neue Personenbeförderungsgesetz (das Bundesgesetz, was uns im ÖPNV bindet) aufgibt: Wir wollen nicht nur, sondern müssen jetzt Haltestellen ohne Ausnahme im Grundangebot barrierefrei bedienen. Ausnahmen könnten Nahverkehrspläne mit Mühe begründen, an einem Hauptverknüpfungspunkt zwischen Bus und Bahn oder einer zentralen Haltestelle im Ortszentrum kann man so eine Ausflucht wohl außer Acht lassen.

Dies führt nun zu mehreren Möglichkeiten: Entweder baut man Hochflurbahnsteige, 70 Meter lang und nicht übersteigbar mit jeweils 15 Meter Rampenlänge, also gesamt 100 Meter. Mit der schon von WolfgangK angesprochenen Türsperrung spart man 15 Meter, (derlei Türsperrungen sind für uns aber eigentlich immer nur Provisorium). Oder man baut Niederflurbahnsteige, 55 Meter lang, übersteigbar mit ca. 5m langen Rampen.

Beides geht nun jetzt entweder als Mittelbahnsteig oder mit Seitenbahnsteigen außen. Seitenbahnsteige sind niederflurig in den Gehweg integrierbar, als Hochbahnsteig schon etwas „speziell“. Wenn sich die Haltestellen im Straßenraum befinden, sind Mittelbahnsteige generell fahrradverträglicher. Die Auswirkungen auf die Zahl der Stellplätze ist eigentlich nur unwesentlich verschieden (klingt bei den unterschiedlichen Bahnsteiglängen erstaunlich, ist aber den Details der Trassierung geschuldet)

Jetzt kommt aber der größte – systemunabhängige - Knackpunkt: Bahnsteige dürfen sich nicht in stärkeren Kurven befinden (sonst ist der Spalt zwischen Bahnsteig und Fahrzeug zu groß)! Deshalb ist der heutige Standort Brackwede Kirche definitiv nicht zukunftsfähig. Der Abschied von der Trittstufe auf der Hauptlinie ist auch der Abschied vom heutigen Standort. Das ist zugegeben auch für uns erst seit kurzem so deutlich.
Damit kommt der Standort östlich der Berliner Straße ins Spiel. Als alleiniger barrierefreier Bahnsteig ist er aber dauerhaft nicht haltbar.

Eine Entscheidung für ein System ist also eine Entscheidung, ob man in der Hauptstraße drei Hochbahnsteige oder drei Niederflurbahnsteige bauen muss. Das ist aus unserer Sicht vornehmlich auch eine städtebauliche Frage und eine Frage an die Funktion dieses Straßenraumes im Brackweder Zentrum. Das Projekt der Stadtbahn Heepen – Sennestadt ermöglicht uns jetzt immerhin diese Entscheidung, weil in einem Hochflursystem wie heute nur der Weg der Anpassung bliebe.
Hoch-/Niederflurtechnik · Sennestadt
 
Tag 2
Holger
14.05.2013, 19:26 Uhr
Kommentar zum Beitrag von Bielof
Das Thema Hauptstraße wird seit langem heiß diskutiert. Ich stimme zu, an der Gaswerkstraße können problemlos zwei Hochbahnsteige gebaut werden, nur muss diese Haltestelle dann von Bussen durch die gesamte Hauptstraße (Linien 83/80.2 ) ausgelassen werden. Diese Straße gehört auch zu den Hauptproblemen der breiten Vamos-Fahrzeuge. Unvorstellbar, diese dort fahren zu lassen - sogar mit schmalen Bahnen machen parkende Autos Probleme.

Niederflurbahnen finde ich durchaus auch bequem; mehr Vibrationen, das stimmt. Aber wie sieht es denn mit der Bequemlichkeit beim Vamos aus? Stehplatz garantiert. Oder ein Klappsitz - wenn die Bahn bremst, fällt man runter (besonders auch für kleine Kinder geeignet, die muss man stets festhalten).

moBiel-Service: Doppeltraktion ersetzt durch Einzel-Vamos (Linie 2 und auch Linie 4 z.B. Schul-/Semesterferien) - Ergebnis 50% weniger Sitzplätze. Welche Bahn in Deutschland bietet ein ähnlich schlechtes Verhältnis Sitz-/Stehplatze? Ich sehe bei den Vamos leider nur einen einzigen Vorteil: er fährt leiser. Sogar der Vorteil Platz (wenn ich das Fahrrad mitnehme) entfällt, wenn der Einzel-Vamos kommt.

Vamos kann nicht in der Kreuzstraße fahren (daher das Problem Dürkopp Tor 6, das Kehrgleis Obernstraße ist nicht erreichbar) und nicht in der Hauptstraße. Und was fällt moBiel da ein, um das zu bewältigen - zu breite Fahrzeuge und Ersatz auch der Altfahrzeuge auf der Linie 1? Ganz einfach: man plant eine Linie 5 auf alten Wegen direkt zum Adenauerplatz und umfährt damit Problem Nr. 1. Und Problem 2 löst man elegant durch Niederflur (die Bahnen werden wohl so breit werden wie gehabt). Man kann auch eingestehen, das die breiten Bahnen speziell für Linie 4 entworfen wurden, und damit wenig für die anderen Linien taugen.
Hoch-/Niederflurtechnik · Sennestadt
Patricia Lohmann
14.05.2013, 18:53 Uhr
Eine Analyse wurde ja gestern schon erwähnt, die ergab, dass Hochbahnsteige an der Hauptstr. nur an einer Haltestelle machbar sind ... ist die Niederflurlösung dann schmaler oder werden die Bahnsteige in die Gehwege integriert? Was geschähe mit Radwegen und Parkplätzen? Welche Alternativen sind denk- und/oder machbar - bei wie viel Barrierefreiheit?
Fahrrad · Sennestadt
Patricia Lohmann
14.05.2013, 18:29 Uhr
Kommentar zum Beitrag von Bielof
Gibt es denn schon erste Entwürfe zum Streckenabschnitt Brackwede Hauptstraße mit Bahnsteigen? Ich könnte mir auf der Basis bisheriger Erfahrungen denken, dass es einige Platzprobleme gäbe, vor allem wenn man sowohl Parkplätze als auch Radwege erhalten möchte....
Fahrrad · Sennestadt
Bielof
14.05.2013, 17:16 Uhr
Kommentar zum Beitrag von Holger
Das ist ganz klar meine Meinung. Zudem müssten, wenn Hochflurbahnsteige abgerissen werden, Fördermittel zurückgezahlt werden. Und was mir noch wichtiger ist, ist der Fahrkomfort. Dieser ist bei Hochflurbahnen wesentlich angenehmer als bei Niederflurbahnen. Ich nenne nur als Beispiel Dortmund, wo auf den Linien U43 und U44 seit ein paar Jahren Niederflurfahrzeuge vom Typ NGT8 von Bombardier fahren. Die meiste Zeit fährt diese Strecke geradeaus, aber die Bahnen vibrieren sehr stark und das Sitzen ist dann sehr unangenehm. Zudem ist die Innengestaltung bei Niederflurbahnen sehr eingeschrenkt, wegen den Drehgestellen und Fahrmotoren. Grundsätzlich finde ich Niederflur in Ordnung, aber gerade bei der Strecke nach Sennestadt, wo im Verlauf der ehemaligen B68 ausreichend Platz vorhanden ist, kann man mit großer Sicherheit Bahnsteige auf einer Länge von 100 m bauen. Zudem kann man in Brackwede auch an den Haltestellen Normannenstr. und Gaswerkstr. locker einen Bahnsteig bauen. Einzig und allein der Einzelhandel streikt, weil diese um einen Attraktivitätsverlust fürchten. Also meine Meinung lautet: Linie 1 beibehalten und mit vorhandendem System nach Sennestadt verlängern und Hochbahnsteige in Brackwede bauen. Linie 5 zumindest auf Meterspurgleisen bauen um eine gewisse Netkompatibilität beizubehalten. Dort könnte dann auch Niederflur eingesetzt werden, da Heepen nicht genügend Platz bietet.
Hoch-/Niederflurtechnik · Sennestadt
 
Tag 1
Holger
13.05.2013, 15:36 Uhr
 
Die Niederflurtechnik entspricht dem heutigen Stand der Technik. Hochflur war gestern, hat ihren Ursprung im Stadtbahn-Zeitalter der 1970er/80er Jahre. Stadtbahn (oder nach moBiel-Schreibung "StadtBahn") ist nicht mehr das, was es damals war. eine qualifizierte Straßenbahn oder Schnellstraßenbahn (Niederlande: "sneltram") die unbedingt unterirdischen Abschnitte haben musste. Heute ist "Stadtbahn" ein Allerweltsbegriff, der einfach die Bahn(en) einer Stadt beschreibt. Eine Stadtbahn kann Straßenbahn, U-Bahn oder auch Schwebebahn sein.

Nun steht eine Entscheidung zur Nieder- bzw. Hochflurtechnik an und damit auch für oder gegen die Wiedereinführung der guten alten Straßenbahn in Bielefeld. Wie gesagt, Stadtbahn war gestern. Kann sich eine Stadt der Größe von Bielefeld zwei Bahnsysteme leisten? Ja (z.B. Bonn hat das auch).

Also Niederflur auf jeden Fall ja. Ist billiger zu bauen, zu betreiben und verschandelt die Umgebung nicht. Aber nicht so: "Rückbau" (Abriss) von Hochbahnsteigen und dann dort gegebenenfalls auch Hochflurbahnen nicht barrierefrei einsetzen. Es gibt z.B. Überlegungen, Linie 1 bis Bethel fahren zu lassen, und dann Hochflur-Verstärkungsfahrten auf einer Niederflurstrecke Linie 5 (nach Rückbau der Hochbahnsteige) in Richtung Brackwede einzusetzen.

Ein ganz klares ja zu Niederflur nach Heepen. Aber ebenso klar auch nein zu einem Rückbau der Hochflurstrecke nach Senne mit Aufteilung der Linie 1 (Endpunkt im Stadtzentrum z.B. Dürkopp Tor 6 oder in Bethel - da wird wohl der Platz nicht ausreichen und die Vamos können bekanntlich nicht durch die Kreuzstraße fahren). Linie 5: Heepen - Kunsthalle. Ein besseres Ziel wäre natürlich der Hbf, aber das trifft vermutlich auf genau die Probleme, die man vor 20 Jahren durch einen Tunnelbau gelöst hat ...
Hoch-/Niederflurtechnik