Tag 15
ubeckers
27.05.2013, 14:50 Uhr
Ich verstehe, dass der Einsatz von Bussen nicht auf die allergröße Liebe stößt, doch ist die Idee dahinter lediglich die Tunnelkapazität zu einigen Spitzenzeiten abzufedern.
Gewiss ist das nicht ideal oder leicht. Aber es kann eine Alternative darstellen. Es geht um eine Kosten/Nutzen-Abwägung. Die Ersparnis weniger neue Gleise zu bauen (oberirdisch in der Innenstadt) und kein zweites System aufzubauen (Niederflurzüge), wiegen meiner Meinung nach die Nachteile einer Busverstärkung durchaus auf.
Außerdem sehe ich das auch nur im Kontext einer Querverbindung der 3 zum Campus. Mit einer solchen Querverbindung kann die Uni ohne mehr Tunnelfahrten mit erheblich gesteigerter Kapazität angefahren werden. Eine Verstärkerfahrt auf der drei wäre somit gleichzeitig auch einer Verstärkerfahrt zur Uni.
Die 4 nach Sieker und die 2 nach Heepen zu legen optimierte die Verkehrsflüsse zusätzlich.
So kann mit 6 Fahren/10 Minuten der allergrößte Teil des Verkehrs bedient werden. Busse benötigte man dann nur noch zur größten Spitzenlastabfederung. Und ohne den Schülern irgendwas böses zu wollen (war früher auch Fahrschüler), bin ich der Meinung, dass Busse durchaus zumutbar sind. Busse im Schulverkehr haben auch ihre Vorteile, durch passende Abstellflächen vor den Schulen können sie mit großem Komfort von den Schülern angenommen werden.
Ich bin kein übertriebener Busfan, sondern suche eine kostengünstige und praxisnahe Gesamtlösung für die Stärkung der Stadtbahn im Nahverkehr bei gleichzeitiger Vermeidung eines oberirdischen Schienenzweitsystems. Und dafür sollte man Busse als Kapazitätserweiterungssystem nicht per se ausschließen.
Bus · Finanzen · Gesamtvorhaben · Tunnel
Godehard Franzen
27.05.2013, 11:18 Uhr
Kommentar zum Beitrag von ubeckers
Ich bin auch noch jahrelang mit den Bussen vom Jahnplatz zur Uni gefahren. Gut, dass das vorbei ist. Ich glaube nicht, dass Entlastungsbusse für die Linie 4 eine Lösung wären. In der Verkehrsspitze sind auch die Entlastungszüge voll. Ein Entlastungzug müsste also durch mindestens drei Gelenkbusse ersetzt werden. Das ist sehr unwirtschaftlich und unter Umweltgesichtspunkten höchst problematisch. Die Busse müssten mindestens den Hbf, den Jahnplatz und die Uni anfahren. Wenn sie an der Weststraße (Siggi) und an der Oetkerhalle durchfahren, ist Ärger vorprogrammiert. Eine noch so gute Beschilderung und Information wird das nach meiner Überzeugung nicht verhindern. Sollen die Busse dann im Pulk oder zeitversetzt fahren? Im Pulk wird es wegen des begrenzten Raums am Jahnplatz kaum gehen. Fahren sie zeitversetzt, so ist mindestens der letzte Bus vor der nächsten Stadtbahn völlig unattraktiv: Da nimmt man doch besser gleich die nächste Bahn, weil sie fahrplansicherer und schneller ist. Fahrgäste, die am Hbf mit der Eisenbahn oder am Jahnplatz mit Bus oder Stadtbahn ankommen, müssen sich jedesmal neu entscheiden, ob sie mit dem nächsten Bus oder der nächsten Bahn zur Uni fahren sollen. Auch bei einer zuverlässigen dynamischen Fahrgastinformation an den Haltestellen wird das die Fahrgäste nerven. Und schließlich: Das Fahren in einer knallvollen Stadtbahn ist wahrlich nicht vergnügungssteuerpflichtig. Aber das Fahren in einem knallvollen Bus ist noch viel unangenehmer, jedenfalls empfinde ich das so. Entlastungsbusse könnten ein Übergangsprovisorium sein. Als Dauerlösung eignen sie sich nach meiner Meinung nicht.
Bus · Tunnel
ubeckers
27.05.2013, 10:06 Uhr
Ich gebe zu, dass ein paralleler Busverkehr zunächst nicht sehr attraktiv klingt, aber insbesondere auf den Relationen Innenstadt-Uni und Schulzentren der Linie 3 - Innenstadt ist es aus meiner Erfahrung (jahrelange Arbeit in der Uni und Wohnen nahe der Haltestellen Oststraße und Krankenhaus Mitte) nicht so, dass man mit dem Entlastungsverkehr die gesamte Streckenführung mit Bedienung aller Stationen durchführen müsste, sondern vielmehr Busse einsetzte, die direkt von A nach B fahren und auf Zwischenstops verzichten können. Spart Zeit und Probleme.
Setzen Sie sich z.B. um 9:45 in der Innenstadt die 4, ca. 80% aller Fahrgäste steigen an der Uni aus. Der größe Zustieg findet am Hbf statt, obschon die Züge dort oft bereits recht voll sind.
Bei der 3 ist es ähnlich gelagert, die meisten Schüler fahren zu einem zentralen Umstiegspunkt. Zwischenhalte wären für Busse hier nicht notwendig.
Wie ich bereits schrieb, es mag nicht unbedingt elegant wirken und ist nicht die Lösung _aller_ Probleme, aber meiner Einschätzung nach doch praxistauglich und die Spitzenbelastung im Tunnel hinreichend abfedernd. Es müsste schießlich nicht sämtlicher Entlastungsverkehr durch Busse durchgeführt werden, zwei Zusatzzüge pro 10-Minutenslot sind schließlich möglich (also 6 Züge/10 Min), nur was darüber hinausgeht müsste per Bus durchgeführt werden. Man sparte sich aber den Bau (kostet Geld & Zeit) einer oberirdischen Strecke im Innenstadtbereich und die Einführung eines möglicherweise inkompatiblen Systems (Niederflurzüge) zum Restnetz. Diese beiden Vorteile überwiegen meiner Meinung nach die Nachteile bei weitem.
Bus · Tunnel
Regiotramuli
27.05.2013, 08:52 Uhr
Franzei:
>>>>>>>>>>>>>(...)Aus Fahrgastsicht wäre das mit großen Nachteilen verbunden, weil das System durch unterschiedliche Ein- und Ausstiegspunkte für ein und denselben Weg verkompliziert würde. Je nach Linie wäre es auch schwierig, eine geeignete, einigermaßen parallel geführte Bustrasse und geeignete Haltepunkte in unmittelbarer Nähe der Stadtbahnhaltepunkte zu finden. Die Fahrtdauer würde bei den Entlastungsbussen z. T. deutlich verlängert, sie wären zudem vermutlich stauanfälliger (...)<<<<<<<<<<<<<.

Stadtbahnuli:
Es kommt ganz drauf an WO es ist.
Ich habe es da und dort auch andersherum erlebt.
Godehard Franzen
27.05.2013, 08:32 Uhr
Kommentar zum Beitrag von ubeckers
Die Einsatzwagen bzw. Entlastungszüge zu den Spitzenlastzeiten sind sicher das Hauptproblem (aber nicht das einzige) bei der Tunnelbelastung. Ich kann mich dennoch mit dem Vorschlag, die Entlastungszüge durch Busse zu ersetzen, nicht anfreunden. Aus Fahrgastsicht wäre das mit großen Nachteilen verbunden, weil das System durch unterschiedliche Ein- und Ausstiegspunkte für ein und denselben Weg verkompliziert würde. Je nach Linie wäre es auch schwierig, eine geeignete, einigermaßen parallel geführte Bustrasse und geeignete Haltepunkte in unmittelbarer Nähe der Stadtbahnhaltepunkte zu finden. Die Fahrtdauer würde bei den Entlastungsbussen z. T. deutlich verlängert, sie wären zudem vermutlich stauanfälliger. Aus Nutzersicht sind das gravierende Nachteile. Einfache und übersichtliche Strukturen sind ein entscheidender Faktor für die Attraktiviät des ÖPNV. Davon sollte man nicht abrücken.
Bus · Tunnel
ubeckers
27.05.2013, 01:17 Uhr
Das Tunnelproblem ist haupsächlich ein Entlastungszug-Problem. Dieses Problem kann man aber durchaus relativieren, wenn man Entlastungsfahrten per Bus, bzw. nicht durch den Tunnel (von der 3 aus Stieghorst Richtnng Landgericht) und im Falle der Anbindung der Uni sowohl über die bisherige Linie 4-Trasse als auch über die Linie 3 mit einer Anbindung des neuen Campus durchführt.
Entlastungen per Bus mögen unkonventionell wirken, aber sind wahrscheinlich ein geringeres Übel als ein zweites oberirdisches System zu etablieren.
Ein Entlastungstunnel wäre gewiss am schönsten, doch auch sehr teuer und damit vorerst unrealistisch. Die Idee sollte man aber nicht generell und für alle Zeit verwerfen.

4 Linien (mit Heeper Ast) im 10 Minutentakt plus 1-2 Entlastungsfahrten bei großer Nachfrage (Uni und Schulen haben zum Glück nicht immer die gleichen Uhrzeiten der Hauptnachfrage). Weitere Entlastungen per Bus. Busse haben den Vorteil sehr flexibel einsetzbar zu sein. Die Fahrgäste werden ein solches Busverstärkungssystem schon verstehen und letztlich auch annehmen.
Bus · Tunnel
 
Tag 2
Hartwig Meier; moBiel
14.05.2013, 23:26 Uhr
 
In der Machbarkeitstudie Heepen ist sowohl eine Anbindung an den Jahnplatz oberirdisch wie an den Stadtbahntunnel über Dürkopp untersucht worden. Der Gutachter hat mit zunehmender Kenntnis der Betriebssituation im Tunnel mit über 450 Fahrten pro Tag und Richtung klar dafür plädiert, Heepen über den Kesselbrink oberirdisch an den Jahnplatz einzubinden.

Im Kernpunkt steht ein Kapazitätsproblem, aber nicht der Fahrzeuge, sondern des Tunnels: Unser Stadtbahntunnel wird mit einem Zugsicherungssystem betrieben, dass alle 90 Sekunden eine Zugfahrt ermöglicht. Das ergibt pro Zehnminuteneinheit die Möglichkeit, etwas mehr als sechs Fahrten abzuwickeln. Dann müssen aber alle Fahrten sekundengenau in den Tunnel einfahren, bei unserem in den Außenbezirken straßenabhängigem System leider ein frommer Wunsch, trotzdem „alternativlos“ jeden Morgen Fahrplanalltag. Jede Abweichung merken unsere Kunden als Stehen im Tunnel oder Warten am Rathaus auf die Einfahrt. Jedes Nicht-Ausreizen dieser Systemgrenze ist also Beförderungsqualität!
Vier Linien im Zehn-Minuten-Takt, dazu Einsatzfahrten auf den Linien 1 und 3, damit erreichen wir viel zu oft in der Hauptverkehrszeit diese Grenze von sechs Fahrten. Die durchgehenden Einsatzfahrten zur Universität dürfen sowieso erst nach Ende des Zusatzverkehres auf den anderen Linien beginnen.

Dazu kommen die „Fahrgastwechselzeiten“. Wir haben ein Stadtbahn- und Busnetz, bei dem in den durchgehenden Linien die meisten Fahrgäste die Innenstadt nicht durchqueren, sondern am Jahnplatz, Rathaus oder Hauptbahnbahnhof ein- und aussteigen. Das braucht Zeit. Besonders auf den stark nachgefragten Linien 1 und 3. Am stärksten ist nun die Fahrgastnachfrage auf der Linie 4, der Fahrgastwechsel ist hier aber nur einseitig: Einsteiger Richtung Uni, Aussteiger Richtung Innenstadt. Das entlastet.

Die Überlegungen für die Linie nach Heepen waren nun die folgenden: Was passiert mit der Linie 4 im Tunnel, wenn sie nach Heepen verlängert wird? Unterstellen wir, dass nach Heepen ähnlich viel Fahrgäste wie auf der Linie 3 nach Stieghorst fahren. Die Siedlungsstruktur lässt diese Aussage möglich erscheinen. Was bedeutet das am Jahnplatz? Bevor man zur Uni einsteigen kann, wollen erstmal Fahrgäste aus Heepen aussteigen, also steigt die Fahrgastwechselzeit. Dazu kommt die Frage, ob nicht die Carl-Severing-Schulen genauso Einsatzwagenbedarf auslösen wie die Schulen am Krankenhaus heute auf der Linie 3. Eine dritte Linie mit Einsatzwagen im Zehnminutenabschnitt geht aber nicht, wegen der Zugfolgezeit im Tunnel. Wird der Vamos in Doppeltraktion für lange Zeit ausreichen, wenn er später auf diesen anderen Linien eingesetzt wird?

Das ist also der Hintergrund für die Entscheidung, die Varianten von Heepen direkt in den Tunnel auszuschließen. Ein weiterer Gutachter hat diese Einschätzung im Oktober 2012 untermauert und generell den Schluss gezogen, dass der Bielefelder Stadtbahntunnel mit seiner jetzigen Auslastung mehr als an die Grenze gekommen ist.
Tunnel