Tag 9
ede
21.05.2013, 18:10 Uhr
Herr Meier, erst mal vielen Dank für die ausführliche Antwort.

Vor allem das Argument der "Schleichfahrten" links herum, ist imho endlich mal eines mit Gewicht. Bislang war alles an Gründen, die ich dazu gehört hatte, bloß "der Bielefelder sei es gewohnt, dass alle Linien über den Jahnplatz fahren." (O-Ton eines Mobiel-Mitarbeiters bei der Veranstaltung im Rathaus Ende April). Da kommt man sich dann schon etwas veräppelt vor, wenn das der Grund sein sollte, warum man die Einsatzfahrten nicht zum Landgericht durchleitet und ansonsten Schweigen im Walde herrscht. Insofern mein "eindringliches" Nachhaken an dieser Stelle.

Was die Einsatzwagen zwischen Hbf und Uni angeht, so ist mir diese Praxis für das von mir in meinem Beitrag angesprochene Zeitfenster zwischen 7:00 Uhr und 8:00 Uhr nicht bekannt. In dieser Stunde passieren 34 Stadtbahnwagen den Jahnplatz in nördlicher Richtung und 31 in südlicher Richtung, wenn ich die Aushangfahrpläne jetzt korrekt abgezählt habe, mit Abstand das Tagesmaximum, vor allem in nördlicher Richtung.

Die Einsatzwagen zwischen Hbf und Uni pendeln aber erst nach 8:00 Uhr, wenn der Betrieb am Jahnplatz sich schon wieder deutlich entspannt hat, vor allem Richtung Norden und damit auch Uni. Hintergrund: Sie hatten an anderer Stelle mal erwähnt, dass es wünschenswert sei, mit dem Einsatzverkehr zur Uni früher beginnen zu können, dass dies aber an der Kapazität im Tunnel scheitere. Die "Pendelzüge" berühren aber das Kapazitätsproblem (am Jahnplatz) doch gar nicht? Daher nochmal meine Frage, ob es hier Sicherheitsapekte gibt ... diesmal mit dem ausdrücklichen Hinweis auf das übervolle Zeitfenster 7:00 Uhr bis 8:00 Uhr direkt hinter der Frage, nicht bloß in der "Überschrift" zum gesamten Beitrag.

Generell zu Ihrer Anmerkung:
"Ich weiß nicht, wie sie jeden morgen den Betrieb bewerten ..., aber „stets flüssig und störungsfrei“ ist nicht die Auswertung unserer Betriebsaufzeichungen und des Beschwerdemanagements. Im zweiten Teil gehts um die Detailvorschläge."

Den Betrieb bewerte ich nicht danach, ob die Linie 3 morgens mal drei Minuten länger als im Fahrplan vorhergesehen, im Tunnel zwischen Hauptbahnhof und Rathaus stocken bleibt, während ich in der warmen und trockenen Stadtbahn sitze. Nein, ich bewerte den Betrieb lieber danach, ob mich der Bus der Linie 54/56 mal wieder mit der all zu häufigen Verspätung in Babenhausen-Süd abliefert, was dann gleich 10 Minuten kostet. Und viel gravierender, diese Wartezeit im Zweifel in Kälte und Regen. Oder danach, ob ich mich auf dem Rückweg im Feierabendverkehr mangels konsequenten Zehnminutentakt dann mit meinen Leidensgenossen auch schon mal in einen Bus der Beförderungsqualität Sardinenbüchse quetschen muss, weil inzwischen die Umsteiger von zwei, manchmal auch drei Bahnen der letzten 20-25 Minuten sich dort versammelt haben. Wenn man älter wird, wandeln sich die Prioritäten eben. Ein dichter Takt wiegt da imho mehr als Pünktlichkeit auf die letzte Minute.
Gesamtvorhaben · Tunnel
Holger
21.05.2013, 10:07 Uhr
1) Bedarfshaltestellen halte ich für eine sehr gute Idee. Sofort für Sennefriedhof. Frage wäre, ob so etwas auch für bestimmte Tageszeiten oder das Wochenende eingeführt werden kann. Die Haltestelle Rudolf-Oetker-Halle zum Beispiel hat zu bestimmten Zeiten eine sehr geringe Nutzung oder Stieghorst Gesamtschule. Halt auf Verlangen ab 20 Uhr oder nur sonntags.

2) Man muss nicht entscheiden, ob Linie 3 nach Norden oder zum Campus geführt wird. Diese hat das Ziel Babenhausen Süd (- Theesen - Jöllenbeck). Die Campus-Bedienung erfolgt ausschließlich durch Linie 4 (Weiterführung über Querverbindung - Jöllenbecker Straße wieder zur Innenstadt). Eine Teilung der Uni-Anbindung in Linie 4 aus einer Richtung bis Campus-Nord und Linie 3 aus der anderen ist sinnlos (ist in der Potenzialanalys so angedacht). Man kann Linie 3 auch nicht bis Uni (Mitte) führen; ergibt Doppelbedienung zwischen Campus-Nord und Uni.

@ Balu Eine Niederflurstrecke Heepen - Jahnplatz - Senne(stadt) hat einen erheblichen Nachteil: Der Hauptbahnhof liegt nicht auf diesem Weg - Attraktivität und Fahrgastzahlen werden dadurch vermindert. Es kann doch nicht sein, dass neben dem Frühverkehr (alle Linien aus Süd/Ost /West) nun auch eine neue Stadtbahn den Bahnhof nicht bedienen soll.
Gesamtvorhaben · Hoch-/Niederflurtechnik
Markus L
21.05.2013, 08:22 Uhr
"Außerdem ist in diesem Forum sehr vehement für Jöllenbeck gestritten worden, da muss man sich dann entscheiden, was man mit der Linie 3 macht, zur Uni oder nach Norden. "

Linie 3 nach Jöllenbeck, Linie 4 als über Lohmannshof weiter bis zur jetzigen Endhaltestelle Linie 3.
Eventuell Einsatzfahrten Über die Linie 3 bis Uni.

Ein paar Worte auch von mir noch zu Jöllenbeck:

Die Ergebnisse einer Machbarkeitsstudie und eines Gutachtens lassen sich mit den passenden Stellschrauben immer in irgendeine Richtung drehen.

Jöllenbeck bietet ein hohes Fahrgastpotenzial. Gleichzeitig besteht eine im Bebauungsplan freigehaltene Stadtbahntrasse.
Wer heute in Jöllenbeck oder Theesen wohnt, dem bleibt nichts anderes übrig, als aufs Auto angewiesen zu sein. Aufgrund der Distanz Jöllenbeck-Zentrum ist das Fahrrad auch nur eine Alternative für hartgesottene Radfahrer.
Wer dort aufgewachsen ist, hat es verinnerlicht, dass man für jeden Liter Milch einen Liter Sprit verjuckeln muß. Daher die angesprochene Auto-Affinität, die man "den Jöllenbeckern" hier in der Diskussion unterstellte.
Das Busangebot ist, anders als in Heepen, und auch anders als in Sennestadt (auch dort muss aber iin meinen Augen zwingend die Stadtbahn hinführen!)
als absolut miserabel zu bezeichnen und eine Stadtbahn (schnell und auf eihgenem Bahnkörper) erhöht die Lebensqualität im hohen Norden Bielefelds enorm und lässt sich damit auch wirtschaftlich betreiben.
Jöllenbeck
Hartwig Meier; moBiel
21.05.2013, 00:18 Uhr
Teil zwei:

Die Schulzeitentzerrung bietet Potenziale, die aber am grundsätzlichen Problem nicht hinreichend etwas ändern: Wenn ein Fass voll ist und ich nehme einen Tropfen weg, ist es müßig, ob noch ein weiteres Fass, ein Glas oder nur zwei Tropfen dazu kommen: Alles endet im Überlaufen.

Zu den Schulentwicklungsszenarien kann man entgegnen, dass diese Mengen in anderen Mobilitätsszenarien untergehen. Weder Sie noch ich können aber Brief und Siegel auf das Eintreffen des einen oder anderen geben. Wir müssen einfach eine Infrastruktur bereitstellen, die nicht bereits bei der kleinsten Störung in Überforderung geht.

Zur Querverbindung aus der Dürkopp-Straße links ab zum Landgericht: Jeder dort abbiegende Zug blockiert alle anderen Fahrbeziehungen und das bei Tempo 10 für diese sehr scharfe Kurve, also über richtig lange Zeit. Eine größere Blockade des Betriebs ist eigentlich nicht vorstellbar.

Zu den Fahrgastwechselzeiten: Wer aufmerksam unseren Fahrplan liest, sieht, dass wir die Linien 2 und 4 heute schneller durch den Tunnel ziehen, die Linien 1 und 3 bekommen für Ihren Fahrgastwechsel eine Minute mehr. Ob rekombiniert oder nicht, jede Linie aus Heepen erhält das Fahrplanmuster der anderen „starken“ Linien.

Zur Querverbindung Babenhausen Süd – Universität, die wir übrigens für eine sehr kreative Idee des hier vielgescholtenen Gutachters TTK halten: Dies ist eine Planung fernerer Zukunft („moBiel 2040“), so einfach ist die Durchquerung durch Gellershagen nicht! Jedenfalls haben wir keine Signale aus der Politik erhalten, dass jetzt sofort anzugehen.
Außerdem ist in diesem Forum sehr vehement für Jöllenbeck gestritten worden, da muss man sich dann entscheiden, was man mit der Linie 3 macht, zur Uni oder nach Norden.
Tunnel
Hartwig Meier; moBiel
21.05.2013, 00:17 Uhr
Kommentar zum Beitrag von ede
Hier ist eine Vielzahl von Fragen aufgeworfen, die wir gerne beantworten. Wir erreichen eine Detailtiefe, die nicht jeder in diesem Dialog mitgehen wird. Deshalb auch eine Antwort in zwei Teilen.
Außerdem bitte ich darum, dass nicht jeder Kommentar, der von uns nicht ausdrücklich beantwortet wird, durch uns „ignoriert wird“, wir sind schließlich auch nicht Multi-Tasking... Sollten Sie meinen, wir drücken uns vor etwas, fragen Sie einfach noch mal nach.

Fangen wir mit der gemeinsamen Basis an. Sie schreiben:
„... Natürlich definiert immer die engste Stelle eines Engpasses die verbleibenden Möglichkeiten. Aber bevor man voreilig eine oberirdische Insellösung baut, sollte man erst mal alle Möglichkeiten zur Beseitigung des Engpasses durchdenken.“
Vollständig einverstanden! Und deshalb sind wir beim heutigen Entwurf, denn vor gut zehn Jahren haben wir dass auch noch anders gesehen.

Und das ist das Kernproblem. Sollten wir mit unseren Erfahrungen massiver Fahrgaststeigerungen nach dem Stadtbahnausbau bestätigt werden, wird die Frage aufgeworfen werden, was hat die Bielefelder geritten, alle diese Verlängerungen auf einen hochbelasteten Tunnel zuzuführen? Ein „Hinterherkonstruieren“ eines oberirdischen Bypasses wird dann noch teurer und der Freiheit einer Systementscheidung wären wir dann beraubt. Dann müssen wir auch in der Brackweder Hauptstraße und woanders (Langer Kampe oder Heeper Straße...) sagen: „Pech gehabt, ihr hättet auch Niederflurbahnsteige haben können, aber jetzt ist das „alternativlos“ mit den Hochbahnsteigen“.

Wir leiten unsere Einschätzung aus der praktischen Erfahrung eines jeden Schulwerktagmorgens ab, das sind zwar wirklich nur wenige Stunden an 190 Tagen im Jahr, aber wenn wir in diesen Stunden scheitern, wäre das ÖPNV-System in Bielefeld eben nicht alltagstauglich.

Ich weiß nicht, wie sie jeden morgen den Betrieb bewerten (ihre letzte Anmerkung, ob man nicht Einsatzwagen zwischen Hauptbahnhof und Uni pendeln lassen könnte, irritiert mich etwas, da Sie diese im Fahrplan verankerte Praxis nicht kennen), aber „stets flüssig und störungsfrei“ ist nicht die Auswertung unserer Betriebsaufzeichungen und des Beschwerdemanagements.

Im zweiten Teil gehts um die Detailvorschläge.
Tunnel
 
Tag 8
HeeperStrAnwohner
20.05.2013, 11:05 Uhr
Kommentar zum Beitrag von Markus L
Seit Beginn der Diskussion mit öffentlicher Vorstellung der Pläne, drängt sich mir jedenfalls der Eindruck auf, jemand möchte hier mit dem eigentlich nicht den Wünschen und wirklichen Anforderungen entsprechenden Niederflur-Bähnchen quer über den Jahnplatz (und möglicherweise durch vormals ruhige Wohngstraßen) auf Biegen und Brechen Fakten schaffen und sich ein Denkmal setzen.

Das Gefühl habe ich leider schon lange. Ich habe immer gehofft, dass mich das Gefühl trügt, aber je länger diese Diskussion dauert, um so mehr verstärkt es sich.
Ich glaube, alle Gegenargumente werden zwar angehört, verpuffen aber im Wind, weil sowieso schon klar ist, wie und wo die Bahn fährt.
Die Wünsche der Bürger werden wie immer in Bielefeld nicht berücksichtigt. Die dürfen nur zahlen.
Ich mag auch gar nichts mehr dazu schreiben, viel zu unbefriedigend das ganze.
Markus L
20.05.2013, 10:55 Uhr
Kommentar zum Beitrag von ede
Nun ja, die neue Stadtbahnlinie soll ja, von uns Bürgern bezahlt, auch für uns Bürger als zukünftige Nutzer, für uns da sein. Was wir betroffene Bürger uns nun genau wünschen, kann man ja schon sehr gut aus den Beiträgen herauslesen:
Eine Linie 5 als Verlängerung der Linie 4, eingebunden in das vorhandene Netz, so wie in der Vergangenheit ja auch wohl schon mal vorgesehen.

Seit Beginn der Diskussion mit öffentlicher Vorstellung der Pläne, drängt sich mir jedenfalls der Eindruck auf, jemand möchte hier mit dem eigentlich nicht den Wünschen und wirklichen Anforderungen entsprechenden Niederflur-Bähnchen quer über den Jahnplatz (und möglicherweise durch vormals ruhige Wohngstraßen) auf Biegen und Brechen Fakten schaffen und sich ein Denkmal setzen.
Möglicherweise, weil Niederflur-Straßenbahnen momentan in Verkehrsplaner-Kreisen als besonders hip und en vogue gelten und zugleich ein gewisses Image und eien gewisse Ideologie transportieren.
ede
20.05.2013, 10:11 Uhr
 
Ich halte übrigens die Begründung "Kapazitätsproblem im Tunnel" für unzureichend. Denn es gibt meines Erachtens kein "Kapazitätsproblem im Tunnel", sondern nur ein "Kapazitätsproblem im Tunnel an etwa 190 Tagen im Jahr zwischen etwa 7 Uhr und 8 Uhr."

Natürlich definiert immer die engste Stelle eines Engpasses die verbleibenden Möglichkeiten. Aber bevor man voreilig eine oberirdische Insellösung baut, sollte man erst mal alle Möglichkeiten zur Beseitigung des Engpasses durchdenken.

Denn so eine gravierende Systementscheidung ausschließlich deshalb zu treffen, weil es heute im Jahr 2013 bei der Anmeldung zur weiterführenden Schule "moderne Erziehung" ist, sein Kind morgens zwischen 7 Uhr und 8 Uhr einmal quer durch die halbe Stadt zu jagen und man dies seitens Stadt/Mobiel als "alternativlos" einfach akzeptiert, kann auch nicht der Weisheit letzter Schluss sein.

Inwieweit sind beispielsweise in die Gutachteraussage, die Kapazität des Tunnels sei erschöpft, die Daten der Stadt Bielefeld eingeflossen, wonach sich bis 2020 - und vorher fährt eh kein Extra-Stadtbahnwagen - die Schülerzahlen in Bielefeld um ca. 10% vermindern werden?

Inwieweit ist beispielsweise in die hier getätigte Mobiel-Aussage, die Schulen am Krankenhaus wären einer der Hauptverursacher des Engpasses, das o.g. Datenmaterial eingeflossen, dass gerade die Ceciliengymnasium gar einen Rückgang der Schülerzahlen um ca. 20% verzeichnen dürfte?

Inwieweit ist beispielsweise der jüngste Vorschlag zur Entzerrung der Schulanfangszeiten eingeflossen? Auch wenn einzelne Schulkonferenzen erwartungsgemäß heute im Jahr 2013 erst mal quer schießen werden, so ist bis 2020 noch genug Zeit für vernünftige Lösungen.

Inwieweit sind - wenn Fahrgastwechselzeiten am Jahnplatz ein gravierender Faktor sind - hierfür Alternativen erarbeitet worden? Ein zweiter Hauptumsteigepunkt zur Spitzenzeit beispielsweise, der automatisch entsteht, wenn man die Einsatzfahrzeuge der Linie 5 - wie hier mehrfach vorgeschlagen, aber von den Mobiel-Teilnehmern hier bislang konsequent ignoniert - über Landgericht/Adenauerplatz ableitet?

Inwieweit wurden - wenn Fahrgastwechselzeiten am Jahnplatz ein gravierender Faktor sind - neue Linienführungen angedacht worden? ZB wie hier vorgeschlagen, die Linie 4 künftig von Lohmannshof nach Sieker und die Linie 2 von Milse nach Heepen?

Inwieweit wurde - wenn gerade der Einsatzwagenverkehr zur Universität heute schon früher am Morgen wünschenswert ist - hier die Tunnel-Entlastung aus einer Querverbindung BS-Süd zum Lohmannshof berücksichtigt? Heute fahren die Einsatzzüge der Linie 3 ab Jahnplatz quasi leer nach BS-Süd, bloß weil sie auf dem Rückweg dann gebraucht werden. So könnten sie bereits aber als Zubringer zur Universität auch in diese Richtung sinnvoll eingesetzt werden.

Inwieweit wäre es sicherheitstechnisch möglich, Einsatzwagen der Linie 4 zwischen Lohmannshof und dem "Extragleis" am Hauptbahnhof pendeln zu lassen, damit der Jahnplatz entlastet wird?
Tunnel