Die US-Army hat beschlossen, ihre in der Region Schweinfurt stationierten Streitkräfte im Herbst 2014 abzuziehen. Einige hundert Hektar bisher militärisch genutzter Gelände werden dann verfügbar, um die Zukunft der Stadt und des Landkreises zu gestalten. Werden Sie Pionier und denken Sie mit!

 

Seit gut sechzig Jahren sind US-Streitkräfte in Schweinfurt stationiert. Zunächst waren es nur die ehemaligen Kasernen der Wehrmacht aber nach und nach wurden weitere Flächen für die militärische Nutzung und die Beherbergung der Soldaten und ihrer Familien erschlossen. Heute ist die US-Army Garrison Schweinfurt einer der größten Standorte der US-Armee in Europa. Hier leben etwa 5000 amerikanische Soldaten und 7000 Angehörige, über 100 Hektar (1ha=10.000 m2) im Stadtgebiet und rund 200 Hektar im Landkreis werden von der Armee als Kasernen genutzt, hinzu kommt ein ausgedehntes Standortübungsgelände mit über 2500 Hektar. Fast 800 Gebäude wurden auf diesen Flächen errichtet: Schießanlage und Highschool, Trainingsanlagen und Wohngebäude, Militärverwaltung, Krankenhaus, Einkaufszentrum (PX), Supermärkte, Bank, Post, Sportplätze, Kirchen und eine Tankstelle. Sogar die Frischwasserversorgung wird über ein eigenes Wasserwerk gesichert. Kurzum: Die US-Garnison ist eine in sich funktionsfähige Stadt, zu der nur wenige Schweinfurter Zugang hatten und haben.

Die verschlossenen Tore öffnen sich

Diese Situation wird nun bald der Vergangenheit angehören: Im Februar dieses Jahres gab der Oberkommandierende der US-Streitkräfte in Europa General Mark Hertling bekannt, dass die US-Armee ihre Standorte in der Region Schweinfurt in den nächsten Jahren auflösen wird. Nach Einschätzung des Schweinfurter Oberbürgermeisters Sebastian Remelé wird sich der Abzug über die kommenden zwei bis drei Jahre hinziehen. Genaue Termine wurden bislang nicht bekannt gegeben. Heute noch prägen die Kasernen das Stadtbild und die Region, aber wenn die US-Armee abgezogen ist und die Flächen zugänglich sind, dann wird dort ein neues Kapitel der Geschichte aufgeschlagen.
Schweinfurt, das Zentrum der europäischen Wälzlagerindustrie und bedeutendste Industriestadt Nordbayerns, ist für den Wandel im Prinzip gut gerüstet. Die Prognos Studie "Zukunftsatlas 2007 – Deutschlands Regionen im Zukunftswettbewerb" (http://www.prognos.com/Zukunftsatlas-2007-Regionen.173.0.html) platzierte die Stadt Schweinfurt in punkto wirtschaftlicher Dynamik auf dem ersten Rang im Bundesgebiet. Die anstehende Konversion (also die Umwandlung in neue Nutzungen) ist aber auch vor dem Hintergrund einer rückläufigen demografischen Entwicklung im Stadtgebiet und einem gesättigten Gewerbeflächenmarkt im Landkreis zu sehen. Wie die unterschiedlichen Bedürfnisse der beteiligten Gemeinden und der darin lebenden Menschen Eingang finden, wird daher von wesentlicher Bedeutung für den Gesamterfolg der Konversion sein.

 

Auf zu neuen Perspektiven

Welche Potentiale bergen die frei werdenden Flächen und Gebäude für Schweinfurt und den Landkreis? Sind neue Formen des Wohnens und der Freizeitgestaltung dort denkbar, oder müsste eher die Bildung einen größeren Stellenwert erhalten? Benötigt die Wirtschaft neue Möglichkeiten sich auszudehnen, oder ist im Gegenteil eine Rückeroberung durch die Natur sinnvoll? Welche kulturellen Schätze gilt es zu heben, und wie soll die künftige Entwicklung der Region insgesamt aussehen?
Zahlreiche Gemeinden in Deutschland haben ihren Weg zu einer erfolgreichen Konversion bereits gefunden – sei es Wohnen in den ehemaligen Smiley Barracks in Karlsruhe oder die Umsiedlung der Universität in die ehemalige Scharnhorst-Kaserne in Lüneburg. Viele weitere Städte, auch in der näheren Umgebung wie zum Beispiel Würzburg oder Bamberg, machen sich bereits auf den Weg. Schweinfurt fängt zu einem sehr frühen Zeitpunkt an, eine Vision für die Zukunft der Region zu entwickeln. Stadt und Landkreis haben auf die Ankündigung der Standortschließung mit der Einrichtung eines gemeinsamen Konversionsbeirats reagiert, zu dem neben dem Oberbürgermeister und dem Landrat die Bürgermeister der Gemeinden Geldersheim, Niederwerrn, Üchtelhausen und Dittelbrunn, weitere Mitglieder des Stadtrats und des Kreistags, Vertreter der Regierung von Unterfranken sowie weitere Vertreter aus den Bereichen von Wirtschaft, Wohnungswirtschaft und Gewerkschaften gehören. Auch die Bundesanstalt für Immobilienaufgaben (BImA) ist im Gremium vertreten. Der Konversionsbeirat soll den Entwurf von Perspektiven für die zivile Nachnutzung der Flächen unterstützen und den gesamten Prozess der Konversion begleiten. Auf Empfehlung des Beirats hin haben Stadt und Landkreis Schweinfurt im Mai die BulwienGesa AG mit der Anfertigung eines immobilien- und regionalwirtschaftlichen Gutachtens als Grundlage für die Erarbeitung von wirtschaftlich tragbaren und nachhaltig umsetzbaren Nachnutzungskonzepten beauftragt. Da der Prozess schon im Vorgriff auf den Truppenabzug vorbereitet wurde, ist nun Zeit gewonnen für die gründliche Analyse der Potenziale der Flächen. Vor allem aber ergeben sich Chancen für die Entwicklung von Ideen für ihre künftige Nutzung.

Machen Sie mit!

Die Bürgerinnen und Bürger sollen bei diesem Gestaltungsprozess von Beginn an dabei sein. Ihre Beteiligung an der Ideenfindung für die Nachnutzung wird ein zentraler Bestandteil des Gutachtens. Als "Experten ihres eigenen Lebensumfelds" können Sie kundig Auskunft geben über die Bedürfnisse von Stadt und Umland und vielleicht haben Sie selbst Ideen für die Zukunft der Flächen!
In einem ersten Schritt geht es darum, parallel zur Analyse der Faktenlage, erste Perspektiven dafür zu entwerfen, wie die Flächen "nach der Army" genutzt werden könnten. Zwischen dem 27. Oktober und 18. November sind Ihre Ideen online auf zivilarena.de gefragt. Und am 30. November sind Sie ab 16:00 Uhr herzlich zur Ideenwerkstatt im Konferenzzentrum Maininsel Schweinfurt eingeladen. Alle Beiträge werden anschließend ausgewertet und fließen in das Gutachten der BulwienGesa AG ein.

 

Die Einzelstandorte

Der Garnisonsstandort ist auf zahlreiche einzelne Flächen im Stadtgebiet und im Landkreis verteilt, denen jeweils unterschiedliche Funktionen zugewiesen sind:

Ledward Barracks

Die altehrwürdige Dame unter den Liegenschaften: 1936 von der Wehrmacht errichtet, übernimmt die US-Armee 1951 die innerstädtisch gelegene ehemalige Panzerkaserne an der Niederwerrner Straße und benennt sie um in „Ledward Barracks“. Die Lage am Rand der Innenstadt von Schweinfurt begründet ihre hohe städtebauliche Relevanz. Sie ist das Hauptquartier des Standorts und beherbergt auf 28 Hektar

  • 220 Gebäude und Einrichtungen, verwendet als
  • Mannschaftsgebäude, Verwaltungsgebäude, Werkstätten, Lagerhallen, Kantine, Krankenhaus, Einkaufszentrum, Kino, Bank, Post, Kirche, Sport- und Freizeiteinrichtungen, Fahrzeughallen und Parkplätze.

Conn Barracks

Die größte Kaserne des Standorts dehnt sich auf 203 Hektar Fläche im Landkreis auf den Gemarkungen von Geldersheim und Niederwerrn aus. Die Conn Barracks liegen westlich der Stadt Schweinfurt und unterhalten

  • 280 Gebäude und Einrichtungen für
  • Truppenunterkünfte, Flugplatz (kaum noch genutzt), Sitz der Feuerwehr, Lager- und Wartungshallen für Panzer, verschiedene Trainingseinrichtungen, große Recycling- und Sondermüllanlage, Einkaufszentrum, Sportzentrum, Kirche, eigenes Wasserwerk, Reperaturwerkstätten, TÜV, Post und Parkplätze

Askren Manors

Ab dem Jahr 1953 wurde Askren Manors als erste reine Wohnsiedlung des Standorts auf zuvor landwirtschaftlichem Gelände im Stadtgebiet errichtet. Im Jahr 2004 wurde eine umfangreiche Sanierung der dreigeschossigen Wohngebäude durchgeführt. Die Askren Manors befinden sich am westlichen Siedlungsrand der Stadt Schweinfurt. Auf knapp 30 Hektar leben hier ca. 700 Familien in

  • 77 von lockerem Baumbestand umgebenen Gebäuden mit 697 Wohnungen, und nutzen
  • 2 Schulen, Kindergarten, Jugendeinrichtungen mit Sportplätzen, Einkaufszentrum, Turnhalle, Tankstelle und Parkplätzen.

Kessler Field/ Yorktown Village

Durch den Kasernenweg bzw. die Heeresstraße direkt mit den Ledward Barracks verbunden liegen am nordwestlichen Rande des Stadtgebiets mit Blick auf die Felder das ab 1987 errichtete Kessler Field mit den Schul- und Sportanlagen und das Wohngebiet Yorktown Village. Die Anlage von insgesamt 20 Hektar bietet den Armeeangehörigen

  • 68 Wohnungseinheiten in 34 Doppelhaushälften in Holzbauweise, sowie
  • Sporthalle, Fitness-Center, Bowlingcenter, Kindertagesstätte und eine kürzlich eröffnete Highschool.

Übungsgelände Brönnhof und Victory Schießanlage

Folgt man der Heeresstraße weiter nach Norden, erreicht man den im Landkreis v.a. auf den Gemarkungen von Üchtelhausen und Dittelbrunn gelegenen ausgedehnten Übungsplatz Brönnhof. Seine Fläche von über 2500 Hektar ist in großen Teilen bewaldet und beherbergt mehrere Trainingsanlagen für Spezialeinsätze. Insgesamt sind 104 bauliche Anlagen auf dem Gelände verteilt.
Südlich davon auf dem Haardtberg, innerhalb der Gemarkung der Stadt, liegt die Victory Schießanlage mit Übungsmöglichkeiten für Handwaffen und gepanzerte Fahrzeuge sowie Luftlandetruppen.

 

Wem gehören die Flächen?

Die Grundstücke der militärischen Flächen in Deutschland befinden sich im Besitz des deutschen Staates. Das Eigentum an diesen Flächen wurde der Bundesanstalt für Immobilienaufgaben (BImA) übertragen. Die für Schweinfurt zuständigen BImA-Dienststellen in Nürnberg und Würzburg stellen die beschriebenen Liegenschaften den ausländischen Streitkräften zur Verfügung und unterstützen die US-Army bei allen Angelegenheiten, die die Liegenschaft betreffen. Die US-Armee hat an den durch sie genutzten Flächen ein zeitlich unbeschränktes Nutzungsrecht. Sobald die US-Army eine Fläche aufgibt, wickelt die BImA die Rechtsverhältnisse mit den USA ab. Als Immobiliendienstleister des Bundes versucht sie dann, die Liegenschaften mit dem Ziel einer zivilen Folgenutzung zu veräußern. Das kann ein Verkauf an private Erwerber sein, aber auch an die Kommunen selbst.
Die Stadt und die Gemeinden genießen ein Vorkaufsrecht an den militärischen Flächen, wenn sie für kommunale Pflichtaufgaben benötigt werden (dies gilt nicht für Wohnflächen). Der Verkaufspreis der einzelnen Flächen wird durch Gutachten und die Marktlage bestimmt und ist im Vorfeld schwer einzuschätzen.
Mit dem Abzug der Militärs fallen die Flächen wieder in die Planungshoheit von Stadt und Gemeinden. Diese können durch entsprechende Änderungen ihrer Flächennutzungspläne und im Detail dann durch die Aufstellung von Bebauungsplänen die Art der künftigen Nutzung steuern.