Im Jahr 2012 endet der Bergbau im Saarland. Betroffen hiervon ist auch die etwa 140 Hektar große Fläche der Bergwerksanlage Duhamel und ihres Umfelds in der Gemeinde Ensdorf.
Zivilarena sammelt im ersten Schritt Ideen für eine neue Zukunft des Areals.

 

Die Gemeinde Ensdorf im Saarland blickt auf eine lange Tradition des Steinkohlebergbaus zurück, die bis in die erste Hälfte des 18. Jahrhunderts reicht. Über die nahe gelegene Saar konnte die Kohle direkt per Schiff abtransportiert werden und so siedelten sich nach und nach zahlreiche Förderbetriebe aus nördlicheren Gegenden im Saartal an. Mitte der 1950er Jahre entstand die Grube Ensdorf aus der Zusammenlegung zweier kleinerer Gruben auf dem heutigen Bergwerksgelände Duhamel. In den 1960er Jahren hatten sich die Fördermengen so weit erhöht, dass man mit dem Aufschütten einer Halde begann. Heute thront die Bergehalde Duhamel mit einer Gipfelhöhe von 150 Metern weithin sichtbar über dem Saartal.

 

Von der Steinkohleförderung zu neuen Nutzungen

Wenn am 30. Juni 2012 nach über 200 Jahren der Bergbau im Saarland endgültig ausläuft, bedeutet dies auch das Ende des Bergbaus in Ensdorf und läutet ein neues Zeitalter für die Bergehalde und Tagesanlage sowie für das Umfeld ein. Rund 140 Hektar Fläche werden dann zur Ideenspielwiese für die Zukunft Ensdorfs und der ganzen Region. Die bisherige Betreibergesellschaft, die RAG Deutsche Steinkohle AG, ist gesetzlich verpflichtet, ein Abschlussbetriebsplanverfahren durchzuführen. Darüber hinaus gestaltet die Gemeinde Ensdorf mit der RAG Montan Immobilien GmbH unter dem Dach der "Projektgemeinschaft Entwicklung Bergwerksanlage Duhamel" aktiv den Nachnutzungsprozess für Duhamel zusammen mit den Bürgern vor Ort und aus der Region.

Ideen für Ensdorf

Bis zum Ende des Jahres 2012 soll in einem gemeinsam gestalteten Prozess unter Beteiligung der Bewohner ein Masterplan für die Umgestaltung der Bergwerksanlage erstellt werden. Den Auftakt bildet eine Ortsbesichtigung mit anschließendem Bürgercafé am 1. Juni als Eröffnung einer zweiwöchigen Phase der Ideenfindung. Alle Bürgerinnen und Bürger sind herzlich eingeladen, ihrer Fantasie freien Lauf zu lassen und Ideen für das neue Stück Ensdorf zu entwickeln. Danach werden die Ideen gruppiert und von einem Planerteam in Rückkopplung auch mit dem Bürgercafé zu unterschiedlichen Nutzungsvarianten ausgearbeitet. In einem zweiten Schritt gilt es, die entstandenen Varianten zu diskutieren und in einem dritten Schritt schließlich zu bewerten. Auf dieser Grundlage wird dann der Masterplan entworfen und in den kommenden Jahren umgesetzt.

Zur Lage und Gestalt des Areals

Von den fast 140 Hektar Gesamtfläche der Bergwerksanlage entfallen ca. 74 ha auf die Bergehalde und ca. 27 ha auf die Tagesanlage. Das Gelände liegt zum größten Teil innerhalb der Gemarkung der Gemeinde Ensdorf, deren Ortskern sich im Süden befindet. Nach Norden hin grenzt die Gemeinde Saarlouis an, deren Gemarkung in das Gelände der Bergwerksanlage hineinragt. Im Osten des Areals befindet sich die Gemeinde Schwalbach. Für die Einordnung auf der Landkarte beachten Sie bitte die Karte, für die Orientierung auf dem Gelände den Lageplan, beides finden Sie in den Unterlagen.

Die Bergehalde

Im Laufe der vergangenen Jahrzehnte wurde die Hälfte der Haldenfläche begrünt. Seit knapp zehn Jahren ist sie durch Wanderwege erschlossen und öffentlich begehbar. Spaziergänger und Sportler genießen seitdem die grandiose Aussicht über das Saartal, ebenso wie die zahlreichen Gleitschirmflieger, die die Bergehalde als Startpunkt für ihre Flüge schätzen. Am Südhang wird seit den 1970er Jahren ein kleiner Weinberg kultiviert – eine bislang einzigartige Nachnutzung eines ehemals industriellen Areals. Nach Osten hin schließt ein Schlammweiher an den Fuß der Bergehalde an.

Noch in diesem Jahr soll der Gipfel der Halde durch das so genannte Saarpolygon gekrönt werden. Diese große Stahlskulptur der Berliner Architekten Katja Pfeiffer und Oliver Sachse ging als Siegerentwurf aus dem Wettbewerb "Landmarke zum Ende des Bergbaus" hervor, der im Frühjahr 2011 von der RAG ausgeschrieben wurde. Die Umsetzung dieses neuen Wahrzeichens hat sich der eigens zu diesem Zweck gegründete Verein BergbauErbeSaar - Förderverein zur Wahrung des Erbes des Bergbaus und der Bergleute an der Saar e.V. zur Aufgabe gemacht. Ermöglicht durch zahlreiche private Spender, Stifter und Sponsoren soll das Saarpolygon "die technischen sowie sozialen Leistungen des Saarbergbaus und seiner Beschäftigten – die das Saarland in besonderem Maße geprägt haben – eindrucksvoll würdigen."

Die Tagesanlage

Im Bereich der Tagesanlage befinden sich diverse Gebäude, von denen manche derzeit noch genutzt werden. So etwa die alte Kompressorenhalle, in der noch bis Ende des Jahres die Energie für die Anlage produziert wird und die als ein architektonisch herausragendes Zeugnis der Bergbauindustrie unter Denkmalschutz steht.
Auch das Führermaschinenhaus mit den aktuell noch in Betrieb befindlichen Dampfmaschinen ist als Denkmal eingestuft.
Raum für Gestaltung bieten auch die Alte Werkstatt, das Verwaltungsgebäude und das Magazingebäude, in dem aktuell ein Archiv der Bergwerksanlage untergebracht ist. Hier wird zu entscheiden sein, ob diese nicht denkmalgeschützten Gebäude renoviert und umgenutzt oder abgerissen werden, um weitere Flächen freizumachen.

Die Umgebung

Die Bergwerksanlage ist umgeben von Flächen der angrenzenden Gemeinden, die im Rahmen einer Nachnutzungsidee für Duhamel ebenfalls mit einzubeziehen sind. Im Norden grenzen so z.B. Freiflächen der Gemeinde Saarlouis an die Halde – ein ausgedehntes Naturareal, das möglicherweise sinnvoll mit der Bergehalde verbunden werden kann. In diesem Rahmen soll auch das Panzerübungsgelände auf der Gemarkung der Stadt Saarlouis in die Überlegungen für die Nachnutzung mit einbezogen werden. Schließlich liegen unmittelbar südlich ein Wohngebiet, Freizeiteinrichtungen, Straßen, Bahnanbindungen und Waldflächen der Gemeinde Ensdorf, die im aktuell in Vorbereitung befindlichen Gemeindeentwicklungskonzept berücksichtigt werden und in der Neugestaltung der Bergwerksanlage mitgedacht werden sollen.