Wenn hierzulande militärische Standorte geschlossen werden, dann beginnt meist das große Klagen – die Kommunen befürchten wirtschaftliche Ausfälle und immense Kosten für die zivile Nachnutzung der Flächen. Dass dies nicht unausweichlich ist, zeigt Lars Wirkus in diesem Beitrag und plädiert dafür, die Chancen zu ergreifen, die sich durch eine Konversion eröffnen.

 

Bis 2015 will die Bundesregierung nicht weniger als 8,3 Mrd. Euro im Bundeswehretat einsparen. Hintergrund sind die sich verändernden sicherheitspolitischen Rahmenbedingungen sowie ein verändertes Anforderungs- und Einsatzprofil der Bundeswehr. Nach Ankündigung von Minister de Maizière im Jahr 2011 sollen "Personaleinsparungen" im Umfang von rund 20.000 Zivilbeschäftigten und rund 45.000 Soldatinnen und Soldaten vorgenommen werden. Und auch die Landschaft militärischer Standorte in Deutschland wird sich als Folge dieser Einsparungen nachhaltig verändern.

Nicht zum ersten Mal werden in Deutschland seit dem Ende des Kalten Krieges Anfang der 1990er Jahre militärische Liegenschaften geräumt. Nach und nach zogen amerikanische, belgische, britische bzw. russische Streitkräfte ab und hinterließen weiträumige Truppenübungsplätze und riesige Kasernenanlagen in West und Ost. Zu erinnern ist aber auch an die im Jahr 2004 durch Verteidigungsminister a.D. Struck initiierte letzte große Reform der Bundeswehr, die immer noch nicht vollständig umgesetzt ist. Sie ist hinsichtlich der zu erwartenden Folgen am besten mit der aktuellen Streitkräftereform vergleichbar. Damals fielen insgesamt 105 Standorte dem Rotstift zum Opfer, deren Schließung, begleitet auch durch zahlreiche Standortverkleinerungen, zu den heute insgesamt existierenden rund 390 Bundeswehrstandorten führte.

Auch wenn bei den betroffenen Kommunen der Schock über den Verlust an Arbeitsplätzen und an wirtschaftlichem Potenzial sowie Ratlosigkeit, was mit den ehemals militärischen Flächen geschehen soll, zunächst meist vorherrscht – die Erfahrungen der letzten 20 Jahre zeigen, dass Standortschließungen durchaus auch Chancen für betroffene Kommunen bieten. Dass zivile Nachnutzung auf militärischen Standorten erfolgreich realisiert werden kann, belegen die folgenden Beispiele aus Nordrhein-Westfalen (NRW):

So verdankt der Medienstandort Köln einen Großteil seines Ausbaus einer gewerblich-industriell orientierten Umnutzung ehemaliger belgischer Kasernen. Die Hochschullandschaft profitierte z.B. in Münster vom Umbau britischer Militärgebäude. In Iserlohn und Lippstadt entstanden "Wohnparks" anstelle von britischen Kasernen. Nach wie vor ein Paradebeispiel für gelungene Liegenschaftskonversion ist die Umnutzung von NATO-Bunkern in Kevelaer-Twisteden: hier entstanden ein Trainingszentrum für Trabrennpferde und ein Logistikzentrum.

Zwar basieren all diese Erfolgsgeschichten auch auf der finanziellen Unterstützung durch das damalige NRW-EU-Programm KONVER II. Und auch die heutigen Forderungen der Ministerpräsidentinnen und Ministerpräsidenten nach einem Bundeskonversionsprogramm für die aktuell betroffenen Kommunen sind vollständig berechtigt. Abgesehen davon zeugen die Beispiele jedoch vom A und O dieses speziellen Strukturwandels – Kommunen haben aktiv versucht, die Chancen zu nutzen, die sich aus den Veränderungen ergeben.

Dass Liegenschaftskonversion nicht per se ein Grund zum Schwarzsehen ist, belegt auch eine Studie der Ruhr-Universität Bochum aus dem Jahr 2010. Sie hat sich mit den regional-ökonomischen Auswirkungen der letzten Bundeswehrreform befasst und kommt zu der Erkenntnis, dass die "Standortveränderungen nur einen marginalen ökonomischen Effekt auf die lokalen Kommunen haben, in denen die Standorte zu finden sind." 1

Es gibt kein Patentrezept für erfolgreiche Liegenschaftskonversion. Angesichts schrumpfender Bundes-, Landes- und Kommunalhaushalte erscheint es heute trotz vieler positiver Erfahrungen sehr unwahrscheinlich, dass alle freigegebenen und zukünftig freizugebenden Flächen gewerblich, wohnlich oder kommunal so genutzt werden können, dass sie den Kommunen neue Abgaben bzw. Einnahmen bescheren werden. Hier heißt es offen zu sein für neue Lösung und Ansätze. Hierzu gehört z.B. der Rückbau von Flächen (Renaturierung). Denkbar wäre auch, dass eine Kompensation für die Schließung in Zukunft zwar der Kommune oder Region zugute kommt, aber nicht zwangsläufig die ursprünglich militärisch genutzte Fläche betrifft.

1Paloyo, A.R., C. Vance & M. Vorell (2010): The regional economic effects of military base realignments and closures in Germany. Ruhr Economic Papers 181, S.3 u. 12.